Wie bohrt man eine Kurve?

Der Titel verspricht eine interessante Lektüre. Und auch der in gelb, blau gehaltene Einband ist ein Hingucker. Wer dann die Unterzeile liest: "Mit Hightech auf der Suche nach Öl, Gas und Erdwärme" ist vielleicht etwas enttäuscht, dass dieses Buch von Matthias Reich kein Krimi ist. Ein Abenteuerroman im klassischen Sinne ist es allemal. Denn der Autor, einziger deutscher Professor für Tiefbohrtechnik, unternimmt eine spannende Reise in sein Fachgebiet, über das bisher wenige Menschen etwas wissen. Dabei erfahren die Leser auf unterhaltsame und verständliche Weise, wie beispielsweise Öl, das Lebenselixier unserer Gesellschaft, aufgefunden und aus der Tiefe geholt wird und welche spektakulären technischen Prozesse dabei ablaufen.

Gleich drei gute Gründe nennt Prof. Matthias Reich von der TU Bergakademie Freiberg, warum er dieses Buch geschrieben hat. "Ich möchte die faszinierende Welt der Tiefbohrtechnik auf populärwissenschaftliche Art und Weise vermitteln. Damit verbinde ich den Wunsch, mehr an Technik interessierte junge Leute für diese Fachrichtung zu begeistern. Das Fach „Tiefbohrtechnik, Erdgas- und Erdölgewinnung“, oder treffender auf englisch „Petroleum Engineering“, kann man in Deutschland nur an der TU Freiberg und an der Uni Clausthal studieren. Wir brauchen dringend gut ausgebildete Nachwuchsingenieure." Zweitens hält das Jahr 2009 ein Jubiläum bereit: Vor 150 Jahren erfolgte in Wietze bei Celle die erste deutsche Bohrung nach Erdöl. Daran möchte der Autor erinnern und zugleich aufzeigen, wie sich die Bohrtechnik seitdem zu einer Hochtechnologie entwickelt hat.

Und schließlich ist das nunmehr vorliegende Buch das einzige, das die moderne Tiefbohrtechnik in deutscher Sprache erklärt. "Ich wende mich an ein Publikum, das mehr über dieses Thema erfahren möchte. Denn noch viele Jahrzehnte werden wir von Energieträgern wie Öl und Gas abhängig sein." Die Zeiten, in denen die begehrten Rohstoffe mehr oder weniger von allein aus der Erde sprudelten, seien längst vorbei. Die heutige Suche danach bliebe jedoch ein Abenteuer der Superlative. Denn "Bohrungen können bis zu 12 km lang sein und dabei um die Kurve gehen. Die Bohrgarnituren sind dicht mit empfindlichen Sensoren bestückt, die während des Bohrens tief in der Erde nach den besten Stellen der Lagerstätte suchen. Dabei herrschen Temperaturen wie im Backofen und Drücke wie unter den Reifen eines landenden Jumbo-Jets. Ein Bohrstrang muss jedoch unter diesen Bedingungen immer zuverlässig funktionieren", nennt der Experte einige Beispiele. Wie das alles zusammenhängt, erläutert der Universitätsprofessor Schritt für Schritt auf 168 Seiten. Fotos, zum Teil von seine Studenten aufgenommen, sowie Illustrationen, die Reich selber zeichnete, ergänzen den Inhalt.

Die "Jagd im Untergrund" biete sich aber auch als Literatur für Fachleute an, vor allem aber für Berufsanfänger in der Öl- und Gasindustrie, die sich einen Überblick über die gesamte Materie verschaffen möchten. Deshalb hat beispielsweise die Berufsfachschule Haldensleben, die den Lehrberuf Bohrtechnik anbietet, den Band für ihre Auszubildenden geordert. Die Herstellung des Buches wurde vom Verein der Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg gesponsert. Es erschien im eigens gegründeten add-books Verlag und kann im Internet unter www.add-books.de oder im Buchhandel (ISBN 978-3-00-028049-8) bestellt werden. Preis: 19,95 Euro.

Der Autor Matthias Reich, 1959 in Osterode/Harz geboren. 16 Jahre war er in verschiedenen Positionen für die Entwicklung, Erprobung, Optimierung und Markteinführung neuer Bohrsysteme zuständig. 2004 schloss er an der TU Bergakademie eine nebenberufliche Promotion im Fach Tiefbohrtechnik ab und erhielt wenig später den Ruf als Universitätsprofessor. Seit 2006 ist er Inhaber der Professur für Bohrtechnik, Spezialtiefbauausrüstungen und Bergbaumaschinen und seit April 2007 Direktor des Instituts für Bohrtechnik und Fluidbergbau.
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Prof. Matthias Reich