Freiesleben-Preis für Herrn Selbmann

Foto von Franz Selbmann.
Der Werner-Freiesleben-Preis wird jährlich an einen Absolventen bzw. eine Absolventin der Fakultäten Chemie und Physik oder für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie vergeben. In diesem Jahr erhielt Franz Selbmann diese Auszeichnung. Mit ihm sprach Uta Ballaschk.

Herr Selbmann, zunächst unseren herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung mit dem Freiesleben-Preis 2018! Es ist schön, dass zum wiederholten Mal ein Absolvent unseres Hauses diesen Preis erhält. Schon in den Jahren 2012-2014 kamen ja die Preisträger aus unserem  Institut.
Ich weiß, dass Sie als Schüler wiederholt erfolgreich am Wettbewerb „Jugend forscht“ teilgenommen und einmal sogar den zweiten Preis im Landeswettbewerb gewonnen haben. Hat das Ihre Berufswahl beeinflusst?

Vielen Dank für Ihre Glückwünsche. Ein gewisses Interesse für die Natur- bzw. Ingenieurwissenschaften hatte ich von Kindesbeinen an, was sich in der Schule fortsetzte und zur sechsmaligen Teilnahme bei „Jugend forscht“ bzw. „Schüler experimentiert“ führte. Der Kontakt mit anderen Teilnehmern, Juroren und Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft bestärkte mein Interesse an diesen Fachgebieten. Faszinierend ist bei „Jugend forscht“ vor allem die Vielfalt der vertretenen Fachrichtungen. Daraus entstand mein Wunsch, eine möglichst interdisziplinäre Fachrichtung zu studieren.

Eine etwas provokante Frage: Sie sind in Chemnitz geboren, warum haben Sie in Freiberg und nicht in Chemnitz studiert?

Ich bin zwar in Chemnitz geboren, jedoch in Mittweida aufgewachsen, um schließlich über die Teilnahme am Schülerkolleg Chemie der TU Bergakademie erste Eindrücke in Freiberg sammeln zu können. Überzeugt von den Studienbedingungen und dem einzigartigen interdisziplinären Studienangebot im Bereich der Werkstoffwissenschaften entschied ich mich schließlich für das Bachelorstudium der Elektronik- und Sensormaterialien, das ich mit dem konsekutiven Masterstudiengang fortsetzte und abschloss.

Wenn Sie heute auf Ihr Studium zurücksehen – was fanden Sie gelungen und wo sehen Sie Verbesserungsbedarf bei Lehrinhalten, Art der Wissensvermittlung und/oder Betreuung?

Mein Studium war für mich ein Lebensabschnitt, in dem ich mich neben der fachlichen Ausbildung auch persönlich weiterentwickeln konnte. Ein wesentlicher Grund dafür waren für mich die Rahmenbedingungen in Form kleiner Seminargruppen und eines hohen Betreuungsschlüssels, die eine individuelle Planung des Studiums und die Auswahl gezielter fachlicher Schwerpunkte ermöglichten. Darüber hinaus waren für mich die enge Verknüpfung aus Theorie und Praxis sowie bestehende Kooperationen und Kontakte der Universität zu regionalen Unternehmen wichtig. Dadurch konnte ich schon früh praktische Erfahrungen sammeln und mich für meinen weiteren Berufsweg orientieren. Mit dem Abschluss meines Studiums sah ich mich daher sowohl inhaltlich als auch persönlich neuen Herausforderungen gewachsen, die nicht zuletzt in meinem Promotionsvorhaben bestehen.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Frau Prof. Joseph und allen Mitarbeitern des Instituts für Elektronik- und Sensormaterialien für die Unterstützung und kompetente Betreuung während meines Studiums und natürlich auch im Rahmen meiner sich anschließenden Promotionszeit bedanken.

Im August 2015 haben Sie Ihr Masterstudium auf dem Gebiet der Elektronik- und Sensormaterialien mit hervorragenden Ergebnissen abgeschlossen. Welche Aktivitäten waren Ihnen außerhalb Ihres Studiums wichtig?

