ZUWAKO-Projekt (2022 - 2025)

ZUWAKO-Projekt

Das Menschenrecht auf Wasser- und Sanitärversorgung wurde im Jahr 2010 von den Vereinten Nationen anerkannt. Wasser zählt zu den wichtigsten Rohstoffen der Erde und soll allen Menschen flächendeckend in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Klimawandel und künftige Wetterextreme – Hitze, Starkregen, Überschwemmungen oder anhaltende Trockenheit – könnten die Erreichung dieses Ziel gefährden. Lokaler Wasserstress könnte künftig auch im eigentlich wasserreichen Deutschland zu verstärkten Verteilungskonflikten führen, etwa zwischen Landwirtschaft, Industrie, Energie- und Wasserwirtschaft sowie dem Schutz von Grundwasser und Ökosystemen. Wasserkonflikte, die sich künftig in Deutschland abzeichnen könnten, werden im Rahmen des ZUWAKO-Projekts erforscht.

Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Sektoren und Interessengruppen sollen transparent gemacht und eventuelle Zielkonflikte bei der Wassernutzung aufgedeckt werden. Die jeweiligen Handlungsoptionen verschiedener Akteure werden analysiert, wobei der Einfluss möglicher – durch den Klimawandel bedingter – Wetterextreme Berücksichtigung findet. Beteiligte aus der Praxis, unter anderem aus der Wasserwirtschaft, werden beim Design und bei der Erstellung und Auswertung der Modellierungen aktiv eingebunden. Mit der Werkstattversion einer Webanwendung wird das Konfliktfeld Wasser für alle Beteiligten schließlich erlebbar gemacht. Exemplarisch zu untersuchende Konfliktfelder mit besonderer Relevanz für Deutschland werden sein: Zielkonflikte in einem Flusseinzugsgebiet (Modul A: FZ Jülich), Konflikte der Bewässerung (Modul B: ZIRIUS), Wasserkonflikte bei Großprojekten (Modul C: TUBAF).

Forschungsfragen

  • Welchen Einfluss haben zukünftige Umfeldbedingungen wie u.a. der Klimawandel auf zukünftige Wasserkonflikte in Deutschland?
  • Wie wirken sich die künftigen Strategien und Entscheidungen verschiedener gesellschaftlicher Akteur*innen auf Konfliktlagen aus?
  • Welche Kombinationen von Strategien und Maßnahmen (Policies) können zukünftige Wasserkonflikte verschärfen bzw. abschwächen?
  • Wie kann die Cross-Impact Bilanzanalyse (CIB) in Form partizipativer Modellierung und Planspiel genutzt werden, um Akteure bei der Antizipation von Konflikten und Strategiebildung zu unterstützen?
Grafik mit Projektorganisation und Projektbeteiligten.

  

Modul C:

Mit dem Betrieb und der Schließung eines Tagebaus sind erhebliche Folgen für Wasserressourcen verbunden, u.a. die Veränderung des Grundwassers und die Absenkung des Grundwasserspiegels (UBA 2017, Krupp 2020). Außerdem entstehen sog. Ewigkeitskosten, darunter fallen wasserwirtschaftliche Maßnahmen, sowie Grundwassermonitoring, die Flutung des Restlochs und der Bau notwendiger Infrastruktur (s. Agora Energiewende 2017). Tagebaubetreiber müssen Rückstellungen für solche Kosten bereitstellen, ansonsten müssten diese vom Staat übernommen werden. Im Fokus dieses Moduls steht der Zielkonflikt zwischen Großprojekten (wie z. B. dem Tagebau) und Grundwasserschutz. Diese Konflikte sind typisch für die (z.T. grenzüberschreitenden) und langfristigen Nebenwirkungen der Eingriffe der (Schwer)Industrie bzw. von Großprojekten in Landschaft und Ökosysteme auf das Grundwasser und schlussendlich auf die gesicherte Trinkwasserversorgung. Typisch sind grenzüberschreitende Wasserkonflikte sowie Konflikte um die Versorgungssicherheit. Das Modul wird z. B. am Fall der „Grube Turow“ arbeiten: Durch die Fortführung des Kohleabbaus in der polnischen Grube Turow ist Streit zwischen den Anrainerstaaten Polen, Deutschland und der Tschechischen Republik entflammt. Die Tschechische Republik klagte erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof gegen den Tagebau, weil sie ein Absinken des Grundwasserspiegels in der Grenzregion befürchtet. Auf deutscher Seite legte auch Zittau Beschwerde ein. Der polnische Staat wurde bereits zu täglichen Strafzahlungen verurteilt. Neben diesem aktuellen Konflikt entsteht durch den fortgeführten Tagebau ein zukünftiger Konflikt zwischen den Nachbarländern, da die Restlöcher des Tagebaus irgendwann geflutet werden, was wiederum durch die Kopplung von Grund- und Oberflächenwasser den Wasserstand der benachbarten Flüsse beeinträchtigen kann. Überdies wird der Klimawandel voraussichtlich durch häufigere Trockenperioden und Hitzewellen zu einer Verschärfung des Konflikts führen.

 

Projektpartner

Logo ZIRIUS

Logo Forschungszentrum Jülich

  

Förderung

Das Projekt wird durch das "Ladenburger Kolleg" der Daimler und Benz Stiftung gefördert.

Logo der Daimler und Benz Stiftung

  

Projektteam der TU Bergakademie Freiberg

Prof. Dr. Dirk T. G. Rübbelke

Anja Brumme