IAM zu Gast bei der EUMICON International Raw Materials Conference 2018 in Wien

Elisabeth Köstinger hält ihren Eröffnungsvortrag auf der EUMICON
Ca. 250 renommierte Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik sowie der Rohstoff- und verarbeitenden Industrie referierten und diskutierten auf der EUMICON 2018 vom 26. - 28. September in Wien über neue Lösungen für eine nachhaltige Versorgung Europas mit Rohstoffen.

„Europa ist reich an armen Rohstoffen“

Mit dieser Kernaussage eröffnete Frau Elisabeth Köstinger, österreichische Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, die diesjährige Internationale Rohstoffkonferenz der europäischen Rohstoffinitiative EUMICON in Wien. Nur mit innovativen Technologien lässt sich Europas Rohstoffbedarf der Zukunft sichern, ohne auf möglicherweise konfliktbeladene Rohstoffe aus anderen Weltregionen zurückgreifen zu müssen. Gerade die Umstellung auf erneuerbare Energien treibt den weltweiten Rohstoffbedarf an – verbunden mit einem nicht unerheblichen Konfliktpotential!

Ca. 250 renommierte Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik sowie der Rohstoff- und verarbeitenden Industrie referierten und diskutierten auf der EUMICON 2018 vom 26. - 28. September über neue Lösungen für eine nachhaltige Versorgung Europas mit Rohstoffen und die dazu erforderlichen Aufbereitungstechnologien und -maschinen.

Aus der Universitätsstadt Freiberg hielt Prof. Dr. Jens Gutzmer, Direktor des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie, einen gemeinschaftlichen Vortrag mit Prof. Dr. Frank Melcher der Montanuniversität Leoben zum Thema „Mineralische Rohstoffe aus Europa für Europa – das Potential von Europas Rohstoff-Lagerstätten“ in der Eröffnungsfachgruppe „Rohstoffe sind die Zukunft“. Wer nach neuen Rohstofflagerstätten sucht, so der Tenor, sollte in der Nähe alter Bergwerke beginnen!


Neue Lithiumprojekte in Zinnwald und Wolfsberg

Prof. Melcher und Prof. Gutzmer zeigten anhand konkreter Explorationsergebnisse das große Rohstoffpotenzial Europas auf – u.a. im Erzgebirge und in den Alpen! Vor dem Hintergrund eines rapide ansteigenden Rohstoffbedarfs für Lithium-Ionen-Batterien wurden zwei neue Lithiumprojekte in Zinnwald (Erzgebirge) an der deutsch-tschechischen Grenze und Wolfsberg, 270 km südlich von Wien gelegen, vorgestellt.

Batterietaugliches Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxid werden für die Herstellung der verschiedenen Typen von Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt. Diese kommen bislang v.a. in mobilen Endgeräten zum Einsatz, werden zukünftig jedoch verstärkt auch für Elektroautos verwendet. Allein mit dem Lithiumvorkommen auf der deutschen Seite der Lagerstätte in Zinnwald könnten ca. 10 Millionen Fahrzeuge mit entsprechenden Batterien ausgestattet werden – und die Lithiumreserven auf der tschechischen Seite sind sogar doppelt so groß!

Prof. Frank Melcher (Montanuniversität Leoben) zeigt während seines Vortrags eine Karte, die anhand neuester Explorationsergebnisse das Rohstoff-Potential Europas aufzeigt

Prof. Jens Gutzmer vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) zeigt während seines Vortrages anhand der Explorationsergebnisse die vorhandenen Lithium-Lagerstätten in Europa auf


Starker Anstieg des Bedarfes an primären Rohstoffen durch den Einsatz moderner Technologien für erneuerbare Energien

„What is renewable in renewables? Just the wind and the sun.“

So beantwortete Prof. Peter Moser, Vizerektor für Infrastruktur und Internationale Beziehungen sowie Inhaber des Lehrstuhl für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft an der Montanuniversität Loeben diese von ihm selbst aufgeworfene Frage.

Solarzellen, Windräder etc. müssen dennoch aus Rohstoffen hergestellt werden – zu großen Teilen aus Primärrohstoffen. Die Auswahl an dafür benötigten Materialien ist dabei meist deutlich komplexer als bei konventionellen Kraftwerken!

Für die Metalle der Seltenen Erden und andere wichtige Ausgangsrohstoffe müssen aufgrund der zum Teil geringen Gehalte in den Erzen sogar sehr große Erzmengen gewonnen und aufbereitet werden, oft verbunden mit entsprechenden Eingriffen in die Natur.

Nach Einschätzung von ao. Univ.-Prof. Glen Corder, geschäftsführender Direktor des Umweltzentrums beim Institut für Nachhaltige Mineralien an der Universität Queensland, Australien, wird der Kupferverbrauch von aktuell ca. 20 Millionen Tonnen pro Jahr auf ca. 50 Millionen Tonnen pro Jahr im Jahr 2050 ansteigen – und dies bei weiter sinkenden Kupfergehalten in den Lagerstätten!

Dem steht eine vergleichsweise kurze Lebensdauer der photovoltaischen Zellen und Windräder von 15 – 20 Jahren gegenüber. Zum Vergleich: Kohlekraftwerksblöcke haben in der Regel eine Lebensdauer von 40 – 50 Jahren!

Die sich unter diesen Rahmenbedingungen ergebenen Herausforderungen für den zukünftigen Energiemix – unter Berücksichtigung des damit verbundenen ökologischen Fußabdruckes – werden den Diskurs in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft weiterhin nachhaltig prägen!

Univ.-Prof. Peter Moser während seines Vortrages bei der EUMICON 2018 in Wien: „Der Rohstoffbedarf steigt bis 2050 stark an, massiv getrieben vom Bedarf an erneuerbaren Energien”

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Prof. Dr.-Ing. Holger Lieberwirth