Rollende Roboter Untertage unterwegs

Messroboter im Untertageeinsatz © Marc Donner (2017)
Kürzlich war ein von den Markscheidern der TU Bergakademie Freiberg mit entwickelter Messroboter im Forschungs- und Lehrbergwerk "Reiche Zeche" zum Testeinsatz Untertage unterwegs. Die Projektpartner des Projektes zur Automatisierung der untertägigen bergbaulichen Erkundung waren anwesend.

Im Forschungsprojekt UPNS4D+ wird noch bis März 2018 ein bergbautaugliches Erkundungsfahrzeug entwickelt und getestet, das aufgefahrene Strecken autonom vermessen kann. Mit dieser Unterstützung können Daten der Vorerkundung erhoben und ausgewertet werden. Ende Mai war das kettengetriebene Erkundungsfahrzeug zum zweiten Mal im Forschungs- und Lehrbergwerk der TU Bergakademie Freiberg „Reiche Zeche“ im Probeeinsatz, diesmal auch in einem Bereich mit Gleisausbau. 

Der rollende Messroboter trägt neben Laserscannern und optischen Sensoren auch Radarsensoren. Sie dienen dem Kollisionsschutz, einem Schwerpunkt des Projektes. Die bildgebenden Radarsensoren stützen gleichzeitig die Kartierung der erkundeten Bergbaustrecken. Radarsensoren gelten als robust gegen Feuchtigkeit und Schmutz. Das Institut für Markscheidewesen und Geodäsie knüpft mit seinem Beitrag an die Robotikerfahrungen des Instituts für Informatik an. Die Markscheider und Informatiker des Instituts sind für die bergbauliche Nutzung der erhobenen Daten zuständig. So wird die Sohlenkontur automatisch detektiert, Kluftflächen und Haufwerk in Größe und Orientierung analysiert oder Hyperspektraldaten für die geologische Vorerkundung ausgewertet. Derzeit werden die Hard- und Softwarekomponenten an verschiedenen Bergbaumaschinen und Fahrladern eingesetzt, um zu demonstrieren, dass die entwickelte Sensorik und Technologie im operativen Betrieb nutzbringend eingesetzt werden kann.

Das Projekt verbindet zehn Projektpartner überwiegend aus dem Mittelstand und der Bergbauindustrie. Der vollständige Projekttitel „Untertägiges 4D+ -Positionierung-,Navigations- und Mappingsystem zur hochselektiven, effizienten und im höchstem Maße sicheren Gewinnung wirtschaftstrategischer mineralischer Rohstoffe“ erklärt, warum das Forschungsbergwerk Reiche Zeche nicht nur durch seine Zugänglichkeit, sondern auch durch die Art der Lagerstätte hervorragend geeignet ist: hochselektiver Abbau bedeutet Abbauhöhen von einigen Dezimetern, nicht wie im Salz von einigen Metern oder der Steinkohle von einem knappen Meter. „Effizient“ verweist auf einen hohen Automatisierungsgrad, denn Automaten fahren deutlich schneller als menschliche Fahrer durch die Strecken. Wirtschaftsstrategische Rohstoffe sind für Kenner der Hinweis auf die begehrten Seltenen Erden.

Weitere Informationen zum Projekt und den Publikationen: http://tu-freiberg.de/fakult3/mage/forschung/upns4d

Der Diplomstudiengang Markscheidewesen und Geodäsie an der TU Bergakademie Freiberg bereitet auf eine berufliche Tätigkeit als Markscheider oder als Diplom-Vermessungsingenieur mit Spezialisierung auf Ingenieurvermessung im Berg- und Tiefbau vor. Dafür lernen die Studierenden, raumbezogene Informationen und deren zeitliche Veränderungen zu erfassen, zu analysieren, zu modellieren sowie im Kontext unter verschiedenen Aspekten zu interpretieren und zu werten. Das Studium qualifiziert für die fachliche Zulassung zur Referendarausbildung im Markscheidefach. Einsatzmöglichkeiten für Absolventen des Studienganges bestehen vor allem im Bergbau, der Energie- und Rohstoffwirtschaft sowie im Bauwesen und im öffentlichen Dienst. 

Ansprechpartner: 
Priv.-Doz. Dr.-Ing. habil. Ralf Donner, Tel. 03731 39-3555