Workshop zum Flächenrecycling beim 12. EU-Symposium

Die Teilnehmer des 12. EU-Symposiums in der Hessischen Landesvertretung in Berli
Zwischen 30 bis 70 ha Fläche werden in Deutschland täglich für Wohn-, Gewerbe- und Verkehrsnutzungen verbraucht. Welches Potenzial ehemalige Industrieflächen für die Stadtentwicklung bieten und wie sich diese Flächen erfolgreich revitalisieren lassen, stand im Fokus des 12. EU-Symposium in Berlin.

Das Flächenrecycling dient der Wiedereingliederung vorgenutzter Flächen und Immobilien in den Wirtschaftskreislauf, um Städte wirtschaftlich und sozial zu beleben. Für die notwendigen Sanierungen müssen Risikobewertungen und Finanzierungsmodelle erstellt werden. Die TU Freiberg und das Kompetenzzentrum für Interdisziplinäres Flächenrecycling (CiF e.V.) verfügen über weitreichende Erfahrungen im Flächenrecycling. Nur mittels Revitalisierung von Brachflächen kann der Flächenverbrauch eingedämmt und die Nutzung im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung gefördert werden. Wie diese Strategien und Projekte für europäischen Metropolregionen sowie klein- und mittelstädtisch geprägte Räume aussehen können, stellten die Teilnehmer auf einem Workshop beim 12. EU-Symposium in Berlin vor. Organisert wurde dieser vom Lehrstuhl für Baubetriebslehre der TU Freiberg in Kooperation mit den Technischen Universitäten Braunschweig sowie dem CiF e. V. 

Dr. rer. pol. Michael Hanke, Absolvent des wirtschaftswissenschaftlichen Aufbaustudiums an der TU Freiberg, stellte für den CiF e. V. die Projektentwicklung von vorgenutzten Grundstücken im Innenstadtbereich vor. Bei vielen Projekten gestaltet sich ein über Randansiedlungen hinausgehendes Flächenrecycling schwierig. Anreize wie eine Altlastenfreistellung und weitere Forschungsaktivitäten können das Flächenrecycling im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung fördern.

Dipl. Kfm. Thomas Bestgen von UTB Projektmanagement GmbH berichtete von der Entwicklung des neuen Gartenfeldes in Berlin Spandau mit 50 Hektar Fläche. Das Areal wird vom Industrie- zum Mischgebiet mit Wohnen und Gewerbe in zeitgemäßen Trägerschaften und Organisationsformen entwickelt. Durch die Kooperation verschiedener öffentlicher und privater Projektträger in einem Konsortium soll aus diesem Areal eine „Stadt der Vielfalt“ geschaffen werden.

Direkt im Anschluss präsentierte Marduk Krohn von der infraserv höchst das Flächenrecycling und die derzeitige Nutzung im Industriepark Frankfurt-Höchst. Da dieses 460 Hektar große Areal der ehem. Höchst-AG allseitig durch umliegende Strukturen und Schutzgebiete begrenzt wird, bedürfen Neuansiedlungen von Unternehmen einer Umstrukturierung und eines Recyclings von Flächen.

Bankdirektor Walter Ulsamer von der Helaba stellte aus Bankensicht die Probleme bei der Brachflächenrevitalisierung vor. Speziell für Projekte, bei denen eine Vermarktung nicht sichergestellt erscheint oder hohe Entwicklungsrisiken vorliegen, kann oft keine autonome Finanzierung von Banken bereitgestellt werden. Kooperative Organisationsstrukturen zwischen öffentlichen und privaten Partnern können helfen, solche Projekte dennoch zu finanzieren und zu realisieren, indem die Risikoexposition der Finanzinstitute reduziert wird. 

Ansprechpartner: 
Prof. Dr.-Ing. Dieter Jacob, Tel. 03731 / 39-2438