Kolloquium ehrt Wirken des Paläontologen Prof. Jörg W. Schneider

Ein Ehren-Kolloquium für den international bekannten Paläontologen Prof. Jörg W. Schneider findet heute, am 17. Oktober 2008, am Geologischen Institut der Fakultät für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau statt. Die Veranstaltung im Großen Hörsaal Formgebung, Bernhard-von-Cotta-Straße 4, würdigt anlässlich des 60. Geburtstages des erfolgreichen Hochschullehreres und Forschers dessen umfangreiches wissenschaftliches Wirken und die Bedeutung der Freiberger Paläontologie-Schule. Das Spektrum der Beiträge, die ehemalige Studenten, Wissenschaftler und Weggefährten vorstellen, deckt weite Bereiche der modernen paläontologischen Wissenschaft ab.
Erst kürzlich kehrte Prof. Jörg Schneider mit sechs Geologie-Studenten von Sauriergrabungen in Südfrankreich zurück. Das Paläontologische Praktikum führte sie für 14 Tage in ein ausgetrocknetes Bachbett im Lodève Becken. Dieses Tal mit seinen roten Sedimentgesteinen zieht Professor Schneider bei seinen Forschungen über die Klimaentwicklung im zu Ende gehenden Erdaltertum schon einige Jahre in seinen Bann. 2001 machten die Freiberger Gruppe hier einen spektakulären Fund: Einen Oberschenkelknochen von knapp 40 Zentimeter Länge. "Bei späteren Grabungen 2004 und 2006 fanden wir auch Rippen bis zu einem halben Meter Länge und Fußknochen", berichtet er. "Die Funde weisen auf ein großes kräftiges Saurier mit tonnenförmigen Bauch hin, einen Pflanzenfresser", erläutert Prof. Jörg Schneider. Komplette Skelette von "Verwandten" dieses pflanzenfressenden Sauriers sind aus Russland und Nordamerika bekannt. Inzwischen hat Student Frederik Spindler von der TU Freiberg diesem "französischen" Exemplar mit einer Rekonstruktionszeichnung Leben eingehaucht.

Große Erwartungen verbanden der Freiberger Professor, seine Kollegen und Studenten von den Universitäten Montpellier und Dijon sowie Vertreter vom Naturhistorischen Museum in Paris mit den diesjährigen gemeinsamen Grabungen vor Ort. "Nachdem wir viele verstreut liegende Skelettteile präparieren konnten, hatten wir große Hoffnung, den Schädel zu finden." Leider erfüllte sich dieser Wunsch nicht. Trotzdem ist Jörg Schneider mit den aktuellen Funden nicht unzufrieden. Neben einigen Knochen entdeckten die Praktikanten eine Vielzahl von Pflanzenresten, Blättern, Teile von Baumstämmen. Dies und zahlreiches Grabungsmaterial früherer Jahre helfen dem Wissenschaftler, die Landschaft zu rekonstruieren, in der der riesige Pflanzenfresse vor 255 Millionen Jahren lebte. "Bei den Blattfunden zeigte sich, dass dieser Typ bisher in Europa unbekannt war. Zusammen mit nordamerikanischen Paläobotanikern wollen wir nun ergründen, zu welchem wahrscheinlich baumförmigen Pflanzen sie gehören", blickt Prof. Schneider schon einmal voraus. Außerdem habe man im fossilen Schlamm der Regenzeittümpel sehr interessante kleine Krebstiere und Insektenflügel gefunden. Da bieten sich einige Themen für studentische Belegarbeiten an.
Ansprechpartner: 
Prof. Jörg Schneider