Erfolgreiche Promotion von Dr. Alexander Mann - ein Interview

Foto von Alexander Mann.
Unser externer Doktorand Alexander Mann stellte am 18.11.2019 die Ergebnisse seiner Dissertation zum Thema „Aspekte der Zuverlässigkeitsauslegung von gepulsten DMOS-Endstufen“ vor und schloss damit erfolgreich sein Promotionsverfahren ab. Mit ihm sprach Frau Ballaschk über Internes und Externes.

Herr Dr. Mann, Sie waren damals, im Jahr 2007, Student im ersten Jahrgang des Masterstudiengangs „Elektronik- und Sensormaterialien“. Was hat Sie damals veranlasst, ausgerechnet in Freiberg und gerade dieses Studium anzutreten?

Ich hatte bereits mit dem Übergang zur Sekundarstufe 2 und der damit verbundenen Auswahl an Leistungskursen am Gymnasium eine recht genaue Vorstellung von meinen Interessen und dem groben Themenbereich, in dem ich mich beruflich später bewegen wollte: Informationstechnologie. Ich habe anschließend durch einige Praktika als Schüler schnell gemerkt, dass mich vor allem die Hardware-Entwicklung reizt.
Bei der Suche nach einem passenden Studiengang bin ich insbesondere durch die Schüleruniversität auf Elektronik- und Sensormaterialien an der TU Bergakademie aufmerksam geworden. Die vielfältigen fachlichen Entfaltungsmöglichkeiten sowie der unschlagbare Betreuungsschlüssel sind auch im Nachhinein betrachtet die großen Stärken des Studiengangs.

Sie sind ja heute bei der Firma Bosch tätig. Verraten Sie uns, was Ihr derzeitiges Arbeitsgebiet ist? Waren Sie durch Ihr Studium für die Anforderungen der Industrie fit? Oder haben Sie in dieser Hinsicht etwas vermisst?

Seit dem Abschluss meiner Promotionszeit bei Bosch und der tiefgehenden Untersuchung eines möglichen Fehlermechanismus in der Halbleitertechnologie entwickle ich mich aktuell fachlich in die Breite: So bin ich verantwortlich für die Zuverlässigkeitsbewertung von Halbleiterbauelementen sowie -technologien und deren applikationsrelevanten Fehlermechanismen, die durch die elektrische Belastung der Bauelemente im Zusammenspiel mit den thermischen und mechanischen Randbedingungen der Materialsysteme entstehen. Dazu gehört sowohl die Konzeption als auch die Koordination von Qualifikationsplänen in Abstimmung mit internen wie externen Partnern, die Entwicklung geeigneter Testmethoden sowie -strukturen und nach wie vor auch die praktische Arbeit im Labor.
Das Studium stellt eine sehr gute fachliche Grundlage dar, um mit dem Berufseinstieg schnell die Sprache der Kollegen zu sprechen, so dass man sich früh auf die unzähligen spannenden Details und Problemstellungen bei der Herstellung eines Halbleiterchips oder -sensors konzentrieren kann. Einzig ein stärkerer Fokus auf Elektronik während des Studiums hätte in meinem speziellen Fall die initiale Hürde bei der Schaltungsentwicklung von komplexen Testsystemen erleichtern können.

Wie funktioniert eine „externe Promotion“ eigentlich und wie eng war bei Ihnen der Kontakt zur Hochschule über die lange Zeit?

Die Industriepromotion ist letztlich eine zeitlich befristete Anstellung, bei der der Arbeitgeber ein forschungsrelevantes Thema vergibt und über deren Verlauf eine Kooperation zwischen Unternehmen und betreuender Hochschule entsteht. Der Kontakt ist hierbei stark themenabhängig: So gibt es durchaus Industriepromotionen, bei denen der Doktorand einen Großteil seiner Arbeitszeit an der Hochschule verbringt. Ich habe mein Thema hingegen vollständig im Unternehmen bearbeitet und die entstandenen Arbeitsergebnisse regelmäßig mit der betreuenden Hochschulprofessorin Frau Dr. Joseph diskutiert.

Sie haben ja berufsbegleitend promoviert, was sicher viel Selbstdisziplin erfordert. Haben Sie einen Tipp, worauf man in dieser Hinsicht besonders achten sollte?

Berufsbegleitend würde ich es eher nicht nennen: Das Promotionsprogramm bei Bosch bietet den großen Vorteil, dass der Doktorand kein „Alltagsgeschäft“ bearbeiten muss, so dass ich mich ganz meinem Promotionsthema widmen konnte. Es gibt aber durchaus berufsbegleitende Promotionsprogramme in der Industrie. Allerdings besteht hierbei die Gefahr, dass das eigene Promotionsthema gegenüber der sonstigen Projektarbeit in den Hintergrund gedrängt wird und dadurch nicht die Aufmerksamkeit erfährt, die für eine erfolgreiche Bearbeitung notwendig wäre.
Mein Tipp ist, sich schon zu Beginn einer Industriepromotion einen Fahrplan zurechtzulegen, um einen Überblick über wichtige Meilensteine der Arbeit zu erhalten. Hierzu zählen neben themenbezogenen Zielen insbesondere die zeitliche Einordnung von Veröffentlichungen und der Übergang zwischen experimenteller Phase und dem Zusammenschreiben der Dissertation. Ansonsten läuft man Gefahr, die Dissertation während des anschließenden Berufslebens fertigstellen zu müssen, was zwangsläufig mit beruflichen sowie privaten Verpflichtungen kollidiert.

Abschließende Frage: Was werden Sie jetzt mit Ihrer vielen Freizeit anfangen?

Da auch ich einen Teil des Schreibens der Dissertation parallel zum neuen Job erledigt habe, gilt es nun erst einmal, vernachlässigte Freundschaften zu reaktivieren und einen langen und entspannenden Urlaub zu planen. Zudem ist nun mehr Zeit für Hobbys, so dass ich die anstehende Weihnachtszeit nutzen werde, um für die gesamte Familie den Kochlöffel zu schwingen.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen eine erholsame Weihnachtszeit. Alles Gute für Sie.

Das Interview führte U. Ballaschk.