Lutz Mädler

interviewed im April 2017

Steckbrief

Prof. Dr. Lutz Mädler
Professor für Mechanische Verfahrenstechnik, Universität Bremen
Studienrichtung: Verfahrenstechnik

Vita

Lutz Mädler studierte zunächst Technische Physik an der Technischen Hochschule Zwickau und anschließend Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, wo er 1999 auch promoviert wurde. Seine Habilitationszeit verbrachte er an der ETH Zürich, danach war er, mit einem DFG-Stipendium ausgestattet, Senior Researcher an der University of California, Los Angeles. 2008 wurde Mädler an die Universität Bremen als Direktor Verfahrenstechnik am Institut für Werkstofftechnik (IWT) berufen. Er ist Sprecher und mit seinem Team ein Teil des Sonderforschungsbereiches 1232 „Farbige Zustände – Von farbigen Zuständen zu evolutionären Konstruktionswerkstoffen“. Als einer von zehn Wissenschaftlern erhielt Lutz Mädler im März 2017 den Leibniz-Preis für seine Arbeit. Der Preis gilt als wichtigster deutscher Forscherpreis und ist mit jeweils 2,5 Millionen Euro pro Preisträger dotiert.

Interview

Sie haben an der TU Bergakademie Freiberg studiert und promoviert. Warum haben Sie Freiberg als Studienort gewählt?

Ich habe die TU Bergakademie Freiberg immer als eine Institution der Verfahrenstechnik wahrgenommen, aus der auch die Autoren meiner Lehrbücher kamen. Die Verfahrenstechnik an der TU Bergakademie Freiberg ist heute mit historisch begründeten innovativen Themen erstklassig aufgestellt und ich bin stolz ein Alumnus zu sein.

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium / Ihre Promotion zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie achten würden?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe kurz nach der Wende angefangen zu studieren und Vieles war für mich in dieser Zeit völlig neu, unbekannt und aufregend. Ich glaube, das hat uns zu dieser Zeit mit den Professoren und Dozenten verbunden. Während meiner Promotion war ich am Fraunhofer in Hannover beschäftigt und hatte mit meinem Betreuer vor Ort, Prof. Wolfgang Koch, jemand gefunden, von dem ich unendlich viel lernen konnte und heute noch genauso aufschaue wie am ersten Tag. Auf die Wahl des Doktorvaters würde ich heute genauso achten wie damals, denn das begleitet einem das ganze Leben. 

Warum haben Sie sich nach Ihrem Diplomabschluss für eine Promotion entschieden?

Mein Doktorvater hat mich nach der Diplomarbeit überzeugt, in der Forschung zu bleiben. Ich hatte immer sehr viel Glück mit meinen Mentoren, im Studium, in der Promotion, in der Habilitation und auch heute. Ich mag die Verknüpfung von Forschung und Lehre und die Möglichkeit, immer wieder junge Menschen aufs Neue zu begeistern. Ich versuche das auch in die Schulen zu tragen.

Was ist aus Ihrer Sicht das besonders Interessante an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Die Mechanische Verfahrenstechnik ist ein interdisziplinäres Fach und man kann Erkenntnisse auf verschiedene Gebiete anwenden, in der Chemie genauso wie in der Materialwissenschaft, der Biologie, Umwelttechnik, nicht zuletzt der Medizin. Mich faszinieren die Nanoteilchen - sehr, sehr kleine Teilchen, die erstaunliche Eigenschaften mit sich bringen. Ideen produzieren wir viele. Wir schweben geradezu auf einer Ideenwolke. Doch es kommt darauf an, dass wir Menschen von unseren Ideen faszinieren, damit wir sie finanzieren können. Sonst sterben die Ideen - und ohne Ideen keine Innovationen.

Haben Sie heute noch berufliche oder private Kontakte zur TU Bergakademie Freiberg?

Ich habe Kontakt zu meinem Kollegen Prof. Urs Peuker, der heute (wie ich) den Lehrstuhl für Mechanische Verfahrenstechnik innehat. Er ist der Nachfolger von meinem zweiten Doktorvater an der TU Bergakademie Freiberg. Herr Peuker verkörpert wie kein anderer die Freiberger Schule der Verfahrenstechnik und ich schätze ihn dafür und auch als Mensch sehr.

Woran erinnern Sie sich besonders gern, wenn Sie an Ihre Zeit an der TU Bergakademie Freiberg denken?

Auch wenn ich nie den Kontakt zur TH Zwickau [heute Westsächsische Hochschule Zwickau, Anm. d. Red.] abreißen ließ, habe ich mich in Freiberg immer zu Hause gefühlt und wurde stets mit einem aufgeschlossenen und freundlichen „Glück Auf!“ behandelt.

Verraten Sie uns bitte Ihr Lebensmotto:

Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. (Lucius Annaeus Seneca)

Foto © Universität Bremen / Kai Uwe Bohn