Studium

Wissenswertes und Tipps zum Studienbeginn

Die Zukunft steht in den Sternen, aber der Weg wird jetzt geebnet

Ihr seid hier, um euch für Jahrzehnte des Berufslebens zu qualifizieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Geotechnik–Studiums bieten sich zahlreiche Optionen: Arbeitsplätze finden sich auf dem Amt, auf der Baustelle, an der Universität oder in einem Ingenieurbüro. Dabei reichen die Aufgabengebiete von der technischen Leitung einer Baustelle als Bauleiter, der Dimensionierung von Böschungen eines Tagebaus, der Planung einer Tunneltrasse bis hin zur Berechnung der Sicherheit eines Küstenbauwerkes. Während die einen auf den Baustellen praktische Probleme lösen müssen, beschäftigen sich andere mit den Fehlermeldungen von Programmen oder Plausibilitätsprüfungen von numerischen Simulationen. So vielfältig die Aufgaben und Herausforderungen im täglichen Leben eines Ingenieurs sind, so umfangreich muss auch das vorhandene Hintergrundwissen sein, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Niemand kann vorhersagen, wo die Reise nach dem Studium hingeht, denn dies hängt nicht nur vom Arbeitsmarkt und den gesuchten Arbeitskräften ab, sondern auch von persönlichen Umständen, die sich schnell ändern können. Um jeden bestmöglich und nachhaltig auf die spätere Berufswelt vorzubereiten, gibt es eine breite Streuung von Modulen, die von Markscheidewesen über Dammbau bis hin zu Feldversuchstechnik reichen. Diese Breite kann beflügeln, aber auch einschüchtern und frustrieren und gerade im Grundstudium liegen die interessant klingenden Fächer noch in weiter Ferne. Aus eigenen Erfahrungen haben wir eine Liste mit Tipps und gut gemeinten Hinweisen zusammengestellt, die euch helfen sollen, gut durch das Studium zu kommen!

Das Studium ist ein Marathon kein Sprint

Die Uni ist keine Schule – und das ist gut so. Aber daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Wir erwarten von euch ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigeninitiative. Das bedeutet für euch ein hohes Maß an Freiraum, bedingt aber auch eigenverantwortliches Handeln. Es liegt in eurer Verantwortung, zu den Vorlesungen zu erscheinen, die Übungen zu absolvieren, und euch selbst und euren Kenntnisstand einzuschätzen. Das nimmt euch niemand ab und ist integraler Bestandteil des Lernens an einer Uni. Diese Umstellung fällt nicht jedem leicht und ist besonders dann schwierig, wenn einem auf sozialen Medien vorgegaukelt wird, dass das Feiern der Hauptbestandteil des Studiums sei. Nach einer durchgefeierten Nacht fällt es einem aber nicht ganz leicht zur Vorlesung um 07:30 zu erscheinen und mancher dreht sich lieber noch einmal um, statt aufzustehen. Doch je mehr Vorlesungen verpasst werden, desto schwieriger wird es, den kommenden Vorlesungen zu folgen. Darum gilt: „Wer feiern kann wie die Großen, kann auch aufstehen wie die Großen“. Zudem geht das Niveau des Stoffes in vielen Fächern deutlich über das Abiturniveau hinaus. Wie sollte es auch anders sein? Lasst euch von anfänglichen Schwierigkeiten, Ungewissheiten und dem ein oder anderen Dämpfer nicht entmutigen. Man wächst mit seinen Herausforderungen, und wenn man einmal im Rhythmus ist, wird vieles leichter. Die späteren Semester sind für die meisten Studenten die Leichteren (Voraussetzung dafür ist der nächste Punkt) – aller Anfang ist jedoch schwer. Der erste Schritt ist der Wichtigste und der Beginn der Lösung jedes Problems.

