Abraham Gottlob Werner

Gelehrter von WeltbedeutungAbraham Gottlob Werner, der bedeutendste Lehrer der Bergakademie

Abraham Gottlob Werner wurde 1749 im oberlausitzischen Wehrau (Osieszniza) an der Queiß (Kwisa) geboren und starb 1817 in Dresden. Er lehrte über 40 Jahre an der alma mater Fribergensis und begründete den internationalen Ruf dieser Technischen Universität im hohen Maße mit. Werners wissenschaftliche Leistungen liegen in theoretischer und praktischer Hinsicht vor allem auf den Gebieten der Geologie, Mineralogie, Bergbaukunde und Eisenhüttenkunde. Er war Aufklärer und Freimaurer. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Grünen Friedhof von St. Marien, Freiberg (Sachsen).

Die Studenten, die bei Abraham Gottlob Werner Vorlesungen hörten, kamen nicht nur aus Sachsen, Preußen, Thüringen und zahlreichen anderen deutschen Ländern, sondern gleichwohl auch aus Brasilien, Dänemark, England, Frankreich, Holland, Irland, Italien, Norwegen, Oesterreich, Polen, Portugal, Rußland, Schottland, Schweden, der Schweiz, Spanien, Ungarn und aus den USA. Werner-Schüler waren von den Anden und den Appallachen über Europa und den Ural bis hin zum Altai tätig. Unter ihnen waren Professoren und Doktoren sowie solche dazu signierte Personen aus Berlin, Bern, Breslau, Coimbra, Dorpat, Edinburgh, Erlangen, Freiberg, Graz, Halle, Kiel, Kielce, Kopenhagen, Kristiana, Landshut, Lausanne, Leipzig, Madrid, Marburg, Mexico, Moskau, München, Paris, St.-Petersburg, Tübingen, Wien, Wilna und anderen Orten. Selbst im fernen Japan lassen sich Einflüsse Werners nachweisen! Der Werner-Schüler Jean Francois d'Aubuisson de Voisins (1769-1841) schrieb über seinen Lehrer 1828: "On peut dire de Werner ce qu'on a dit de Linné - la terre a été couverte de ses disciples, et, d'un pôle à l'autre, la nature e été interrogée au nom d'un seul homme". Bei Claude Allègre lesen wir 1997: "Werner était une sorte de socrate géologique: il n'écrivait pas, il enseignait".

Stellvertretend für viele Werner-Eleven seien beispielhaft genannt:

  • Christian Leopold von Buch (1774-1855).
    Geologe und Paläontologe von europäischem Rang.
  • Mathias von Flurl (1756-1823).
    Begründer der geowissenschaftlichen Landesaufnahme Bayerns.
  • Johann Carl Freiesleben (1774-1846).
    Stand als Berghauptmann an der Spitze des sächsischen Oberbergamtes.
    Das in Freiberg am 14. Juni 1995 nahe dem Huthaus von Kuhschacht Fundgrube eingeweite Humboldt-Denkmal nennt seinen Namen.
  • Georg Friedrich Philipp von Hardenberg, gen. Novalis (1772-1801).
    Lyriker und Philosoph der Romantik.
  • Alexander von Humboldt (1769-1859). Naturforscher, der die geomagnetischen Untersuchungen u.v.a.m. außerordentlich förderte.
  • Ludwig Gustav Ferdinand Koehler (1795-1820).
    Kustos des Wernerschen "Museums der Mineralogie", Bibliothekar und Inspektor der Bergakademie Freiberg.
  • Theodor Koerner (1791-1813).
    Dramatiker und Dichter der Freiheitskriege.
  • Ferdinand Reich (1799-1882).
    Berühmter Physiker, Geophysiker und Chemiker. Widmete sich auf physikalisch-geophysikalischem Gebiet vor allem der (Geo-)Magnetik, Gravimetrie, (Geo-)Elektrik und (Geo-)thermie. Hat wesentlichen Anteil an der Geschichte der Freiberger "bergakademischen Sammlungen und Apparaten".
  • Henrik Steffens (1773-1845).
    Aus Norwegen stammender Romancier und Philosoph, der zu den Mitbegründern der populären Naturphilosophie zählt.
  • Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein (1757-1831).
    Reformer Preußens.
  • José Bonifacio de Andrada e Silva (1762-1838). Brasilianischer Geologe, Mineraloge und Staatsmann.
  • Giovanni Battista Brocchi (1772-1826).
    Italienischer Geologe, Mineraloge und Paläontologe. Inspektor des italienischen Bergbaus.
  • André Jean Marie Brochant de Villiers (1772-1840).
    Französischer Mineraloge und Geologe. Lehrer an der Ecolé de mines, Paris.
  • Richard Chenevix (1774-1830).
    "Der berühmteste Chemiker Englands".
  • Fausto de Elhuyar (1755-1833).
    Spanischer Geologe und Bergbauingenieur.
  • Jens Esmarck (1762-1839).
    Dänischer Mineraloge und Geologe. Lehrer an der Bergbauschule in Kongsberg und an der Universität zu Kristiana (Oslo).
  • George Bellas Greenough (1778-1855).
    Englischer Geologe, Chemiker und Politiker.
  • William Maclure (1763-1840).
    "Father of American geology".
  • Fjodor Mojseenkov (1754-1781).
    Bekannter russischer Mineraloge.
  • Bernhard Studer (1794-1887).
    Mitbegründer der schweizerischen Geologie.

