PARFORCE der TU Freiberg kann 1000 Kilogramm Phosphorabfälle pro Tag aufarbeiten

Das PARFORCE-Team.
Das PARFORCE-Projektteam der TU Bergakademie Freiberg ist jetzt in der Lage, pro Tag bis zu 1000 Kilogramm phosphathaltige Abfälle zu Phosphorsäure zu verarbeiten. Dies ergab eine erste Versuchsreihe an der neuen PARFORCE-Forschungsanlage.

Die Technologie ist besondere für kommunale Kläranlagen interessant. Diese sind zukünftig verpflichtet, Phosphate zurückzugewinnen.

Phosphatgewinnung aus KlärschlammAm 27. März wurde die erste Versuchsreihe im industriellen Maßstab mit der PARFORCE-Technologie erfolgreich abgeschlossen. Die PARFORCE-Technologie ist eine von Wissenschaftlern des Instituts für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg entwickeltes innovatives Verfahren  zur Gewinnung von Phosphorsäure aus Produktionsrückständen.

Um zu zeigen, dass das Verfahren im industriellen Maßstab genutzt werden kann, wurde am Institut für Technische Chemie auf dem Campus der TU eine Demonstrationsanlage mit einer Tageskapazität von bis zu 1000 Kilogramm Einsatzstoff errichtet. Die Anlage wird im Rahmen eines 24-monatigen Förderprojektes vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Freistaat Sachsen mit insgesamt 1,3 Mio. € finanziert. Sie wurde im September 2017 durch die damalige Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries eingeweiht und im Dezember 2017 durch den Sächsischen Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft offiziell in Betrieb genommen.

Die neue VersuchsanlagePhosphor ist ein lebensnotwendiges, nicht-regenerierbares Element. Menschen, Tiere und Pflanzen benötigen es für ihr Zellwachstum. Da Europa über keine eigenen Lagerstätten verfügt und Phosphor überwiegend aus geopolitisch schwierigen Regionen importiert werden muss, wurde es von der EU-Kommission zum kritischen Rohstoff erklärt.

Neue Klärschlammverordnung

Phosphate werden unter anderem in der Landwirtschaft als Düngemittel benötigt. Über die Nahrungskette gelangen die Phosphate ins Abwasser und werden in Kläranlagen entfernt. Die Phosphate werden im Klärschlamm gebunden und somit dem Stoffkreislauf entzogen.

Die neue ForschungsanlageUm Phosphate zurückzugewinnen, hatte die Bundesregierung im Oktober 2017 eine neue Klärschlammverordnung, die die Verwertung von Klärschlämmen regelt, erlassen. Hiernach müssen Betreiber kommunaler Abwasser­reinigungsanlagen ab 2029 die im Klärschlamm gebundenen Phosphate zurückgewinnen. Die Rückgewinnungsverpflichtung kann entweder direkt aus dem Klärschlamm oder nach einer Verbrennung aus den Aschen erfüllt werden.

Phosphorsäure ist eine Basis-Chemikalie, die in einer Vielzahl von Anwendungen als Roh- oder Hilfsstoff zu Einsatz kommt. Die Anwendungsgebiete reichen von der Düngemittelherstellung über die Lebensmittelproduktion bis hin zum Einsatz in der Halbleiterindustrie.

Parforce-Mitarbeiter bei der Arbeit.Die Wissenschaftler der Bergakademie hatten im Dezember 2017 die PARFORCE Engineering & Consulting GmbH gegründet und bieten Betreibern von kommunalen Kläranlagen Unterstützung bei der Umsetzung der neuen Klärschlammverordnung an. Mit ihren Erfahrungen im Bereich Phosphor können sie nicht nur die Technologie anbieten, sondern auch technische, wirtschaftliche und strategische Fragen klären.

Weitere Informationen: http://parforce-technologie.de

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Ansprechpartner: 
Dr. Peter Fröhlich, Projektleiter PARFORCE; 03731 39 3663