Exkursion: DVGW-Hochschulgruppe besucht Thermoprozessanlagen in der Harz-Region

Die DVGW-Hochschulgruppe der TU Bergakademie Freiberg besuchte im Rahmen einer mehrtägigen Exkursion vom 16.07.19 bis zum 18.07.19 mehrere Unternehmen diverser Branchen in der Harz-Region.

Zu den Unternehmen gehörten die Salzgitter Flachstahl GmbH in Salzgitter, die Norzinco GmbH, die Harz-Metall GmbH und die Electrocycling Anlagen GmbH in Goslar sowie die Novelis Deutschland GmbH in Nachterstedt. Besonderes Interesse galt dabei den von den Unternehmen betriebenen Thermoprozessanlagen und deren Bedeutung im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Die erste Station führte in das Stahlwerk der Salzgitter Flachstahl GmbH in Salzgitter. Hier wurde der Gruppe der Prozess der Stahlproduktion vom Erz ausgehend in seinen einzelnen Prozessschritten durch Herrn Swoboda vorgestellt. Die besuchten Anlagen des großflächigen Firmengeländes umfassten einen 50 m hohen Hochofen, der pro Tag bis zu 14.000 t Roheisen liefert, das Stahlwerk mit den Konvertern zur Umwandlung des kohlenstoffreichen Roheisens zum kohlenstoffarmen Stahl durch das Einblasen von Sauerstoff mit bis zu 13 bar, sowie das Warmwalzwerk des Unternehmens, in dem die aufgeheizten Stahlbrammen der Stranggussanlage zu einem 2 km langen Warmband gewalzt werden.

Die beeindruckenden Dimensionen der besuchten Anlagen und des Betriebsgeländes mit seiner Infrastruktur stießen ebenso wie die deutlich spürbare Wärmestrahlung der Stahlbrammen bei der Gruppe auf besondere Resonanz.

Herr Swoboda klärte die Gruppe über die zahlreichen Energieeinspar- und Umweltschutzmaßnahmen sowie die geplanten Aktivitäten des Unternehmens zur CO2-Reduktion durch den Einsatz von Wasserstoff auf.

Am Folgetag wurden mit der Norzinco GmbH und der Harz-Metall GmbH zwei Unternehmen der Recylex-Gruppe besucht. Die Norzinco GmbH ist ein führender Hersteller von Zinkoxid und Zinkstaub, der mit dem sogenannten New Jersey-Feinzink-Destillationsverfahren arbeitet. Dabei wird hochreines Zinkoxid aus Sekundärrohstoffen wie Zinkschrott oder Umschmelzzink gewonnen. Die einzelnen Prozessschritte wurden vom Betriebsleiter Herrn Klesse, einem Alumnus der TU Bergakademie Freiberg, präsentiert. Bei der anschließenden Führung durch das Werk wurden Themen aus den Bereichen der thermischen Trenntechnik sowie der Wärme- und Verbrennungstechnik, insbesondere zu Konzepten der Abwärmenutzung besprochen.

Der eindrucksvolle Wandel des historischen Hüttenstandorts zu einem modernen Recyclingunternehmen, das sich noch größtenteils im ursprünglichen Werksgebäude befindet, faszinierte die Gruppe.

Im Anschluss wurde der 30 m lange Drehrohrofen der Harz-Metall GmbH, die sich auf demselben Werksgelände befindet, aus unmittelbarer Nähe besichtigt. Darüber hinaus wurde uns von Herrn Holzapfel in der Leitwarte der Anlage die Verfahrensweise und Prozessführung näher erläutert.

Als weiteres Exkursionsziel wurde die Electrocycling Anlagen GmbH besichtigt, die im Jahr über 80.000 t Elektronikschrott aufbereitet. Herr Kramer vom Qualitäts- und Umweltmanagement des Unternehmens präsentierte der Gruppe zunächst die wesentlichen Inhalte des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und die sich daraus ergebenden Rechte und Pflichten für Hersteller, Konsument und Entsorger. Danach konnte sich die Gruppe einen Überblick über das Werksgelände mit seinen eindrucksvollen Bergen aus Elektronikschrott, verschiedenen Anlagen der mechanischen Verfahrens- und Trenntechnik, wie zum Beispiel Windsichter und Schwimm-/Sink-Anlagen zur Kunststofftrennung, verschaffen. Darüber hinaus kam es im Zusammenhang mit der Besichtigung der manuellen Demontagelinie zu angeregten Diskussionen über die Auswirkungen der modernen Konsumgesellschaft auf Prozesse der Abfallwirtschaft. Insbesondere die Verantwortung von Produzenten und Konsumenten wurden dabei thematisiert.

Den ersten kulturellen Programmpunkt der Exkursion bildete das ehemalige Erzbergwerk und UNESCO-Weltkulturerbe Rammelsberg mit seiner über 1000-jährigen Geschichte. Hier wurde eine Führung durch die Erzaufbereitungsanlagen des Bergwerks besucht. Dabei wurden Backenbrecher, Kugelmühlen und Flotationsanlagen in ihrem historischen und verfahrenstechnischen Kontext eingeordnet und erlebbar dargestellt. Danach führte der Weg in die nahegelegene Welterbestadt Quedlinburg, in deren Nähe sich das Exkursionsziel des nächsten Tages befand. Hier konnte sich die Gruppe von den kulinarischen und architektonischen Vorzügen der Stadt überzeugen.

Als abschließendes Exkursionsziel wurde das weltweit größte Aluminiumrecyclingwerk der Firma Novelis Deutschland GmbH in Nachterstedt besucht, das jährlich über 400.000 t Aluminiumschrott verarbeitet. Die Prozessingenieure Herr Rosenhagen, ebenfalls TUBAF-Alumnus und Herr Kühn zeigten der Gruppe die Verfahrensschritte des Aluminiumrecyclings von der mechanischen Aufbereitung über die thermische Behandlung im Drehrohrofen bis hin zum Schmelzofen und dem Blockguss mit anschließendem Zuschnitt. Neben der spürbaren Wärmeentwicklung in der Ofenhalle und den daraus folgenden hohen Arbeitsschutzvorkehrungen hinterließen vor allem die imposanten Ausmaße der Thermoprozessanlagen einen bleibenden Eindruck.

Die Exkursion zeigte den Mitgliedern der Hochschulgruppe die vielfältigen Anwendungsfelder von Thermoprozessanlagen und die damit verbundenen Aufgabenfelder für ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure. Darüber hinaus wurden tiefgreifendes Wissen über Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Ressourcennutzung vermittelt.

Die Mitglieder der DVGW-Hochschulgruppe möchten sich dafür bei den Unternehmen der Salzgitter Flachstahl GmbH in Salzgitter, der Norzinco GmbH, der Harz-Metall GmbH, der Electrocycling Anlagen GmbH sowie der Novelis Deutschland GmbH für die angebotenen Führungen recht herzlich bedanken. Ein besonderer Dank gilt darüber hinaus dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches für die Finanzierung und Herrn Martin Hefele und Herrn Sven Eckart für die Organisation der Exkursion.

Weiterführende Informationen zum Besuch bei der Norzinco:

https://recylex.eu/de/students-from-the-freiberg-university-of-mining-and-technology-visit-hzo/

Ansprechpartner: 
M.Sc. Martin Hefele
3
<< >>