Ressourcenprofil

Die Technische Universität Bergakademie Freiberg wirbt mit dem Namenszusatz „Die Ressourcenuniversität. Seit 1765.“ für das Zentrum der Montanwissenschaften im sächsischen Freiberg. Die strategische Entwicklung der Ressourcenuniversität ist auf die Schärfung des Ressourcenprofils besonders unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, auf die Steigerung der gesellschaftlichen Attraktivität des Ressourcenprofils und auf die geschlossene Wertschöpfungskette durch Innovation bis zur technisch nahen Erprobung gerichtet. Die gelebte Tradition der Nachhaltigkeit geht mit der Prägung des Nachhaltigkeitsbegriffes auf den Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1713) zurück.

Das Ressourcenprofil ist das Wissenschaftsprofil der nachhaltigen Stoff- und Energiewirtschaft entlang der Wertschöpfungskette der Rohstoffe. Diese schließt die Prozesskette der Verarbeitung der natürlichen Rohstoffe von der Erkundung über die Gewinnung, Veredlung / Verarbeitung zum verarbeiteten Produkt und das Recycling ein. Die Wissenschaftsgebiete der Mathematik und Informatik, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften sind sowohl in der Forschung als auch in der Ausbildung (mit über 60 Studiengängen) über die gesamte Wertschöpfungskette verbunden. Etwa die Hälfte der insgesamt 88 Professuren haben ihren wissenschaftlichen Schwerpunkt in einer der Wertschöpfungsstufen bzw. in den vier Profillinien Geo, Material/Werkstoffe, Energie und Umwelt.

Das Ressourcenprofil der TU Bergakademie Freiberg

 

Kompetenz am Wissenschaftsstandort

Unterstützend zu diesem Profil wurde im Jahre 2011 das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) gegründet, das mit zunächst sechs Abteilungen (Erkundung / Bewertung, Gewinnung, Aufbereitung, Metallurgie / Recycling, Modellierung und Analytik) über seine Profilbreite mit der Universität vernetzt ist. Gemäß der Rohstoffstrategie der Bundesregierung betrachtet es die Universität als ihre Aufgabe, neben hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch die Experten für die Sicherung der Rohstoffversorgung der Wirtschaft auszubilden. Als älteste Montanuniversität der Welt kommt sie ihrer Verantwortung nach, das Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklung im Rohstoffsektor bei der Ausbildung von Fach- und Führungskräften weltweit zu verankern. Hierzu gründete sie gemeinsam mit der St. Petersburger Bergbauuniversität, der zweitältesten Montan- universität (seit 1773 nach Freiberger Vorbild) das World Forum of Universities of Resources on Sustainability.

Mit den sächsischen Geopartnern wurde 2001 das Geokompetenzzentrum Freiberg e. V., das deutschlandweit größte Geomontan-Netzwerk, gegründet. Darin arbeiten neben der TU Bergakademie Freiberg über 120 Geo-Firmen, das Sächsische Oberbergamt, das Sächsische Bergarchiv und der Geologische Dienst (Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) zusammen.

Für die montanwissenschaftlichen Arbeiten steht in Freiberg ein bedeutendes Geoarchiv zur Verfügung, insbesondere die nationalen Bibliotheks-Sammelschwerpunkte der DFG, die geowissenschaftlichen sowie Sammlungen mineralischer Rohstoffe und Kohlen, eine historische Modellsammlung, eine bedeutende Geodatensammlung und die Sammlungen des Sächsischen Bergarchivs.

Nationale und internationale Anziehung

Das Freiberger Ressourcenprofil entwickelt national und international wachsende Anziehungskraft. Die Studentenzahlen haben sich in den letzten 15 Jahren verdreifacht. Von den aktuell ca. 5.000 Studierenden studieren 80 % in den so genannten MINT-Fächern und ca. 60 % in den Ingenieurwissenschaften. Bei Geotechnik und Bergbau überwiegt der Anteil der nichtsächsischen Studierenden. Rund 20 % der Erstsemester kommen aus den Rohstoffländern Osteuropas, Asiens und Südamerikas. Im engeren Bereich der mineralischen und nichtenergetischen Rohstoffe gibt es ca. 1050 Studierende, davon ca. 320 Studienanfänger. Im Bereich der Lehre und Forschung zu nicht-energetischen mineralischen Rohstoffen sind 24 Professorinnen und Professoren, 224 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 98 nicht-wissenschaftliche Beschäftigte aktiv.