 

Über Abraham Gottlob Werner als Mensch haben sich mehrere Zeitgenossen ausgelassen. Karl Caesar von Leonhard sagte in seinem Nekrolog auf Werner unter anderem: "Hingebung fuer die Wissenschaft liess ihn selbst den Freuden des Gatten und des Vaters entsagen; obgleich wohl durch Kindlichkeit des Sinnes und Zartheit des Herzens, durch Harmlosigkeit und heitere Gemuethstimmung, er sehr empfaenglich gewesen waere fuer den reinen Genuss des Familienlebens. Freundes Umgang, der grosse Schuelerkreis, im Glauben und Geiste um ihn versammelt, boten seiner Liebe fortwaehrende Nahrung. Hier theilte er sich mit, innig und vertrauend, und schloss die ganze Tiefe seines Herzens und seines Wissens auf".

Vielfältig sind die Ehrungen, die Werner zu Lebzeiten und nach seinem Tode zuteil wurden. Beispiele: Werner war Mitglied oder Ehrenmitglied von etwa 20 wissenschaftlichen Gesellschaften und Akademien des In- und Auslandes. In Edinburgh gab es eine "Wernerian Natural History Society" (1808-1858) und in Freiberg einen "Verein der Wernerschen Schueler" (1815-1816). Werner stiftete zu Dresden eine "Gesellschaft für Mineralogie" (1816/17-1832) und Werners Schwester Sophie(a) errichtete in Freiberg die "Wernerschen Stipendien" (1841-1945). Darüber hinaus künden Minerale, Zeichnungen, Kupferstiche, Lithographien, Aquarelle, Oel-, Pastell- und Wachsbilder, Gedenktafeln, Büsten, Medaillen, Plaketten, Siegel, Gedenksteine, sowie Gebäude, Plätze, Straßen und bergbauliche Anlagen vom Leben und Werk dieses weltberühmten Geo- und Montanwissenschaftlers. Der vielseitige Werner fand Eingang in die Dramatik und Belletristik, in Lehr- und Dokumentarfilme. Selbst die Porzellanmanufaktur Meißen fertigte Tassen und Pfeifenköpfe, mit denen an Werner erinnert wurde. Johann Wolfgang von Goethe gehörte zur Wernerschen Community. Im Zusammenhang mit dem 250. Geburtstag Abraham Gottlob Werners kamen weitere Ehrungen hinzu. So fand vom 19. bis 24.September 1999 in Freiberg ein internationales Symposium "Abraham Gottlob Werner und seine Zeit" statt.

Der wissenschaftliche Nachlass Abraham Gottlob Werners wird an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg aufbewahrt: Im Institut für Mineralogie und im Institut für Geologie sind die Wernerschen naturhistorischen Sammlungen Teil der dortigen Geowissenschaftlichen Sammlungen. Im Wissenschaftlichen Altbestand der Universitätsbibliothek Freiberg sind Werners handschriftlicher Nachlaß, u.a. 6 Briefbände, seine Privatbibliothek, seine Riss- und Kartensammlung sowie seine Münzsammlung zugänglich. Im Universitätsarchiv der TU Bergakademie Freiberg sowie im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden widerspiegeln Archivalien das Leben und Werk A.G. Werners.

Zu den im Druck vorliegenden bedeutendsten Veröffentlichungen Abraham Gottlob Werners gehören:

  • Von den aeusserlichen Kennzeichen der Fossilien (1774)
  • Von den verschiednerley Mineraliensammlungen, aus denen ein vollstaendiges Mineralienkabinet bestehen soll (1778)
  • Bekanntmachung einer von ihm am Scheibenberger Huegel ueber die Entstehung des Basaltes gemachten Entdeckung (1788)
  • Von den verschiedenen Graden der Festigkeit des Gesteins, als dem Hauptgrunde der Hauptverschiedenheiten der Haeuerarbeiten (1788)
  • Versuch einer Erklaerung der Entstehung der Vulkanen durch die Entzuendung maechtiger Steinkohlenschichten, als ein Beytrag zu der Naturgeschichte des Basaltes (1789)
  • Neue Theorie von der Entstehung der Gaenge, mit Anwendung auf den Bergbau besonders den freibergischen (1791)
  • Ausfuehrliches und sistematisches Verzeichnis des Mineralien=Kabinets des weiland kurfuerstlich saechsischen Berghauptmans Herrn Karl Eugen Pabst von Ohain (1791-1792)
  • Umfang und Abtheilung der Bergwerkskunde, oder Skitze zu einer Encyclopaedie der Bergwerkswissenschaften (1811)
  • Letztes Mineral=System (1817)
  • Allgemeine Betrachtungen ueber den festen Erdkoerper (1818)
  • Die Bergbaukunst (1823)

 

Letzte Änderung: 01.12.1998