Interview mit Tebin Burhan Muhammed, Tishk International University, Irak

Interview mit Tebin Burhan Muhammed von der Tishk International University

Ein junger Mann mit blauer Mund-Nase-Bedeckung und heller Arbeitskleidung sowie einem weißem Schutzhelm aus Plastik in einem hohen Raum mit einem StahlgerüstTebin Burhan Muhammed von der Tishk International University im Irak studierte als Austauschstudent im Rahmen des Mobilitätsprogramms Erasmus+ mit Partnerländern im Sommersemester 2020 Wirtschaftswissenschaften in Freiberg. Das Interview wurde für Acamonta – Zeitschrift der Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg e. V., Ausgabe 2020, geführt.

Herr Muhammed, Sie kamen im März [2020] in Freiberg an. Wie haben Sie sich eingelebt trotz Lockdown?

Der Lockdown und die Pandemie beeinflussten meinen ganzen Auslandsaufenthalt, ich konnte nicht physisch an Kursen teilnehmen, Kommilitonen treffen, Leute kennenlernen oder Feiertage und Veranstaltungen erleben. Andererseits bekam ich mit, wie ein fremdes Land und eine andere Gesellschaft mit der Pandemie umgehen. Die Menschen hielten sich an die Maßnahmen und Deutschland bewältigte die Situation sehr gut, finde ich.

Wie gut konnten Sie an der Onlinelehre teilnehmen?

Leider nicht so effektiv, mir fehlte die Interaktion mit den Professoren und Kommilitonen. Meiner Meinung nach geht es beim Studieren vor allem um Kommunikation und Zusammenarbeit, beides geht virtuell nicht so gut.

Was denken Sie, wie Sie in akademischer, kultureller, sprachlicher Hinsicht von der Auslandserfahrung profitiert haben?

Als Austauschstudent hatte ich die Chance, ein Semester in Freiberg zu verbringen. Es war eine tolle und wichtige Erfahrung für mein ganzes Leben, da ich an einem Ort lebte und studierte, der sich von meiner Heimat sehr unterscheidet. Ich konnte mein akademisches Wissen erweitern, auch zur Rolle des europäischen Rechts für das Zusammenleben und die Kooperation in Europa. Und ich lernte die deutsche Kultur, Sprache und das Alltagsleben kennen sowie viele ausländische Studierende und deren Kulturen. Ich erfuhr viel hier über Zeitmanagement, Wirtschaft, Geschlechtergerechtigkeit, Demokratie und Freiheit. Ich bin sehr beeindruckt von der Rolle, die die TU Bergakademie für die Entwicklung und Innovationen im Bergbau seit jeher spielt.

War es schwierig, nicht zuhause zu sein?

In einer Krisenzeit ist es besser, bei der Familie und Freunden zu sein, um sich sicher zu fühlen. Im Ausland kann man die eigene Persönlichkeit entwickeln. Ich lernte in dieser Zeit, mit meinen Gefühlen umzugehen und nicht in Panik zu geraten.

Wie geht es weiter bei Ihnen, wenn Sie zurück im Irak sind?

Zuhause möchte ich das, was ich gelernt habe, umsetzen und mit meiner Familie und mit Freunden teilen. Ich plane einen Vortrag über meine Erfahrungen an der Uni, um andere für ein Studium in Deutschland und besonders in Freiberg zu motivieren. Ich möchte weiter Deutsch lernen. Nach meinem Bachelor-Abschluss würde ich gern einen Master an der TU Bergakademie machen.

Quelle: Acamonta – Zeitschrift der Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg e. V., Ausgabe 2020, S. 108