Friedrich Flötgen

interviewed im Mai 2019

Steckbrief

Dr. Friedrich Flötgen
Untertageführer beim Förderverein "Himmelfahrt Fundgrube"
Studienrichtung: Geologie/Mineralogie

Vita

Dr. Friedrich Flötgens bewegter Lebensweg beginnt 1940 in Freital. Noch als kleinen Jungen zog es seine Familie und ihn in den Kriegswirren in die Altmark. Seine Lehrzeit verbrachte der gelernte Bergmann bis Ende der 1950er Jahre im Kupferschieferbergbau des Mansfelder Landes und beendete diese als Junghauer. 1960 begann er sein Geologiestudium an der Bergakademie Freiberg. Direkt im Anschluss hatte er das Bedürfnis, Industrieluft zu schnuppern. Sein Aufgabenbereich war vielfältig und so konnte er sich ein breites Praxiswissen im Rahmen geologischer Erkundungsarbeiten sowohl bergbauvorbereitend, bergbaubegleitend als auch im Rahmen der Wiedereingliederung von Bergbaufolgelandschaften aneignen. Zudem nutze er die Möglichkeit, ein ökonomisches Zusatzstudium an der Bergakademie aufzusatteln. 1971 wurde ihm eine Aspirantenstelle angeboten und 1974 schloss er erfolgreich seine Promotion ab. Trotz allem, so sagt er, sei er nicht für die Universität gemacht. Seinen enormen Wissensschatz brachte er in den Jahren 1999 bis 2005 in den Aufbaustab und danach in den Bereichen der Angewandten Geologie/Hydrogeologie für das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie ein. Dr. Friedrich Flötgen ist auch nach seiner Pensionierung noch bergmännisch aktiv. So unterstützt er seit 2005 im Förderverein „Himmelfahrt Fundgrube“ mit eigenen Untertageführungen und ist Mitglied im Fachbeirat Sächsische Landesausstellung 2020. Zeit für seine Familie und seine Enkel bleibt aber dennoch genug.

Interview

Sie haben in Freiberg studiert. Was hat Sie dazu bewogen ein Studium an der Bergakademie anzutreten?

Für mich als „gelernten Bergmann“ kam von vornherein nur die Bergakademie Freiberg für ein Studium, zu dem ich damals delegiert wurde, in Betracht.

Welche nachhaltigen Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit an der Bergakademie Freiberg?

Kompetente Ausbildung mit einer angemessenen und ausgewogenen Orientierung auf die praktischen Anforderungen an Hochschulberufe im Bergbau und den dem Bergbau andienenden Disziplinen.

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium zurück blicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie achten würden?

Wer beim Grundlagenstudium „Mut zur Lücke hat, zahlt beim Fachstudium drauf, denn solche Lücken zu schließen bedarf später eines erheblichen zusätzlichen Aufwandes.

Was möchten Sie aktuell Studierenden als Tipp mit auf den Weg geben?

Auch im Zeitalter der grenzenlos erscheinenden Wissensverfügbarkeit ist ein kritischer Umgang mit diesem Wissen erforderlich. Wie unsicher und voller berechtigter Zweifel manches überzeugend transportierte und elektronisch komprimierte Wissen mitunter ist, erkennt man oft erst bei sorgfältiger und kritischer Betrachtung. Auch Wissen aus dem Internet ist nicht frei von Subjektivität, weil „menschgefiltert“.

Wie sind Sie zum Förderverein „Himmelfahrt Fundgrube“ gekommen und wie lange sind Sie dort bereits tätig?

Ein Kontakt zur Reichen Zeche und dem Förderverein bestand berufs- und interessenbedingt bereits vor dem Eintritt ins Rentnerdasein. Nach 2005 wurden die Kontakte intensiver, weil dadurch die Möglichkeit gegeben war, im Anschluss an das eigentliche Berufsleben sich noch einmal direkt dem Bergbau zuzuwenden, wo ja mein beruflicher Werdegang begonnen hatte. So habe ich dann 2008 nach einer entsprechenden „Ausbildung“ mit eigenen Untertageführungen begonnen.

Was ist aus Ihrer Sicht das besonders Interessante an Ihrer Tätigkeit beim Förderverein?

Auch hier gilt „Man lernt nie aus“. Dieses Bergbaugebiet bietet an Größe und Vielfalt sowohl in Historie und Ausdehnung scheinbar kaum Grenzen und die Geschichte der Stadt Freiberg ist nun einmal mit der Entwicklung des hiesigen Bergbaus nahezu organisch verwachsen. Rund 800 Jahre Bergbau sind eine lange Epoche, welche untertage wie übertage Spuren und Zeugen hinterlässt. Um eine bergbaugeprägte Landschaft zu verstehen, muss man sich der Ursachen untertage bewusst sein. Je mehr ich mich mit den Leistungen unserer Altvorderen beschäftige, desto mehr wächst meine Hochachtung vor ihnen.

Verraten Sie uns zum Schluss ihr Lebensmotto?

Warum? Denke gut nach und frage dich immer nach dem Warum!