Die Arbeiter- und Bauernfakultäten in der DDR

Das zur Erster-Mai-Feier mit Propaganda geschmückte Gebäude der ABF an der Bergakademie Freiberg in den 1950er JahrenDie Arbeiter- und Bauernfakultäten waren Vorstudieneinrichtungen zur Erlangung der Hochschulreife an den Universitäten und Hochschulen der DDR. Sie wurden 1949 gegründet und galten als eigenständige Fakultäten. Vor allem Kinder von Arbeitern und Bauern wurden an die ABF delegiert. Hier sollten sie das Abitur ablegen und später ein Fachstudium aufnehmen. Mit der Gründung der ABF sollte das »kapitalistische Bildungsprivileg« durchbrochen werden und die sozialistische Umwandlung der Universitäten und Hochschulen unterstützt werden. Ziel war es eine neue aus der Arbeiterklasse und der Bauernschaft erwachsene Führungsschicht heranzuziehen. Arbeiter- und Bauernfakultäten gab es in Berlin, Dresden, Freiberg, Greifswald, Halle, Jena, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Rostock und Zwickau. Sie gliederten sich in gesellschaftswissenschaftliche, mathematisch-naturwissenschaftliche und medizinisch-landwirtschaftliche Fachrichtungen. Nach 1961 war ein Weiterbestehen der ABF nicht mehr erforderlich, da durch entsprechende Festlegungen zur Aufnahme an die erweiterte Oberschule und Stipendienregelungen die Grundlage für einen höheren Anteil von Arbeiter- und Bauernkindern an den Universitäten und Hochschulen sorgte. Die meisten Arbeiter- und Bauernfakultäten wurden daher in den Jahren 1962 bis 1966 geschlossen, lediglich an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale und an der Bergakademie Freiberg blieben die ABF bis 1989 bestehen. An der Bergakademie Freiberg diente das Studium an der ABF insbesondere der Vorbereitung junger Facharbeiter auf ein Hochschulstudium in technischen, naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fachrichtungen. An der ABF in Halle/Saale erfolgte vor allem der Vorbereitung auf ein Auslandsstudium.

Chronik der ABF

1946 erster Lehrgang zur Vorbereitung von Arbeitern auf ein Hochschulstudium mit 11 Teilnehmern
1949 Gründung der Arbeiter- und Bauernfakultät an der Bergakademie Freiberg am 1.9., feierliche Eröffnung am 28.10. Lehrgebäude wird die ehemalige Handelschule in der Körnerstraße
1951 ABF erhält den Ehrennamen »Wilhelm Pieck«
1952 Umzug in die ehemalige Jägerkaserne in der Lessingstraße
1955 Mit 620 immatrikulierten Facharbeitern erreicht die ABF ihre größte Studentenzahl
1957 Umstellung von drei- auf zweijährige Ausbildung beginnt
1967 Beginn der Ausbildung ausländischer Studenten an der ABF
1971 Übergang zur Einjahresausbildung
1985 Informatik wird fester Bestandteil der Ausbildung
1990 Umbenennung/Umprofilierung der ABF in »Freiberg Kolleg« (Institut zur Erlangung der Hochschulreife)
1992 Ausgliederung des Freiberg Kolleg aus der Bergakademie

Literatur

  • Weblink: www.DDR-Schulrecht.de
  • Gottschalk, Leo: Arbeiter- und Bauern-Fakultät »Wilhelm Pieck«, In: Technische Universität Bergakademie Freiberg. Festgabe zum 300. Jahrestag der Gründung der Stipendienkasse für die akademische Ausbildung im Berg- und Hüttenfach zu Freiberg in Sachsen. Freiberg: 2002, S. 329 ff.
  • Miethe, Ingrid: »Die Universität dem Volke!« Entwicklungsphasen der Arbeiter-und-Bauern-Fakultäten (ABF) der DDR. In: Beiheft zum Report: Erwachsenenbildung und Demokratie, 2003, 26. Jhrg., Nr. 1, S. 215-224.

Mit freundlicher Unterstützung des Universitätsarchivs.