Ministerin Zypries startet PARFORCE-Anlage der TU Freiberg

Gruppenfoto der Delegation um Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries
Welches Potential wissenschaftliche Ausgründungen der TU Bergakademie Freiberg für die Industrie haben, zeigten Freiberger Wissenschaftler der Bundeswirtschaftsministerin Zypries mit ihrer PARFORCE-Technologie am 12. September in Freiberg.

Fördermittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Höhe von etwas über einer Million Euro halfen dabei, konkret aus dem Programm „EXIST-Forschungstransfer“, das Bestandteil der Hightech-Strategie des Bundesministeriums ist. Zusätzlich fördert das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mit EFRE-Mitteln die komplexe Filtertechnologie als wissenschaftliche Infrastruktur innerhalb des EXIST-Vorhabens mit insgesamt 260.000 Euro. Beide Förderprojekte laufen über zwei Jahre (bis Februar bzw. der Aufbau der Infrastruktur bis Juni 2018).

Das von Freiberger Wissenschaftlern entwickelte Recyclingverfahren PARFORCE beschäftigt sich mit dem Element Phosphor. Der für alle Lebewesen und Pflanzen lebensnotwendige Mineralstoff ist zum Beispiel am Aufbau des Knochengewebes oder der Erbsubstanz beteiligt und unverzichtbar für den Energiestoffwechsel der Zellen. Der Mensch nimmt Phosphor über die Nahrung in Form von Phosphaten auf. Aber auch in der Industrie wird Phosphor in der Düngemittelproduktion für die Landwirtschaft oder als Zusatzstoff in Lebensmitteln eingesetzt. Phosphor ist eine endliche Ressource. Der Bedarf steigt. Die Förderung ist allein im Zweijahreszeitraum 2014 bis 2016 um 22 Prozent gestiegen. Einige wenige Lieferländer bilden ein Oligopol, von dessen Import Deutschland abhängig ist. Das ausgelieferte Phosphat ist zudem immer häufiger mit Schwermetallen belastet. Recycling ist deshalb eine neue und dringend benötigte weitere Quelle. 

Um die Industrie künftig mit einer sauberen, hochwertigen Phosphorsäure versorgen zu können, setzen die Freiberger Forscher bei ihrem Recyclingverfahren auf heimische Ressourcen. Zum Einsatz kommen dabei Klärschlammaschen oder Produktionsabfälle. Das hat viele Vorteile: „Zum einen sind wir weniger stark von Importen abhängig und zum anderen erhalten wir eine hochreine Phosphorsäure, ohne dabei problematische Abfälle zu erzeugen. Die Phosphorsäure können wir perfekt für die Herstellung von Düngern oder für Chemieprodukte einsetzen“, erklärt Prof. Martin Bertau. Sie ist auch für Lebensmittel geeignet. „Die Probleme mit der Schwermetallbelastung bei der klassischen Phosphorsäure gibt es bei unserer Recycling-Phosphorsäure nicht“, ergänzt Dr. Peter Fröhlich, Leiter des Ausgründungsprojektes „PARFORCE Technologie", mit dem das Verfahren nun optimiert und in die industrielle Anwendung gebracht werden soll.  

„Das an der TU Bergakademie Freiberg entwickelte Verfahren ist beispielgebend für nachhaltige, wirtschaftliche Nutzung unserer Ressourcen. Es spiegelt nicht nur die Forschungsstärke der Universität wider, sondern zeigt auch das Potential der Freiberger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Mit ihrer industrienahen Forschung und ihrer stetig wachsenden Zahl an Ausgründungen fördert die Technische Universität den Wissenstransfer in die Wirtschaft und Gesellschaft und trägt dazu bei, Zukunftstechnologien in Sachsen anzusiedeln“, erklärte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries.  

Die Verbindung von Grundlagenforschung und angewandter Forschung ist ein besonderes Merkmal der Freiberger Universität. „Forschung auch im industrienahen Maßstab ist eine unserer Stärken“, betonte Rektor Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht. "Unsere Studenten lernen am Objekt und werden bereits während ihres Studiums frühzeitig in die Forschung eingebunden und arbeiten an Lösungen für aktuelle Zukunftsfragen." Im neuen internationalen Master-Studiengang SINReM verknüpfen die Studierenden ab dem Wintersemester 2017/18 beispielsweise von der ersten Vorlesung an Wissenschaft, Technik und Wirtschaft und erhalten direkten Einblick in erfolgreiche Ausgründungsprojekte.  

„Die Unternehmen in Mittelsachsen sind überwiegend sehr klein und benötigen innovative Impulse aus der Wissenschaft für eine weitere erfolgreiche Entwicklung. Die TU Bergakademie Freiberg stellt sich dieser Aufgabe. Nachhaltigkeit und regionale Kreisläufe sind dabei wichtige Schwerpunkte“, so MdB Dr. Simone Raatz, die die Delegation begleitete.

Weitere Informationen zum PARFORCE-Verfahren und Ausgründungsprojekt: http://parforce-technologie.de

Artikel zum Bau der PARFORCE-Anlage vom 19. Mai mit den Logos aller Zuwendungsgeber: http://tu-freiberg.de/presse/patentierte-technologie-parforce-demonstrationsanlage-im-aufbau

Ansprechpartner: 
Dr. Peter Fröhlich, Tel. 03731 39-3663, peter.froehlich@chemie.tu-freiberg.de
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