Kunststoffabfälle und Ozeanmüll als Rohstoff für die Chemie

Drei Personen, davor Meeresmüll.
Die Vermüllung der Umwelt ist eine globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Das Freiberger Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen stellt sich dieser und arbeitet in einem neuen Projekt daran, Kunststoffabfälle und Ozeanmüll zu recyceln.

Beim bisherigen Recycling von Kunststoffabfällen stehen die hochwertigeren Teile des Mülls im Vordergrund. Die Freiberger Forscher setzen mit ihrem Verfahren aber bei dem Rest an, der heute überwiegend auf Deponien landet oder verbrannt wird.  

In einer Großversuchsanlage auf dem Freiberger Institutsgelände im Fuchsmühlenweg wandelt das Team um Institutsleiter Prof. Dr. Bernd Meyer die kohlenstoffhaltige Abfälle (u.a. Kunststoffabfälle und Ozeanmüll) in ein Synthesegas um. Das flüssige Gas setzt sich aus Wasserstoff und Kohlenstoff zusammen und lässt sich für die Herstellung neuer Kunststoffe verwenden. Aus einer Tonne Müll können die Wissenschaftler bis zu einer halben Tonne Kunststoff gewinnen. Und das mit weniger Kohlendioxid-Freisetzung als bei der bisherigen Verbrennung des Abfalls. Damit liefern die Wissenschaftler um Prof. Bernd Meyer einen wichtigen Beitrag für eine effiziente Kreislaufwirtschaft der Zukunft.

Kunst- und Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange schaute sich die Anlage bei ihrem Erzgebirgs-Besuch am 16. Mai an. Dr. Alexander Laugwitz, zuständig für die Technologieentwicklung der Feststoffvergasung, erklärte das Mengenpotential der chemischen Nutzung bisher verbrannter Restabfälle und die zusätzlichen Anforderungen zur Weiterentwicklung der Vergasungstechnologien. Während dem Besuch erhielt die Ministerin auch einen direkten Eindruck von den Großversuchsanlagen am IEC sowie den verwendeten Einsatzstoffen wie Kunststoffabfällen aus den Ozeanen (bereitgestellt vom NABU).

Das Sächsische Wissenschaftsministerium hat ein entsprechendes Forschungsprojekt zu CO2-armer Kohlechemie und chemischen Recycling als Beitrag zu einer nachhaltigen und emissionsarmen Kreislaufwirtschaft in Sachsen und seinen Nachbarregionen gefördert.

Neben öffentlich geförderten Projekten von Land und Bund arbeitet das Institut mit großen nationalen und internationalen Industriepartnern zusammen.