Clemens Winkler

Vor mehr als hundert Jahren, am 8. Oktober 1904, starb einer der großen Chemiker Deutschlands, der Entdecker des Germaniums, der Wegbereiter der Rauchgasentgiftung und einer wirtschaftlichen Schwefelsäureherstellung, der international aufgeschlossene Hochschullehrer: Clemens Alexander Winkler. Seine Forschungsstätte an der damaligen königlich-sächsischen Bergakademie Freiberg ziert eine Gedenktafel der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die vierte aus dem Programm "Historische Stätten der Chemie". Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die GDCh Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Als Orte der Erinnerung werden Wirkungsstätten beteiligter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ausgezeichnet.

Die Gedenktafel am alten chemischen Laboratorium Winklers, in dem er von 1873 bis 1902 forschte, lehrte und wohnte, trägt die Inschrift: "Clemens Winkler führte hier bahnbrechende Arbeiten auf den Gebieten der anorganischen, der analytischen und der technischen Chemie durch. Die von ihm entwickelten Verfahren zur Rauchgasentschwefelung machten ihn zum Vorreiter der modernen Umweltschutztechnologien. Am 6. Februar 1886 entdeckte er hier das Germanium, wodurch der Beweis für die Richtigkeit des periodischen Systems der Elemente erbracht wurde. Der russische Gelehrte Dmitri Mendeleev war 1894 Gast in diesem Haus."

Am 20. und 21. Oktober 2004 würdigten die GDCh und TU Bergakademie Freiberg im Rahmen des jährlich stattfindenden Winkler-Kolloquiums das Schaffen des großen Chemikers. Zu den wissenschaftlichen Vortragenden zählten Professor Dr. Fritz Vahrenholt, REpower Systems, ("Was kommt nach dem Öl?"), Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, MdB, ("Was könnte das Äquivalent des Chemie- und Autobooms des frühen 20. Jahrhunderts sein?") und weitere namhafte Vertreter aus Industrie, Hochschule und anderen Forschungsinstitutionen. Bekannt gegeben und gewürdigt wurde auch der Preisträger der Clemens-Winkler-Medaille 2004, Professor Dr. Klaus G. Heumann, Universität Mainz. Die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie vergibt diese Auszeichnung in Anerkennung eines jahrelangen, erfolgreichen Einsatzes für die Weiterentwicklung und Förderung der analytischen Chemie.

Clemens Winkler wurde 1838 in Freiberg geboren, wo er auch studierte. 1859 fand er Anstellung beim Sächsischen Blaufarbenwerks-Konsortium und promovierte während seiner Industrietätigkeit 1864 an der Universität Leipzig. 1873 wurde er als Professor für Chemie an die Bergakademie Freiberg berufen. Weitere Rufe nach Dresden, Leipzig, Berlin und Göttingen lehnte er ab. Seine letzte Vorlesung gab er 1902. Zwei Jahre später, 66-jährig, starb er in Dresden.