Vorlesung "Energieautarke Gebäude" erstmals im Wintersemester 2012/13

Am 9. Oktober 2012 startet die anwendungsorientierte Vorlesung "Energieautarke Gebäude" für alle interessierten Studierenden. Ein energieautarkes Haus zeichnet sich dadurch aus, dass seine Bewohner das ganze Jahr hindurch ohne die Zufuhr von elektrischer Energie, Öl, Gas oder Fernwärme auskommen. Die Vorlesung behandelt thermodynamische Grundlagen zum Bau einer energieeffizienten Gebäudehülle, gibt Einführungen in die Schlüsseltechnologien Solarthermie und Photovoltaik und beleuchtet praktische Fragen der Gebäudeplanung, etwa die gesetzliche Energiesparverordnung. Den Abschluss bilden zwei Exkursionen zu energieautarken Gebäuden in Freiberg.
Die Vortragenden sind Ulrich Groß, Professor für Technische Thermodynamik und Leiter des Instituts für Wärmetechnik und Thermodynamik an der TU Bergakademie Freiberg, und Timo Leukefeld, Solarthermie-Experte, Unternehmer und Honorarprofessor an der Berufsakademie Glauchau und Stephan Riedel, Dipl.-Physiker und Unternehmer.

Derzeit entstehen in Freiberg im Wohngebiet Franz-Mehring-Platz zwei energieautarke Gebäude. Sie werden mit Mess-Sensoren ausgestattet und dienen als Forschungsobjekte in einem auf drei Jahre angelegten Projekt am Lehrstuhl Technische Thermodynamik. „Eines unserer Ziele bei dem Monitoring-Projekt ist es, die Energieströme innerhalb des Gebäudes und nach bzw. von außen zu messen und auf Grundlage dieser Daten optimierte Speicher- und Verbrauchsstrategien zu entwickeln“, erläutert Prof. Groß.

Timo Leukefeld wird Beispiele energieautarker Häuser weltweit vorstellen sowie über die direkte Nutzung der Sonne zur Erzeugung von Solarwärme, Wärmetechnik, Konzeption und Simulation referieren: „Die Solarthermie ist die mit Abstand natürlichste und nachhaltigste Form der Wärmeversorgung. Ich werde auch eines der noch unzureichend gelösten technischen Probleme behandeln: Die Langzeitspeicherung von Wärme. Es gibt bereits vielversprechende Lösungsansätze. Auch an der TU Bergakademie Freiberg laufen Forschungsprojekte, um Wärme beispielsweise in latenten Speichern oder durch chemische Reaktionen zu speichern. Eine Anwendung im kleinen Maßstab sind die Handwärmer, die an Gelkissen erinnern.“

In einem dritten Teil wird der Photovoltaik-Experte und Unternehmer Stephan Riedel über Konzepte der Elektroenergierezeugung mittels Photovoltaik-Technik, sowie deren Speicherungsarten und deren intelligente Integration in ein energetisches Gesamtkonzept referieren: „Im Zusammenhang mit energieautarken Gebäuden spricht man von Insellösungen zur Bereitstellung der Elektroenergie, wobei die Unabhängigkeit vom Stromnetz und damit von den steigenden Strompreisen ein Ziel ist. Überschüssige Energie wird im energieautarken Haus u.a. zum elektrischen ‚Betanken’ eines Elektromobils genutzt.“

Zur Bedeutung des energieautarken Gebäudes und ähnlicher dezentraler Ansätze zur Energieversorgung meint Timo Leukefeld: „Die Energiewende ist gerade an einem toten Punkt angelangt. Der Gesetzgeber hat zu einseitig nur bestimmte Bereiche gefördert. Wir benötigen aber ein Gesamtenergiekonzept, das die Themen Wärme, Strom, Mobilität und Speicherung sowie die Rohstofffrage berücksichtigt und aufeinander abstimmt.“

Die Vorlesung „Energieautarke Gebäude“ im Wintersemester 2012/13 kann immer dienstags im Otto-Meißer-Bau, Gustav-Zeuner-Straße 12, Hörsaal MEI-0080, besucht werden. Beginn ist 9.15 Uhr. Besonders geeignet ist sie für Studierende in den Fächern Angewandte Naturwissenschaften, Energietechnik, Maschinenbau, Umwelt-Engineering und Verfahrenstechnik. Grundlagenwissen aus ingenieurs- und naturwissenschaftlichen Studiengängen wird vorausgesetzt. Nicht immatrikulierte Interessenten benötigen einen Gasthörerschein.

Ansprechpartner: 
Prof. Ulrich Groß