Internationale Vernetzung

Die traditionell enge Verbindung zu Russland, Osteuropa und Zentralasien fortsetzend, hat sich die Universität zur Schlüsseluniversität für diese Regionen auf dem Gebiet der mineralischen Rohstoffe und Energieträger entwickelt. Sie ist Partner des internationalen Verbundes International University of Resources (IUR) mit vier europäischen Montanuniversitäten Dnepropetrovsk / Ukraine, Krakow / Polen, Leoben / Österreich und St. Petersburg / Russland. Der erste gemeinsame Masterstudiengang Mining Engineering beginnt im Jahr 2012. Zusammen mit der Bergbauuniversität St. Petersburg kooperiert die Bergakademie Freiberg seit 2006 im Deutsch-Russischen Rohstoffforum, der wichtigsten Nichtregierungsplattform in der Rohstoffkooperation mit Russland. Die Roh- stoffpartnerschaften der Bundesregierung mit der Mongolei und Kasachstan wurden und werden wissenschaftlich und universitär vorbereitet und begleitet.

Von der Theorie bis zur technisch nahen Erprobung

Eine in Deutschland in diesem Zusammenhang unikale Wissenschafts-Innovationskette reicht von der Mineralogie, Kristallphysik und -chemie bis hin zur Werkstoffwissenschaft und -technologie. Beispiele für rohstoffbezogene Innovationsketten sind die Lithium-Initiative (von der Erkundung und Gewinnung von Lithium bis zum Batteriespeichermaterial und dem Recycling), das Kompetenzzentrum Magnesium (vom Rohmaterial zum Magnesium-Konstruktionswerkstoff), das Hochdruckzentrum (vom Molekül bis zum superharten Werkstoff) oder das Zentrum für Energierohstoff-Forschung DBI|bergakademie (Kohlenstoffträger von der Erkundung bis zum chemischen Rohstoff). Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal der Universität ist das eigene Lehr- und Forschungsbergwerk „Reiche Zeche“. Für die großtechnisch nahe Forschung stehen außerdem Forschungs-Walzstraßen, industrienahe Energiewandlungs- und Chemie-Großversuchsanlagen, Gießerei-Versuchsfelder oder halbtechnische Badschmelzanlagen bzw. ein Großfeldschergerät zur Verfügung. Die Universität plant den weiteren Ausbau der Großforschungstechnik (z. B. Smart-Mining-Forschungsbergwerk und Kohlenstoff-Institut).

Im Bereich der Rohstoff- und Materialforschung existieren zwei Sonderforschungsbereiche der DFG (TRIP-Matrix-Composite, Multifunktionale Filter für die Metallschmelzefiltration), zwei Schwerpunktprogramme (Feuerfest – Initiative zur Reduzierung von Emissionen, Algorithmen zur schnellen, werkstoffgerechten Prozesskettengestaltung und -analyse in der Umformtechnik), ein Landesexzellenzprogramm (Atomares Design und Defektengineering), das Freiberger Hochdruck- Forschungszentrum, ein Vorhaben zur Validierung des Innovationspotenzials (Selbstglasierende kohlenstoffgebundene Funktionalbauteile für die Stahlmetallurgie und die Gießerei mit Selbst- heilungseigenschaften), drei Innovative Regionale Wachstumskerne (Hybride Lithiumgewinnung, Innovative Braunkohlenintegration, Magnesium- Wachstumskern) und zwei Bundes-Exzellenzzentren (Virtualisierung von Hochtemperaturkonversionsprozessen, Deutsches Energierohstoff-Zentrum).

(Artikel zur TU Bergakademie Freiberg aus der Broschüre "Wirtschaftsstrategische Rohstoffe für den Hightech-Standort Deutschland - Forschungs- und Entwicklungsprogramm des BMBF für neue Rohstofftechnologien" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, September 2012. Download HIER)