Die Modulordnung ist nicht von Himmel gefallen

Zu Beginn des Studiums stehen Fächer wie "Technische Mechanik", "Höhere Mathematik" oder "Physik" auf dem Plan. Diese fallen vielen Studenten schwer und entsprechen nicht immer den persönlichen Neigungen. Gerade wenn durch das Bildungssystem eines bestimmten Bundeslandes manche Fächer vielleicht in der Oberstufe nicht so intensiv belegt werden konnten, entsteht leicht das Gefühl abgehängt zu werden. Da kommt so mancher auf die Idee, diese Fächer auf spätere Semester zu schieben und das Bestehen an das zukünftige und sicherlich schlauere Ich zu delegieren. Kluge Strategie? Im Gegenteil. Das zukünftige Ich hat zwar viele andere Fächer gehört, dafür aber den Stoff bspw. der Technischen Mechanik nicht besser verinnerlicht, als es das schon im ersten und zweiten Semester hatte. Man fängt mit dem Lernen u.U. sogar wieder von vorne an, weil man vieles doch wieder vergessen hat. Hinzu kommt, dass man zu Beginn des Studiums oft noch niemanden derjenigen kennt, die aktuell auch das Modul besuchen, wodurch das Bilden von Lerngruppen schwieriger wird.  Findet man gleich im Laufe des ersten Semesters eine gute Lerngruppe, kann dies in vielen kommenden Semestern helfen, den Stoff gut zu verinnerlichen: Probleme können diskutiert werden und über die Jahre können sich auch enge Freundschaften entwickeln. Also am besten den Schwung des aktuellen Semesters nutzen und die Prüfung gleich schreiben – und im besten Falle natürlich bestehen. Beachtet auch, dass in den ersten Semestern für die schweren Prüfungen verschiedenste Tutorien angeboten werden, wo ältere Studenten einem bei Problemen helfen. Diese werden im Stundenplan verankert und es ist gewährleistet, dass man sie besuchen kann. In späteren Semestern passen sie dann nicht zwingend mehr in den eigenen Stundenplan. Zudem werden die Anfangsmodule durch fast alle Ingenieurstudiengänge gleichermaßen belegt; was bedeutet, dass sehr viele Übungsgruppen angeboten werden. Fällt einem ein bestimmtes Kapitel – etwa die Dynamik in der Technischen Mechanik – besonders schwer, kann man sich zusätzlich in weitere Übungen setzen und versteht es bei einem anderen Übungsleiter und im zweiten Anlauf die Welt gleich viel besser. Gemeinsam erscheinen Probleme und Hindernisse meist gar nicht mehr so hoch. Auch die Lehrkräfte helfen jeder Zeit gern. Stellt Fragen, sprecht uns an. Wir sind eine kleine Universität und können sehr gut auf euch eingehen. Aber wir müssen hören, wo es klemmt. Und das von euch, denn Gedanken lesen können auch wir nicht. Scheut euch also nicht, unmittelbar in den Lehrveranstaltungen Rückfragen zu stellen. Durch diese aktive Mitarbeit bleibt alles auch viel besser hängen und man bleibt in der Vorlesung auch leichter wach. Mitarbeit wirkt besser als Getränke, die vermeintlich Flügel verleihen. Die Curricula haben sich erfahrene Hochschullehrer ausgedacht. Es gibt einen einfachen Grund warum Mathematik, Technische Mechanik, Thermodynamik, Physik und Chemie am Anfang es Studiums stehen: sie sind Grundlage für viele andere Fächer. Schiebt man die Prüfung, verschiebt man auch einen großen Teil des Lernens, und es fehlt einem das Grundlagenwissen, auf das die Spezialfächer aufbauen. Dort werden Verstehen des Stoffs und Bestehen der Prüfung dadurch schwerer. Ein Teufelskreis entsteht. Und zu guter Letzt gibt es in jedem Semester viel zu tun. Das Aufschieben bedeutet nur, dass der Berg, den man vor sich hat, immer größer wird. Das führt eher zu Lähmungserscheinungen als zu einer guten Studienorganisation. Am Ende dauert das Studium dadurch deutlich länger, ohne dass die Noten besser würden. Zu guter Letzt birgt das Aufschieben das Risiko, dass man im 10. Semester, in dem man eigentlich den Abschluss finden sollte, durch das wiederholte Durchfallen durch die Angstprüfung aus dem ersten Semester exmatrikuliert wird. Dann hat man viel mehr Zeit, Geld und Nerven investiert, als wenn man schon im ersten Semester die Entscheidung für ein Alternativstudium getroffen hätte. Also – am besten folgt ihr den Plänen der Studienordnung und geht jede Prüfung gleich mit vollem Schwung an.

