Sektorenübergreifendes Fachkolloquium zum Thema Kohlenstoffkreislaufwirtschaft

Diskussionsrunde während des Kolloquiums. Foto: IEC
Ca. 80 Experten aus Politik, Forschung und Industrie folgten am 06. Juni 2019 der Einladung des Instituts für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen zum Fachkolloquium „Chemisches Recycling – Aktuelle Entwicklungen, Optionen und Perspektiven“.

Insgesamt 12 Referenten der BASF SE, der Covestro Deutschland AG, der Basell Polyolefine GmbH, der BKV GmbH, der Veolia Umweltservice Süd GmbH & Co. KG, der REMONDIS Recycling GmbH & Co. KG, der Nouryon BV, der CEMEX Deutschland AG, des Fraunhofer-Instituts UMSICHT, der Torrgas BV, der Asahi Kasei Europe GmbH und des IEC beleuchteten das hochaktuelle Themenfeld des chemisches Recyclings und die Transformation zu einer Kohlenstoffkreislaufwirtschaft aus verschiedenen Blickwinkeln. Unter den interessierten Gästen waren neben zahlreichen Branchenangehörigen aus Chemie, Abfall, Energie und Anlagenbau auch Vertreter des BMU und des Umweltbundesamtes.

Im ersten Teil der vielbesuchten Veranstaltung gaben führende Chemieunternehmen einen spannenden Einblick in Zukunftsstrategien und Entwicklungsperspektiven des chemischen Recyclings. Beispielsweise wurde neben einem innovativen Pyrolyseansatz von BASF ein neues Verfahren zur Produktion von Schaumstoffen aus CO2 von Covestro vorgestellt. Zudem präsentierte die Basell Polyolefine GmbH ihren Fahrplan und ihre Partnerschaften für das chemische Recycling in Deutschland.

Anschließend legten im zweiten Teil richtungsweisende Akteure der Abfallbehandlung und Abfallverwertung ihre Sichtweise dar. Neben Einblicken in eine aktuelle BKV-Studie zur rohstofflichen Kunststoffverwertung wurde durch REMONDIS ein umfassender Überblick zum Abfallmarkt in Deutschland und dessen rechtlichen Besonderheiten geboten. Zudem lieferte Veolia erste Einblicke in ihren innovativen Ansatz für das Elektronikschrott-Recycling. Eine Zusammenfassung der Entwicklungen, Optionen und Perspektiven des ambitionierten Waste-to-Chemicals Projekts in Rotterdam gab Nouryon.

Der dritte Teil des Kolloquiums skizzierte schließlich die technologischen Entwicklungspfade einer effizienten Kohlenstoffkreislaufwirtschaft. Allen voran stellte das IEC sein FlexiSlag Vergasungsverfahren für die chemische Umwandlung diverser Einsatzstoffe (Abfälle, Biomasse, Petrolkoks, Kohle, … ) in Synthesegas vor. Das Fraunhofer Umsicht präsentierte im Anschluss ein innovatives Solvolyse-Verfahren zur effizienten Rückgewinnung von Metallen, Monomeren und Aromaten aus Abfällen. CEMEX zeigte technische Lösungen wie Abfälle sinnvoll im Rahmen der Zementproduktion Anwendung finden können. Zusätzlich wurden von Torrgas die aktuellen Entwicklungen ihres Biomasse-Pyrolyse-Projektes und von Asahi Kasei Europe die aktuellen Erfolge im Bereich der nachhaltigen Wasserstofferzeugung vorgestellt.

Als besonderer abschließender Programmpunkt des Kolloquiums wurde den Teilnehmern ein aktuelles Video der BMBF Nachwuchsforschergruppe STEEP-CarbonTrans mit dem Titel „What is Chemical Recycling?“ präsentiert, welches den besonderen Stellenwert der Technikkommunikation zur Steigerung des öffentlichen Wissens und Bewusstseins im Hinblick auf die Kohlenstoffkreislaufwirtschaft verdeutlichte.

In seinem Abschlussplädoyer zeigte sich Professor Bernd Meyer ausgesprochen zufrieden mit der Veranstaltung und lobte das große Engagement der Anwesenden. Er verwies jedoch auch auf die Notwendigkeit einer noch engeren Zusammenarbeit und auf den akuten Handlungsbedarf von politischer Seite.

Anschließend an das Kolloquium hatten die Teilnehmer noch die Gelegenheit, die umfangreichen Labor- und Technikumsanlagen des IEC zu besuchen, darunter die HP-POX-Anlage, die Syngas-to-Fuel-Anlage sowie die FlexiSlag-Anlage.

Gruppenbild des BHT Kolloquiums "Chemisches Recycling". Foto: IEC