Hannaleena Pöhler

interviewed im Mai 2020

Steckbrief

Dr. Hannaleena Pöhler
Stadt Regensburg, Umweltamt, Abteilung Ökologie
Studienrichtung: Geoökologie

Vita

  • 2006: Promotion im Bereich Hydrologie an der TU Bergakademie Freiberg
  • 2006-2013: Arbeit in einem Umweltbüro
  • seit 2013: Fachkraft für Naturschutz im Umweltamt der Stadt Regensburg

Interview

Welche nachhaltigen Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit an der TU Bergakademie Freiberg?

Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich vor allem daran, wo ich gewohnt und wo ich gearbeitet habe. Freiberg ist ein Ort voller Geschichte und voller Geschichten. Meine erste WG war im Roten Weg 2, meine zweite in der Buchstraße am Bahnhof. Ich hatte tolle Freunde, die mir viel gegeben haben. Ich liebe die Stadt und das Erzgebirge. Die Wanderungen im Grenzgebiet zu Tschechien werde ich immer in guter Erinnerung behalten. Böhmische Knödel! Hirschgulasch! Überall Landschaftsgeschichte, überall Bergbaugeschichte! Mein Büro war in der Brennhausgasse. Man tritt morgens in das alte Gemäuer und betreibt dann moderne Forschung. Gerade in der Geoökologie hängt alles zusammen, alt und neu, groß und klein, unten und oben. Wenn man an einem Faden zieht, zupft es ganz woanders zurück. In Freiberg passt das Umfeld perfekt dazu. Außerdem erinnere ich mich an die fleißigen Ordnungskräfte, die mir einige Strafzettel wegen Falschparkens aufgebrummt haben. :)

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihre Promotion zurückblicken: Welchen Tipp können Sie aktuell Promovierenden geben?

Parkverbote ernst nehmen!

Ich habe eigentlich erst nach meiner Promotion mein Fachgebiet so richtig kennengelernt. Die Praxis ist noch einmal ein ganz anderer Fall als die Theorie. Es ist wichtig, so früh wie möglich mit anderen Wissenschaftlern zu diskutieren. Dadurch lernt man so viel mehr als aus Büchern und Veröffentlichungen! Ich habe damals außerdem völlig übersehen, was für ein riesiges Fachwissen die Menschen haben, die im Beruf stehen. Das sollte man nutzen, auch „Alte“, die nicht mehr an der Uni sind, haben Spaß daran, mit jungen Wissenschaftlern zu diskutieren.

Was ist aus Ihrer Sicht das besonders Interessante an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Ich habe zuerst sieben Jahre in einem Umweltbüro gearbeitet und Wasserhaushaltssimulationen für die verschiedensten Zwecke erstellt, darunter viele Klimawandelszenarien. Außerdem habe ich Hochwasservorhersagemodelle angewendet und weiterentwickelt und verschiedene Studien für Landesämter betrieben. Das war nah an meinem Promotionsthema und so konnte ich mein Wissen optimal anwenden und habe noch sehr viel dazu gelernt. Man kann sagen, ich habe mich wissenschaftlich so richtig ausgetobt, obwohl ich nicht an der Uni war. Trotzdem habe ich gemerkt, dass das nicht das ist, was ich mein Leben lang tun möchte. Dann bin ich vor sieben Jahren ins Umweltamt der Stadt Regensburg gewechselt und bin nun Fachkraft für Naturschutz. Hier fühle ich mich so richtig wohl! Ich kann (fast) alles gebrauchen, was ich im Studium der Geoökologie und bei der Promotion gelernt habe. Meine Aufgaben sind sehr abwechslungsreich. Beispielsweise mache ich Baumkontrollen, ich überwache Artenschutzprojekte, helfe Bürgern durch den Behördendschungel, wenn sie etwas für den Naturschutz machen möchten, erstelle die Abfallbilanz für die Stadt, mache Öffentlichkeitsarbeit, schaue Bauinvestoren auf die Finger, versuche gemeinsam mit den Bauherren Lösungen zu finden, wenn seltene Arten von Projekten betroffen sind, arbeite bei den Hochwasserschutzplanungen mit und erkläre Bürgern, wie sie mit dem Biber in Frieden zusammenleben können. Und das ist bei weitem nicht alles! Es ist sehr befriedigend, tatsächlich etwas Gutes für die Umwelt tun zu können. Natürlich kann es im Amt auch mal langweilig sein und durchaus streckenweise auch frustrierend, aber die interessanten Aufgaben überwiegen.

Haben Sie sich Ihren Berufswunsch mit Ihrem jetzigen Job erfüllt?

Ich wollte immer praktisch etwas Gutes tun. Natürlich stellt man sich das in der Jugend, wenn man noch idealistisch ist und die Welt retten will, etwas anders vor, als am Ende in einem Amt zu sitzen. Während meines Studiums habe ich ein Praktikum beim Staatlichen Umweltfachamt in Plauen gemacht. Danach wusste ich, dass ich da gut reinpasse. Meine Erfahrungen mit den sächsischen Behörden bei meiner Promotion haben diesen Eindruck verstärkt. Daher: Ja.

Haben Sie heute noch berufliche oder private Kontakte zur TU Bergakademie Freiberg?

Leider nur sehr wenige.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Ich habe kein richtiges Lebensmotto. Vielleicht: Mach das Beste draus!