Jetzt schon an morgen denken

Auch wenn die Zukunft, wie oben beschrieben, schwer planbar ist, lohnt es sich immer mal schon einen Schritt weiter zu denken.  Wollt ihr als Ingenieur später ernst genommen und respektiert werden, dann arbeitet jetzt daran, dass ihr das nötige Handwerkszeug lernt und wählt nicht einfach den leichtesten Weg durchs Studium. Belegt die Fächer, die euch weiterbringen, die euch wertvolle Grundlagen vermitteln – auch, wenn ihr hart dafür arbeiten müsst. Der Schweiß von Heute ist der Erfolg von Morgen. Über die Jahre werdet ihr merken, dass euch die Grundlagenfächer weiter tragen – denn sie sind unabhängig von aktuellen Entwicklungen in der Praxis gültig und lehren euch das systematische Lösen von Problemen. Damit seid ihr für eine Arbeitswelt im Wandel bestens gerüstet. Der Weg des geringsten Widerstands (credit point optimization) bringt euch vielleicht schneller und leichter zum Abschluss, aber im Berufsleben nicht unbedingt den erhofften Erfolg – ihr verlagert nur den Aufwand. Je mehr ihr meistert, umso selbstbewusster werdet ihr in das Berufsleben starten können.

 

Wagt euch aus der Blase – Querverbindungen suchen

Die Universität kann eine ziemliche Blase werden, in der man ständig auf die gleichen Leute, mit den gleichen Ansichten stößt. Wagt euch schon frühzeitig nach außen und macht eure Praktika nicht erst im Hauptstudium. Natürlich hat man im Hauptstudium schon mehr gehört und ist vielleicht besser einsetzbar, aber es geht in diesen Praktika vor allem um euch und nicht darum, eine billige Arbeitskraft für eine Firma zu sein. Gerade am Anfang kann ein Praktikum zum einen für genügend Motivation sorgen und dafür, dass man wieder weiß, warum man sich durch das Grundstudium "quält". Zum anderen erfahrt ihr vielleicht von der einen oder anderen Grundlage, dass sie doch nützlich ist, was ihr an der Uni gar nicht für möglich gehalten habt, weil die Dozenten der Grundlagenmodule gar nicht die Zeit haben, auf alle möglichen Anwendungsbereiche einzugehen. Es ist aber leichter gesagt als getan, diese Querverbindungen selber zu suchen. Im Grunde wird man den Nutzen einiger Grundlagenfächer erst in höheren Semestern erkennen, wenn die vermittelten Verfahren zur Anwendung kommen. Manche Dinge werden auch u.U. erst relevant, wenn man im entsprechenden Job steckt. Versucht dennoch diese Querverbindungen frühzeitig zu erkennen. Das fördert sowohl das Verständnis, als auch die Motivation. Im Zweifel gilt wie immer: fragt nach. Und begeht nicht den Fehler, Dinge zu früh als "irrelevant" abzutun. Da die Ausbildung auf eine sehr breit gefächerte Palette späterer beruflicher Schwerpunkte abgestimmt ist, ist alles relevant, auch wenn jeder Einzelne später natürlich unterschiedliche Schwerpunkte haben und das Eine mehr, das Andere weniger intensiv benötigen wird. An Universitäten wird letztlich auch der akademische Nachwuchs ausgebildet, wodurch der Anspruch über die reine Industriequalifikation hinausgehen muss. Schließlich wollen wir nicht nur Erfüllungsgehilfen, sondern auch die Innovatoren von Morgen ausbilden. Und wer weiß schon genau, wo er in einigen Jahren arbeiten und welches Wissen er dann benötigen wird. Vorschnelle Urteile und Schubladendenken helfen da nicht weiter – wie im wahren Leben.

