Wissenschaftler und Publizist debattieren über Nachhaltigkeit

Beim 4. Krüger-Kolloquium am 18. Mai, 17 Uhr, diskutieren der Buchautor Ulrich Grober und der Wissenschaftshistoriker Norman Pohl über den von Hanß Carl von Carlowitz im 18. Jahrhundert benutzten Begriff "Nachhaltigkeit". In der Veranstaltung in der Alten Mensa werden die historischen Hintergründe des Wortes, die Bedeutung für Freiberg und seine Relevanz in der heutigen Zeit im Mittelpunkt des Streitgesprächs stehen.
Als Erfinder der Nachhaltigkeit wird er bezeichnet, der Freiberger Oberberghauptmann Hanß Carl von Carlowitz. Kurz vor seinem Tod 1714 veröffentlichte er ein Buch, in dem er das Wort „nachhaltend“ gebraucht. Von Carlowitz versucht mit dem Begriff, einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen zu beschreiben.

Grund genug für die TU Bergakademie Freiberg, die den Titel „Ressourcenuniversität“ trägt, das Thema in den Mittelpunkt zu rücken. Heute ist „Nachhaltigkeit“ in aller Munde und wird in den unterschiedlichsten Zusammenhängen gebraucht. Der Ursprung des Wortes und seine Deutung in heutiger Zeit sind Inhalt des nächsten Krüger-Kolloquiums an der TU Bergakademie Freiberg am kommenden Mittwoch, den 18. Mai.

Ab 17 Uhr werden in der Alten Mensa der Buchautor Ulrich Grober und der Freiberger Umwelthistoriker Dr. Norman Pohl und in einem Streitgespräch zur Nachhaltigkeit debattieren. Ulrich Grober ist Journalist und Autor und hat in seinem Buch „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit“ die Geschichte des Begriffs und die Umstände der Entstehung beschrieben. Der 1949 in Lippstadt im Ruhrgebiet geborene Publizist studierte Germanistik und Anglistik in Frankfurt/M. und Bochum. Er befasst sich mit Kulturgeschichte und Zukunftsvisionen, Naturerfahrung, Nachhaltigkeit und Ökotourismus.

Ihm gegenüber auf der Bühne der Alten Mensa wird Norman Pohl sitzen. Pohl lebt seit mehr als 13 Jahren in Freiberg, hat Chemie und Wissenschaftsgeschichte studiert und zählt zur frühen Generation der Umwelthistoriker. „Nachhaltigkeit entstand in der Menschheitsgeschichte, nachdem die Menschen nicht mehr von der Hand in den Mund lebten. Hanß Carl von Carlowitz war aber der erste, der das Wort nachhalten in Bezug auf einen komplexen Wirtschaftsvorgang, nämlich die Holzversorgung, in einem Buch erwähnte. Nicht weniger, aber auch nicht mehr“, erzählt Pohl. Geheimnisvolle Zusammenhänge erahnen zu wollen und als Masterplan von Eingeweihten wie Goethe und John Lennon darzustellen, werde den Bedeutungen von Nachhaltigkeit jedoch nicht gerecht. Es degradiere Nachhaltigkeit vom potentiellen ethischen Wegweiser zum lärmenden Wortgeklingel, so der Umwelthistoriker. Und zur Nachhaltigkeit im Alltag bemerkt Pohl: „Nachhaltig leben bedeutet auch, Selbstverständliches wieder in das Bewusstsein zu rücken. Zum Beispiel Sparen. Der Sparstrumpf der Urgroßmutter jedenfalls war nachhaltiger als die Ersparnisse der Bürger an den Börsen der Welt zu verzocken."

4. Krüger-Kolloquium: 18. Mai, 17 Uhr, Alte Mensa, TU Bergakademie Freiberg, Petersstraße 5

Foto: Der Buchautor Ulrich Grober hat in seinem 2010 erschienen Buch "Die Entdeckung der Nachhaltigkeit" die Entstehung des Begriffs nachgezeichnet. Am 18.5. wird er ab 17 Uhr in der Alten Mensa mit dem Freiberger Wissenschaftshistoriker Dr. Norman Pohl darüber diskutieren.

Ansprechpartner: 
Cornelia Riedel