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Die Aula – einst Werners Tafelzimmer
Zu den ältesten und in seiner damaligen baulichen Substanz noch weitgehend erhaltenen Räumlichkeiten der Bergakademie zählt die Aula, das frühere, im ersten Obergeschoss des Oppelschen Hauses auf der Futtergasse gelegene „Tafelzimmer“ Abraham Gottlob Werners (1749–1817). Schon zu dessen Lebzeiten wurde es für die „jährlichen Prüfungen und akademischen Zusammenkünfte“ genutzt.
Nach den vom Zeichenlehrer und Architekten Prof. Eduard Heuchler eingereichten Bauplänen sowie Gutachten des Oberkunstmeisters Friedrich Wilhelm Schwamkrug erfolgte in den Jahren 1855 bis 1857 eine Übersetzung des 1. Stockwerkes des Gebäudes – was zwangsläufig zu Eingriffen in die bauliche Substanz dieses Raumes führte. Es traten Gebäudesenkungen auf. Deshalb wurden aus statischen Gründen zur Abhilfe dieses „Uebelstandes“ in der Aula zwei Säulen installiert. Die schlanken Säulen aus Eisenguss sind im pompejanischen Stil mit Blumen-, Trauben und anderen Schmuckfriesen verziert.
Nach dem Umbau des Tafelzimmers erfolgte 1858 die künstlerische Ausgestaltung der Aula im spätklassizistischen Stil. Die würdigere Ausmalung des Raumes hat Ferdinand Reich dem Oberbergamt am 13. April 1857 vorgeschlagen. Ausführender dürfte der Freiberger Maler Breitfeld gewesen sein, der dafür 31 Taler 10 Groschen und 5 Pfennige veranschlagt hatte.
Der Grundton der Wandbemalung ist wie bei den Säulen ein dunkler Grünton. Der Sockel ist in erdigem Braun gestrichen und wird durch ein Mäanderband von der Wandfläche getrennt. Es bildet gleichsam die Umrahmung für die einst hier angebrachten wertvollen Porträts (Ölgemälde) früherer Oberberg- und Berghauptleute sowie von Bergrat Gellert und Bergrat Werner. Ursprünglich befanden sich an den großen Wandflächen auch prunkvolle Spiegel in vergoldeten Rahmen. Eine gusseiserne Büste des sächsischen Königs Friedrich August I. (1750–1827) vervollständigte die Raumausstattung. Er stand zwischen 1763 bis 1768 unter Vormundschaft von Prinz Xaver. Nach der Volljährigkeit übernahm Friedrich August die Amtsgeschäfte und erhielt nach dem Frieden zu Posen am 11. Dezember 1806 den Königstitel.
Erst im Rahmen der jüngst durchgeführten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen tauchten bei der Entfernung der umlaufenden Wandverkleidungen sowohl die reich geschmückten gusseisernen Säulen als auch die Malereien aus dem 19. Jahrhundert wieder auf. Auf Empfehlung des Landesamtes für Denkmalpflege hin sind die Wandbemalungen und die Säulen von einem Restaurator wieder hergestellt worden. Die Architekten haben diese Befunde als Grundlage für das neue Farbkonzept der Aula gewählt, wobei in Teilbereichen die Malereien im Original belassen wurden. Dennoch dürfte der jetzige Raumeindruck mit seinen Farbtönen den ursprünglichen vor etwa rund 150 Jahren wiedergeben.
An den Wänden der Aula haben Porträts derer von Schönberg einen Platz gefunden. Diese 2. Serie der Gemälde stammt vermutlich aus der Malschule des Dresdner Hofmalers Andreas Bottschild. Am Fenster links beginnend, gegen den Uhrzeigersinn, sind zu sehen:
- Wolff von Schönberg zu Neusorge, Knauthain und Frankenberg
(1518–1584);
seit 1558 Hauptmann der Erzgebirge bzw. des Erzgebirgischen Kreises - Lorentz von Schönberg auf Oberreinsberg (1535–1588);
seit 1577 Bergamtmann, Vetter Wolff von Schönbergs - Heinrich von Schönberg auf Rechenberg, Purschenstein und Frauenstein (1549–1616);
Oberhauptmann der Ämter Freiberg, Annaberg und Schneeberg bzw. des Erzgebirgischen Kreises seit 1588, Nachfolger Wolff von Schönbergs - Christoph von Schönberg zu Neusorge (1554–1608);
Berghauptmann seit 1588 und Stellvertreter Heinrich von Schönbergs - Caspar Rudolph von Schönberg auf Wilsdruff und Maxen (1572-1628);
seit 1611 Berghauptmann, ab 1616 Oberhauptmann des Erzgebirgischen Kreises, damit Nachfolger Heinrich von Schönbergs - George Friedrich von Schönberg auf Mittelfrohna und Pfaffroda
(1586–1650);
seit 1618 Berghauptmann, zugleich Amtshauptmann< zu Lauterstein und Wolkenstein, später auch zu Freiberg - Caspar von Schönberg auf Mittelfrohna, Pfaffroda und Dörnthal
(1621–1676);
seit 1651 Berghauptmann, ab 1670 Oberberghauptmann (erster Titelträger), Neffe des George Friedrich von Schönberg - Abraham von Schönberg (1640–1711);
seit 1670 Berghauptmann, ab 1676 Oberberghauptmann; auf seine Initiative hin wurde 1702 der Stipendiengelderfond ins Leben gerufen, Verfasser der „Ausführlichen Berg-Information“