Zusätzliche Quellen erschließen – wozu gibt es das Internet und die Bibliothek

Es kommt vor, dass es einfach nicht "Klick" macht, wenn der Prof etwas erzählt. Haben wir gehört. Jedes Gehirn funktioniert anders, jeder Student hat eine andere Vorbildung. Manchmal genügt zum Überwinden der Verständnishürde ein neuer Blickwinkel. Darum lohnt sich der Blick in verschiedenen Lehrbüchern, in denen dasselbe Problem unterschiedlich angegangen wird. Da hilft nur das Erkunden. Ebenso gibt es einen Schatz an gut recherchierten und aufbereiteten YouTube Kanälen (etwa 3Blue1Brown für mathematische Konzepte) und Apps, die bestimmte Sachverhalte sehr anschaulich und gelegentlich interaktiv vermitteln können. Sie sind kein Ersatz, aber eine super Ergänzung zur klassischen Lehre. Auch das Stöbern in der Bibliothek kann eine super Idee sein. Man stößt auf Bücher, von deren Existenz man nichts wusste, nach denen man von sich aus also nie gesucht hätte, und die einem am Ende vielleicht die Augen öffnen. Außerdem kann das Arbeiten in der ruhigen Bibliothek tiefenentspannender sein als ein Besuch im Wellnesshotel.

Den Computer nutzen

Bitcoins, Streaming–Dienste, Games – der Computer kann mehr. So wie man keine rechenlastige Klausur mehr ohne Taschenrechner schreiben möchte, möchte man nicht mehr zum Taschenrechner zurück, wenn man einmal das Rechnen mit dem, nun ja, Rechner gelernt hat. Das, was ihr in den Informatikkursen lernt, kann der Einstieg zu einer enormen Produktivitätssteigerung sein. Der PC kann einem viel lästige Routinearbeit abnehmen, diese automatisieren und dabei auch noch Fehler vermeiden. Viele der Berechnungsansätze, mit denen Ingenieure routinemäßig arbeiten, sowie der Umgang mit großen Datenmengen können erst durch Rechner sinnvoll in der Praxis Anwendung finden. Ihr könnt davon schon im Studium profitieren: beim Lösen komplexer Übungsaufgaben, beim Verfassen von Belegen, Studienarbeiten, etc. Außerdem gilt: die Einzigen, die auf dem Arbeitsmarkt begehrter sind als Ingenieure, sind Ingenieure mit Programmierkenntnissen. Ingenieurwesen, Naturwissenschaft und IT wachsen immer stärker zusammen. Mit eurem Fachwissen und Programmierkenntnissen könnt ihr jedes Problem lösen – auch das, an das der Hersteller eurer Standardsoftware noch nicht gedacht hat.

Ansprechpartner

Ihr seid nicht die ersten Studenten der Bergakademie. Euer Problem hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon jemand vor euch. Entsprechend gibt es sicherlich schon eine Lösung. Wichtig ist, dass ihr eure Ansprechpartner kennt – in Prüfungsamt, Fachschaft, Fakultät, studentischen Gremien, etc. Zuerst: Google fragen und die Homepage der Uni erkunden. Falls ihr dort nicht fündig werdet, im Zweifel einfach mal Studenten der höheren Semester ansprechen und nachfragen.

Fehlt etwas?

Wenn euch etwas einfällt, von dem ihr euch wünscht, dass euch das jemand schon vor Jahren einmal verraten hätte, und das zu dieser Liste passt, dann schreibt uns! Wir ergänzen dann diese Liste entsprechend zum "Wohle der nachfolgenden Generationen".

Wir wünschen euch viel Erfolg und Freude beim Studium!

Thomas Nagel, Hannah Keese