Begeistert von den Studienbedingungen war es mir neben meinem Studium ein Anliegen, mich aktiv für die Universität und den Studiengang „Elektronik- und Sensormaterialien“ zu engagieren, so z.B. durch meine Mitgliedschaft in der Studienkommission meines Studienganges, die aktive Werbung von zukünftigen Studenten oder die Mitwirkung bei der Umgestaltung des Studienangebots zum heute angebotenen Studiengang „Nanotechnologie“. Außerdem reise ich gern und habe außerhalb meines Studiums an verschiedenen Sprachkursen, u.a. in Barcelona und Rom, sowie Sommerakademien an anderen Universitäten teilgenommen.

Wenn Sie heute auf Ihre Studienzeit zurücksehen – haben Sie einen Tipp für unsere Studenten?

Durch entsprechende Gestaltung meines Studiums, z.B. die Themenauswahl bei studentischen Arbeiten, bekam ich Einblicke in verschiedene Arbeitsgebiete. Das war wertvoll für die Entscheidungsfindung hinsichtlich potenzieller zukünftiger Arbeitsgebiete. Von besonderer Bedeutung für mich waren außerdem zwei Auslandsaufenthalte in den USA und Japan, die ich während bzw. unmittelbar nach meinem Studium absolvierte und die mir neben neuen fachlichen Erfahrungen auch Einblicke in andere Kulturen ermöglichten.

Seit dem 01.10.2016 promovieren Sie auf dem Gebiet, Parylene als Funktionswerkstoff in Mikrosystemen zu integrieren. Können Sie in drei Sätzen erklären, worum es dabei geht?

Im Vergleich zum Silizium, das in der Mikrosystemtechnik etabliert ist, besitzen Kunststoffe wie Parylene mechanische Eigenschaften, die eine höhere Empfindlichkeit und Leistungsfähigkeit von Mikrosystemen bzw. Sensoren versprechen und neue Konzepte ermöglichen. In meiner Promotion untersuche ich Parylene hinsichtlich seiner Integrierbarkeit in Mikrosysteme und seiner Kompatibilität mit anderen verwendeten Materialien einschließlich der benötigten Herstellungsprozesse. Ziel ist die Entwicklung eines Demonstrators in Form eines gassensitiven chemischen Sensors auf Parylene-Basis.

In Ihrem Fall handelt es sich um eine vom Europäischen Sozialfonds geförderte Industriepromotion. Ein Industriepartner finanziert dabei die Hälfte des Stipendiums. Das bedeutet für Sie, dass Sie mit einem Fuß in unserem Institut und mit dem anderen im Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (ENAS) in Chemnitz stehen. Welche Vor- und welche Nachteile sehen Sie bei diesem „Modell“?

Die Durchführung meiner Promotion an den beiden Instituten eröffnet mir eine interessante Kombination aus Grundlagen- und angewandter Forschung, wobei ich sowohl rein wissenschaftlich-akademischen als auch industriell geprägten Fragestellungen begegne. Wertvoll für die Bearbeitung meines interdisziplinären Promotionsthemas sind die sich ideal ergänzenden Kompetenzen hinsichtlich der Forschungsschwerpunkte und Ausstattung der beiden Institute. Insgesamt ermöglicht dieses „Modell“ daher eine große Breite der zu bearbeitenden Fragestellungen bei gleichzeitiger fachlicher Tiefe.

Nun sind Sie ja neben Freiberg auch wieder in Chemnitz gelandet. Wo soll die Reise nach Ihrer Promotion hingehen, welchen beruflichen Weg würden Sie gern einschlagen?

Für die Zeit nach meiner Promotion möchte ich mich gern der angewandten und industrienahen Forschung widmen, d.h. entweder in einer entsprechenden Forschungseinrichtung wie der Universität bzw. der Fraunhofer-Gesellschaft oder aber in der Industrie selbst. Vorher würde ich gern einen weiteren Auslandsaufenthalt absolvieren, wobei ich mir derzeit verschiedene Ziele vorstellen kann – u. a. Kanada, Skandinavien oder Neuseeland. Mein nächstes großes Ziel ist aber natürlich der Abschluss meiner Promotion. Die Auszeichnung mit dem Werner-Freiesleben-Preis motiviert und bestärkt mich dabei selbstverständlich.

Herr Selbmann, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen alles Gute und Erfolg bei Ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

Ansprechpartner: 
Dipl.-Ing. Uta Ballaschk