Rückkehr nach Freiberg – Prof. Dr. Thomas Wotte neuer Professor für Paläontologie

Portraitbild von Thomas Wotte unter freiem Himmel
Wie sah das Leben auf der Erde vor etwa 500 Millionen Jahren aus? Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich Prof. Dr. Thomas Wotte seit dem 1. Oktober an der TU Bergakademie Freiberg. Die Berufung als Professor für Paläontologie und Stratigraphie ist für ihn eine Rückkehr nach Freiberg.

Im Wintersemester vor genau 20 Jahren trat der Paläontologe sein Studium in Freiberg an. Nach Stationen an den Geologischen Instituten der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Universität zu Köln, übernimmt der gebürtige Dresdner nun die Professur für Paläontologie und Stratigraphie in Freiberg, die Prof. Dr. Olaf Elicki seit der Emeritierung von Prof. Dr. Jörg W. Schneider kommissarisch innehatte.

Paläontologie in Freiberg multidisziplinär aufgestellt

In Freiberg etablierte Professor Schneider in den vergangenen Jahrzehnten die Permokarbon-Forschung kontinentaler Systeme und die Kambrium-Forschung mariner Systeme, was zu zahlreichen internationalen Tagungen, Workshops und Gremientätigkeiten führte. Eine weitere Besonderheit der Freiberger Paläontologie waren stets die multidisziplinären Forschungsansätze und die breite Anwendungsorientiertheit – was auch stark in der breit gestreuten Lehre für Studenten verankert ist. Das will Prof. Wotte mit seiner Forschung fortführen.

„Mit Prof. Wotte haben wir einen jungen Kollegen, der viel Schwung und ‚Pep’, neue Ideen für die Lehre und spannende Richtungen für die Forschung mitbringt.“, freut sich Prof. Elicki. 

Gruppenfoto Übergabe der BerufungsurkundeProfessor Wottes Arbeiten konzentrieren sich auf die Untersuchung von altpaläozoischen Ablagerungen, die etwa 400 bis 541 Millionen Jahre alt sind. In diesem Zeitabschnitt haben Prozesse verschiedener Gebirgsbildungen, plattentektonische Bewegungen und in den Gesteinsverbänden zirkulierende Flüssigkeiten eine Vielzahl der ehemaligen Fossilien vernichtet oder die stoffliche Ausgangszusammensetzung von Gesteinen und Fossilien stark verändert. Die originalen Informationen sind häufig verloren gegangen, sodass in der Regel nur eine Kombination von paläontologischen, sedimentologischen und geochemischen Untersuchungen zu einer Erkenntnis führt. Durch diesen gesamtheitlichen Forschungsansatz können die Wechselwirkungen zwischen Litho-, Atmo-, Hydro- und Biosphäre besser verstanden und Stoffkreisläufe rekonstruiert werden.

Die Eroberung des Festlandes

Weitere Forschungsschwerpunkte des neuen Professors werden die Grundlagen und Umweltbedingungen sein, die für die Eroberung des Festlandes nötig waren. Die ersten sicheren Nachweise hierfür bilden vollständig erhaltene Landpflanzen aus der Wende vom Silur zum Devon (vor etwa 400 Millionen Jahren). Die dauerhafte Besiedlung durch Tiere fand erst etwa 30 bis 50 Millionen Jahre später statt. Doch bereits aus dem Unterkambrium (etwa 530 Millionen Jahre vor heute) sind aus randmarinen Bereichen Spurenfossilien von Gliederfüßern bekannt. „Sicher sind diese Spuren kein Indiz für ein permanentes Leben auf dem Festland, doch zeigen sie, dass Strandbereiche zumindest episodisch von höheren Organismen aufgesucht wurden.“, erklärt Prof. Wotte. Was aber waren die Grundlagen, die ein Verlassen des Meeres ermöglichten? Gab es besondere Anforderungen an die atmosphärische und ozeanische Zusammensetzung? Fragen, die für ein Verständnis über die Entwicklung der Erde und des Lebens grundlegend und nicht nur für Geowissenschaftler interessant sind. „Die Menschheit versucht gerade den Mars zu erobern und im Grunde hat sie die gleichen Probleme zu lösen wie die deutlich niedriger entwickelten Organismen vor etwa 530 Millionen Jahren.“, so Prof. Wotte.

Studierende, die im Master Geowissenschaften (http://tu-freiberg.de/studium/studienangebot/geowissenschaften-master) studieren, können Paläontologie / Stratigraphie als Vertiefungsrichtung wählen. Der Internetauftritt des Lehrstuhls ist hier zu finden: http://tu-freiberg.de/geo/palaeo

Zum ganzen Studienangebot der TU Bergakademie Freiberg geht’s hier: http://tu-freiberg.de/studium/studienangebot/studiengaenge