Georgius Agricola - Ein weltberühmter Universalgelehrter

Georgius Agricola wurde am 24. März 1494 als Georg Pawer in Glauchau geboren und starb am 21. November 1555 in Chemnitz. Zu den wichtigen Stationen seines Lebens gehörten unter anderem:

  • Besuch der Lateinschule in Zwickau,
  • Studium an den Universitäten in Leipzig, Bologna und Padua,
  • Stadtarzt und Stadtapotheker in Joachimsthal (Jáchymov),
  • Stadtarzt und Bürgermeister in Chemnitz.

Seine Grabstätte befindet sich im Dom St. Peter und Paul zu Zeitz.

Zahlreiche Denkmale erinnern an Agricola, sein Werk und seine Zeit. Beispielhaft genannt werden das Agricola-Denkmal im Park zu Glauchau, die Deckenmalereien im zweiten Obergeschoss; des Hauses Obermarkt 1 in Freiberg sowie die 1994 Agricola und seinem Werk dargebrachten Ehrungen. Zu den bedeutendsten Agricola-Forschern gehörte Hans Prescher (1926-1996). Mit seinem Namen ist die in den Jahren 1956 bis 1996 erschienene 12-bändige Georgius-Agricola-Gedenkausgabe des Staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie zu Dresden aufs engste verbunden. 

Das Werk Agricolas ist breit angelegt und reflektiert Themen, die unter anderem der Medizin und Pharmazie, der Philologie und Pädagogik, der Politik und Geschichte, der Metrologie, sowie den Geo- und Montanwissenschaften zuzuordnen sind. Weltberühmtheit erlangte Agricola durch sein Hauptwerk De re metallica libri XII. Es kennzeichnet ihn als den bedeutendsten Montanwissenschaftler zu Beginn der Neuzeit. Das Manuskript hatte er 1553 fertig; als es im Druck erschien, war Agricola bereits gestorben. 

Zu Agricolas wichtigsten geo- und montanwissenschaftlichen Werken gehören: 

  • 1530: Bermannus sive de re metallica (Bermannus oder ein Dialog über den Bergbau)
  • 1544: De ortu et causis subterraneorum libri V (Die Entstehung der Stoffe im Erdinnern. 5 Bücher)
  • 1546: De natura eorum, quae effluunt ex terra (Die Natur der aus dem Erdinnern hervorquellenden Stoffe)
  • 1546: De natura fossilium libri X (Die Minerale. 10 Bücher)
  • 1546: De veteribus et novis metallis libri II (Erzlagerstätten und Erzbergbau in alter und neuer Zeit. 2 Bücher)
  • 1549: De animantibus subterraneis liber (Die Lebewesen unter Tage)
  • 1550: De mensuris quibus intervalla metimur liber (Maße, mit denen wir Entfernungen messen)
  • 1550: De precio metallorum et monetis liber III (Der Preis der Metalle und die Münzen)
  • 1556: De re metallica libri XII (Bergbau und Hüttenwesen. 12 Bücher).

De re metallica libri XII erschien erstmals 1556 in lateinischer Sprache bei Froben in Basel. Es gehört unzweifelhaft zum Weltkulturerbe. Die gelungene Synthese von Text und Illustrationen, von naturwissenschaftlicher und technischer Darstellung, von Mensch und Umwelt sowie von künstlerischer Aussage und gesamter Werkkomposition trugen dazu bei, das dieses Buch immer wieder in neuer Auflage, als gelungener Nachdruck, in stillschweigender Entlehnung, als plagiater Auszug oder in vollständiger Übersetzung erschien. Die dem Werk beigegebenen 292 Illustrationen, verdanken wir dem (Rein-) Zeichner Basilius Wef(e)ring(er) aus St. Joachimsthal (Jáchymov) sowie dem Holzschneider Rudolf Manuel Deutsch (1525-1571) aus Basel. Manche der Vorskizzen lieferte Agricola. Wer De re metallica libri 12 "ganz verstehen will", sollte es in seine Zeit stellen und nicht vergessen, welche Entwicklung das Montanwesen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts bis in unsere Tage erlebte. Aber: Auch noch heute werden mancherorts Lagerstätten mit einer Technologie und Technik bebaut, die der in De re metallica libri XII beschriebenen gleichen. Gliederung und Inhalt von De re metallica libri XII sind in moderner deutscher Übersetzung folgende: 

Buch I- Vom Beruf des Berg- und Hüttenmannes
Buch II- Das Aufsuchen der Erzgänge
Buch III- Von Gängen, Klüften und Gesteinsschichten
Buch IV- Das Vermessen der Lagerstätten und die Aemter der Bergleute
Buch V- Der Aufschluss der Lagerstätte und die Kunst des Markscheiders
Buch VI- Das Probieren der Erze
Buch VII- Das Aufbereiten der Erze
Buch IX- Das Schmelzen der Erze
Buch X- Das Scheiden der Edelmetalle
Buch XI- Das Scheiden des Silbers vom Kupfer
Buch XII- Von Salz, Soda. Alaun, Vitriol, Schwefel, Bitumen und vom Glas

Die erste deutschsprachige Übersetzung von De re metallica erschien 1557 in Basel. Die bisher letzte deutschsprachige Ausgabe von De re metallica datiert aus dem Jahre 1994. De re metallica libri XII wurde aber nicht nur in die deutsche Sprache, sondern in neun weitere Sprachen übersetzt. Von den im Druck vorliegenden vollständigen Werkübersetzungen nenne ich unter Beifügung der jeweiligen Erscheinungsjahre: Chinesisch (1664), Italienisch (1563, 1969, 1977, 1994), Englisch (1912, 1950), Tschechisch (1933, 1976), Russisch (1962, 1986), Japanisch (1968, 1977, 1989), Spanisch (1972, 1992, 1994), Ungarisch (1984, 1985, 1994) und Französisch (1987, 1991). Teilübersetzungen erschienen unter anderem in Polnisch (1903) und Ungarisch (1933). Zu jenen, die 1912 die englischsprachige Übersetzung auf den Weg brachten, zählten unter anderem der amerikanische Bergbauingenieur und spätere USA-Präsident Herbert Clark Hoover und seine Frau Lou Henry Hoover. 

Vielfältig sind auch Agricolas Beziehungen zum Buch und Bibliothekswesen: Wir wissen beispielsweise, dass Georgius Agricola während seines Italienaufenthaltes 1524-1526 im Verlag Andreas Asulanus (1451-1529) an der Edition antiker Werke, darunter der Galen- Edition Venedig 1525 und die Hippokrates-Ausgabe Venedig 1526, mitarbeitete. Unter den Büchern antiker und mediävistischer Schriftsteller der Privatbibliothek Agricolas befanden sich unter anderem der berühmte Sachsenspiegel des Eike von Repgow sowie Georg Spalatins Chronica vnd Herkommen der Churfuersten und Fuersten des loeblichen Hauses zu Sachsen, Georg Ruexners Thurnierbuch, Sebastian Muensters Cosmographia, Vannoccio Biringuccios Pirotechnia und Ulrich Ruelein von Calws Nuetzlich Bergbuechlein. Die Bibliothek der Bergakademie Freiberg trägt seit 1981 den Namen "Georgius Agricola". 

Peter Schmidt ✝

Weitere Informationen: http://www.georgius-agricola.de/