Wärme aus dem Bergwerk durch die Nutzung von Grubenwasser

Vier Bergwerksarbeiter laufen Gang entlang
„Mach’ das Licht aus, das spart Energie!“ – Wie oft haben wir diesen Rat schon gehört oder selbst gegeben? Doch ein Großteil der in Deutschland eingesetzten Energie im Haushalt (rund 85 Prozent) wird gar nicht für Strom, sondern für Heizung und Warmwasser verwendet...

Freiberger Wissenschaftler suchen daher nach alternativen Wärmequellen aus der Tiefe. Eine Möglichkeit für die Gewinnung von regenerativen Energien bietet das Grubenwasser in Bergwerken. „Die dort anfallenden Grubenwässer werden aufgrund des weit verzweigten Schacht- und Stollensystems gut erwärmt und erreichen, abhängig von der Teufe, Temperaturen von 12 bis 30 Grad Celsius.  Die Wärme der Wässer kann dann direkt oder mit der Hilfe von Wärmepumpen genutzt werden“, erklärt Prof. Dr. Tobias Fieback, Leiter der Professur für Technische Thermodynamik an der TU Bergakademie Freiberg. Die Technologie wird bereits in einzelnen Projekten wie dem Freiberger Krankenhaus, der Reichen Zeche oder dem Schloss Freudenstein erfolgreich angewendet.

Grubenwasseranlage untertageWie groß das Potential der Grubenwässer hinsichtlich einer geothermischen Nutzung für Heiz- und Kühlzwecke ist, erforschen die Freiberger Wissenschaftler im Rahmen des sächsisch-tschechischen Kooperationsprojektes VODAMIN II. Neben der Auswahl potentieller Standorte für eine geothermische Nutzung im Erzgebirge analysieren die Forscher dabei auch bestehende Anlagen bezüglich ihres Betriebsverhaltens. Im Fokus stehen dabei Untersuchungen zur Wasserchemie sowie zur Entstehung und Verhinderung von Verschmutzungen der Anlagenbauteile. Weiterhin entwickeln die Wissenschaftler einen Leitfaden für Bergwerksbesitzer und öffentliche Einrichtungen, der über die Chancen und die Umsetzung der Wärmegewinnung aus Grubenwässern informiert. Zudem werden die Potentiale der Grubenwassernutzung der Öffentlichkeit auf einer interaktiven Website zur Verfügung gestellt.

Gefluteter BergwerksbereichVODAMIN II wird von der Europäischen Union im Rahmen des Kooperationsprogrammes „Freistaat Sachsen - Tschechische Republik 2014-2020“ für drei Jahre mit 3,7 Mio. Euro gefördert. Beteiligte Projektpartner sind die TU Bergakademie Freiberg, die Technische Universität Ostrava, die Hochschule Zittau/Görlitz, die SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH Freiberg und der Staatsbetrieb Brennstoffkombinat Ústí. Ziel ist es, systematisch den Einfluss von Gruben- und Haldenwässern auf das Grund- und Oberflächenwasser im sächsisch-tschechischen Fördergebiet zu untersuchen.

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Ansprechpartner: 
Dr.-Ing. Thomas Grab, Tel.: 03731/39-3004