Beziehungen zu Russland

"Schwestern der Wissenschaft" – Die verflochtene Geschichte der TU Bergakademie Freiberg und des Sankt Petersburger Staatlichen Bergbauinstitutes

LomonosovDer Austausch von Wissenschaftlern zwischen Freiberg und St. Petersburg kann auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken: bereits vor der Gründung unserer Universität besuchte im Jahr 1698 Zar Peter I. Sachsen, das schon damals für seinen Bergbau, insbesondere den Silberbergbau, bekannt war. Zwei Jahre später ließ er sächsische Bergbeamte und Bergleute nach Russland kommen, um im Ural planmäßigen Bergbau einzurichten. Fünf Jahre später gründete er "seine" Stadt St. Petersburg.

Im Jahr 1702 wurde – als Vorläufereinrichtung der Bergakademie – in Freiberg eine Stipendienkasse eingerichtet. 1706 kam der erste russische Student nach Freiberg. 1711 weilte Zar Peter I. erneut in Sachsen und fuhr im Freiberger Raum in ein Bergwerk ein.

GellertIm Jahr 1725 wurde in St. Petersburg die Akademie der Wissenschaften gegründet. Diese entsandte Michail Wassiljewitsch Lomonossow nach Deutschland, u. a. nach Freiberg. Hier weilte er von 1739 bis 1740 und eignete sich umfangreiche Kenntnisse in metallurgischer Chemie und Probierkunst, der Markscheidekunst sowie der Mineralogie an.

Zwischen 1735 und 1744 hielt sich der spätere Professor der Freiberger Bergakademie, Christlieb Ehregott Gellert, in Petersburg auf. Hier hatte Gellert u. a. engen Kontakt zum Prof. für Mathematik an der Petersburger Akademie, Leonhard Euler. 1741 lernten sich der nach Petersburg zurückgekehrte Lomonossow und Gellert persönlich kennen und beeinflussten sich in ihren Forschungen gegenseitig. Im Hüttenwesen, der Chemie und der Anlage einer Mineraliensammlung dürfte Lomonossow Gellert stark beeinflusst haben.

Hauptgebäude der Bergakademie Freiberg im Jahr 18661765, in dem Jahr, in dem Lomonossow starb, wurde in Freiberg die Bergakademie gegründet. Zu den ersten Professoren gehörte auch Prof. Gellert, der vorher in Petersburg tätig gewesen war. 1773 erfolgte in St. Petersburg die Gründung eines Institutes für Bergbau. Der Freiberger Absolvent Hanns Michael Renovanz (1744 bis 1798) begann dort zur gleichen Zeit seine Vorlesungen in Mineralogie, Bergbau und Markscheidekunst.

Bereits 1772 hatte der erste russische Student sein Studium an der Bergakademie Freiberg aufgenommen. Er kam aus St. Petersburg.

St. Petersburg an der NewaEin weiterer Höhepunkt in den russisch-sächsischen wissenschaftlichen Beziehungen war die Begegnung des Freiberger Prof. für Chemie, Clemens Alexander Winkler (1838 bis 1904), mit dem großen russischen Gelehrten D. I. Mendelejew. Mendelejew, der die Gesetzmäßigkeit der Periodizität der Eigenschaften chemischer Elemente begründet und Atomgewicht, Dichte und Atomvolumen eines bestimmten unbekannten chemischen Elements vorhergesagt hatte, fand seine Vorhersage durch die Entdeckung eben dieses Elements – Eka-Silizium, das Winkler "Germanium" nennt – durch Winkler bestätigt. Beide Wissenschaftler trafen sich 1894 in Freiberg.

Clemens Alexander Winkler und D. I. MendelejewVon Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg waren mehr als die Hälfte der Studenten in Freiberg Ausländer; der Anteil der Russen an der Gesamtzahl der Studenten betrug 1900 31,7% (bis 1935 waren es insgesamt 801 russische Studenten). Auch im 20. Jahrhundert gab es ständig russische Studenten an der Bergakademie Freiberg.

Im Jahr 1988 wurden die guten Verbindungen des Staatlichen Bergbauinstitutes St. Petersburg und der Bergakademie Freiberg durch den Abschluss eines Kooperationsvertrages formalisiert. Im Februar 2001 wurde dieser Vertrag erneuert und erweitert: Die neue Kooperationsvereinbarung zwischen beiden Universitäten wurde auch durch die Gazexport Ltd. und die Verbundnetz Gas AG unterzeichnet. Sie beinhaltet u. a. den Austausch von Studenten, Professoren und Promovenden, die Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte, die gemeinsame Nutzung der Ausstattung von Speziallaboratorien sowie die Durchführung von Exkursionen und Praktika in Unternehmen Russlands und Deutschlands.

Siehe vertiefend: "Über die Zusammenarbeit der TU Bergakademie Freiberg mit russischen Montangelehrten und Montanhochschulen" von Prof. Carsten Drebenstedt

Weiterhin: "Gemeinsamer Beitrag von Prof. Litvinenko und Prof. Meyer zum Thema der deutsch-russischen Modernisierungspartnerschaft", erschienen im Business-Guide Deutschland-Russland 2012 (Wegweiser Verlag) > weiter