Steine, Stoffe und kostbare Karfunkel - Gesprächsabend über Novalis und Baader

Zu einem Abend mit Gedichten, Liedern und Erinnerungen rund um den Dichter Novalis (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg) lud die TU Bergakademie gemeinsam mit dem Mittelsächsischen Theater in die Schatzkammer der terra mineralia ein. Der Autor und Paracelsus-Forscher Pirmin Meier stellte in seinem Vortrag "Novalis, Paracelsus, Baader - Ein geistiges Bergwerk" eine gedankliche Beziehung zwischen diesen Personen her. Erinnerungen an das Novalisstück "Die blaue Blume", das im vergangenen Sommer auf dem Schlosshof aufgeführt wurde, wurden wach, als Christopher Jung und Jan Roelof Wolthius den philosophischen Gesprächsabend mit Schubert-Lieder umrahmten.

"Frage nur die Steine, du wirst erstaunen, wenn du sie reden hörst", heißt es in Ludwig Tiecks schaurig-schönem Märchen vom "Runenberg". Aphorismen wie diese hört man in Freibergs terra mineralia dieser Tage öfter; sind Theater und Universität doch gerade dabei, einen philosophischen Dialog in Gang zu bringen zwischen Natur- und Geisteswissenschaft, zwischen Turmalin und Hölderlin. Schnittstelle und Anknüpfungspunkt ist dabei Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg (Novalis). Der Frühromantiker schrieb sich 1797 an der Bergakademie ein und ließ später seine Erfahrungen als Salinenassessor, seine Faszination von den Gesteinen in sein schriftstellerisches Werk einfließen.

Zu einem faszinierenden Einblick in die naturphilosophischen Vorstellungen der Frühromantiker lud zum Auftakt dieser Gesprächs- und Diskussionsreihe der Schweizer Autor Pirmin Meier. Der Paracelsusforscher und -publizist machte die geistigen Horizonte der Menschen an der Grenze von Alchimie und moderner Chemie greifbar, dozierte fasslich und farbreich über Themen, zu denen sich normalsterbliche Montanexperten selten Gedanken machen: die Schellingsche Identitätsphilosophie, Nekromantie und Wünschelrutengehen, unsichtbare Naturkräfte und das so genannte "Temperatum", also eine Art Ur-Temperatur, die angeblich konstant unter der Erde herrscht. Weitere Schlüsselfiguren zum Verständnis der romantischen Philosphie wurden lebendig: etwa der bayerische Philosoph und Bergbauingenieur Franz Xaver von Baader (1765-1841).

Nun gilt es, das neue "zarte Pflänzchen" (Universitätsrektor Prof. Bernd Meyer) solch interessanter philosophischer Gesprächsabende weiter zu gießen und zu düngen. Zwischen Gold und Goethit lauern auf jeden Fall noch zahlreiche spannende Themen - und lohnen vielleicht auch einmal die längere Anreise aus Leipzig oder Chemnitz. Aber auch aus Freiberg möchte die neue Gesprächsreihe demnächst noch mehr Besucher anlocken. Als leiser Wink an die hier ansässigen Akademiker zitierte Pirmin Meier abschließend noch einmal Novalis: "Wissenschaftliche Bücher veralten. Die Poesie dagegen dringt zu allen Zeiten in die Herzen der Menschen ein…"

Fotos: Foto-Böhme / Detlev Müller

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