Professor Wolfgang Naundorf erhält Rammler-Preis

Auf dem Kolloquium und der Tagung treffen sich ehemalige Freiberger Studenten und Doktoranden, um über aktuelle Forschungsthemen und die Entwicklung der Universität zu diskutieren. „Wir erwarten 200 Teilnehmer aus dem In- und Ausland zu unserer Tagung", sagt Dr. Thomas Kuchling vom Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemie-Ingenieurwesen.

Der Helmut-Erich-Rammler-Preis ist nach dem Freiberger Montanwissenschaftler Helmut Erich Rammler (1901-1986) benannt und wird aus dessen Nachlass finanziert. Rammler wurde 1949 zum Professor mit vollem Lehrauftrag und 1951 zum Ordinarius für Brikettierung, Brennstofftechnik und Wärmewirtschaft ernannt. Er war Mitbegründer und Direktor des „Deutschen Brennstoffinstituts Freiberg“.

Mit der Verleihung des Helmut-Erich-Rammler-Preises an Prof. em. Dr.-Ing. habil. Wolfgang Naundorf soll sein engagiertes Wirken im Sinne seines Lehrers Helmut Erich Rammler in Lehre und Forschung gewürdigt werden. Wolfgang Naundorf studierte von 1959 bis 1964 an der Bergakademie Freiberg in der Fachrichtung „Kohleveredlung“. Für seine ausgezeichneten Studienleistungen wurde er mit der „Georgius-Agricola-Medaille“ geehrt. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Dr.-Ing. mult. Erich Rammler am damaligen Institut für Brikettierung. 1969 wurde er zum Dozenten für Agglomerations- und Brikettiertechnik und 1992 zum Professor für Agglomerationstechnik und Luftreinhaltung berufen. Die TU Bergakademie Freiberg sollte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 seine Lehr- und Forschungsstätte bleiben. Mit seinen Forschungsarbeiten gelang es ihm, die von den Professoren Karl Kegel und Erich Rammler begründete wissenschaftliche Schule der mechanisch-thermischen Veredlung von Kohlen an der Bergakademie nicht nur erfolgreich weiter zu führen, sondern auf einem wissenschaftlich anspruchsvollen Niveau zu etablieren. Aus den vielen Einzelthemen zur Stückkoksbildung ist 1978 seine Promotion B zum Dr. sc. techn. (Habilitation) hervorgegangen. Diese Arbeit bildete die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung eines neuen Verfahrens zur Herstellung von „Hochfesten BHT-Koks“ für metallurgische Prozesse. Der in einer großtechnischen Versuchsanlage des damaligen Gaskombinates Schwarze Pumpe hergestellte hochfeste Braunkohlenkoks wurde erfolgreich im Hochofen zur Substitution von Steinkohlenkoks eingesetzt. Mit dieser Erfindung bestätigte Naundorf den Fortbestand und das wissenschaftliche Niveau der Rammler‘schen Schule an der Bergakademie.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands verloren klassische Arbeitsgebiete der Braunkohlenveredlung wie die Erzeugung von Briketts und BHT-Koks ihre wirtschaftliche Bedeutung. Wolfgang Naundorf entwickelte ein neues Profil für die Forschung und Lehre, das er als „Neue Kohleveredlung“ beschrieb. Wichtige Forschungsprojekte waren dabei auf die vielfältige stoffliche Nutzung der Braunkohle, insbesondere in Kombination mit nachwachsenden Rohstoffen, ausgerichtet.

In den Jahren 1992 bis zu seiner Emeritierung 2005 bearbeitete Prof. Naundorf mit seinen Mitarbeitern über 200 Forschungsprojekte, Industrieaufträge und Gutachten. Auftraggeber und Partner aus der Industrie waren unter anderem die Unternehmen Vattenvall Europe Mining AG, RWE Power AG, MIBRAG und Romonta AG. Er wurde mit dem Innovations-Preis der Klüh-Stiftung ausgezeichnet. Auch nach seiner Emeritierung ist er mit ganzem Herzen Forscher und nach wie vor ein glühender Verfechter für eine umfassende Nutzung der Braunkohle. Sein großes Fachwissen sowie seine Erfahrungen aus vielfältigen Untersuchungen im Labor, Technikum und in der Industrie hat Prof. Naundorf als Autor und Herausgeber in dem zweibändigen Fachbuch „Braunkohlenbrikettierung“ verarbeitet. Die TU Bergakademie Freiberg möchte mit der Verleihung des „Helmut-Erich-Rammler-Preises“ Naundorfs langjährige Leistungen in Lehre und Forschung und sein Wirken als engagierter Wissenschaftler mit höchster Fachkompetenz und hohem Ansehen in der Industrie und bei seinen ehemaligen Absolventen würdigen.

Ansprechpartner: 
Dr. Thomas Kuchling