Suche nach alternativen Verwertungswegen für Ersatzbrennstoffe

EBS-pellets aus Restabfällen
Am 25. September 2019 trafen sich Vertreter aus der Abfall- und Recyclingwirtschaft mit Wissenschaftlern des Instituts für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (IEC) sowie der Fraunhofer IMWS Außenstelle.

Das IEC sowie das Fraunhofer IMWS  „Kohlenstoff-Kreislauf-Technologien“ diskutierten über alternative Verwertungsmöglichkeiten von Ersatzbrennstoffen (EBS). EBS werden u.a. aus Restabfällen oder Sortierresten der Gelbetonne hergestellt und in Industriekraftwerken, Zementwerken, EBS-Kraftwerken oder Kohlekraftwerken (mit) verbrannt. Das ermöglicht die Wiedergewinnung von Wertstoffen (z.B. Eisen und Nichteisenmetalle) vor der EBS-Verbrennung. Besonders relevant wurde dieses Thema im Laufe des Strukturwandels. Der Kohleausstieg, steigende Anforderungen an den Brennstoff sowie eine schwierige Marktsituation, verbunden mit steigenden Preisen machen den Absatz der EBS zunehmend schwieriger, teils unmöglich. Denn viele Verwerter nehmen die Materialien nicht mehr an, zu gering sind Einsatzquoten und Gewinn. Die macht die Zukunft der EBS-Hersteller so ungewiss. Nun müssen die Hersteller neue Verwertungswege finden. Ansonsten besteht das Risiko, dass die EBS-Erzeugung obsolet wird, und Restabfälle unsortiert zu Müllverbrennungsanlagen geschickt werden. Das würde die Wiedergewinnung von Wertstoffen und deren Rückführung in Sinne einer Kreislaufwirtschaft verhindern. Die Etablierung neuer Verwertungswege ist mit langjährigen Investitionen verbunden. Daher bedarf es umfassender Informationen und stabiler Rahmenbedingungen. Wie diese aussehen können war eines der vielen Themen.

Besprochen wurde auch die Durchführung einer Machbarkeitsstudie für die großtechnische Umsetzung von chemischem Recycling in der Form der FlexiSlag-Vergasungstechnologie – entwickelt durch das IEC – für die hundertprozentige Abfallvergasung. Das Potential der EBS als Einsatzstoff für Vergasungsanlagen zur Produktion von Olefinen als Basischemikalie für die chemischen Produktion sowie Synthesekraftstoff (d.h. Ottokraftstoffe) für die Mobilität wurden diskutiert. Ziel ist es mit 8-10 Projektpartnern ein Konzept über die großtechnische Umsetzung der Abfallvergasung an Chemiestandorten wie Leuna oder Schwarze Pumpe für das Bundeswirtschaftsministerium BMWi zu erarbeiten. Dabei sollen EBS Hersteller insbesondere in Ostdeutschland eingebunden werden, um den Strukturwandel entsprechend zu unterstützen und mitgestalten zu können.

Teilnehmer des Treffens waren neben dem IEC der TU Bergakademie Freiberg (TUBAF) AMAND Geschäftsführungs GmbH, Kommunaler Abfallentsorgungsverband „Niederlausitz“, KreisAbfallVerwertungsGesellschaft mbH Minden-Lübbecke, MVV Umwelt Asset GmbH, SRW metalfloat GmbH, Verband kommunaler Unternehmen e.V., Romonta und der Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg.

Gastgeber war das Fraunhofer IMWS in Halle, das seit kurzem eine Außenstelle für „Kohlenstoff-Kreislauf-Technologien“ am IEC in Freiberg hat. Prof. Meyer, Leiter der Außenstelle in Freiberg und der Professur Energieverfahrenstechnik und thermische Rückstandsbehandlung an der TUBAF wirbt dafür bestehende Lieferketten nicht aufzugeben und die Hersteller bei der Entwicklung neuer Verwertungsmöglichkeiten zu unterstützen. Chemisches Recycling ist eine davon, die am IEC intensiv untersucht wird und zukünftig die entstehende Lücke zwischen mechanischem Recycling und energetischer Verwertung schließen soll.