Klimaverhandlungen in Marokko: Es geht – nicht nur – um viel Geld

Aus einer Hand voll Münzen wächst ein zartes grünes Pflänzlein
„Fehlanreize bei der internationalen Klimafinanzierung vermeiden“, mahnt Prof. Dirk Rübbelke von der TU Bergakademie Freiberg.

Auf der ersten UN Klimakonferenz nach Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens (noch bis 18. November) geht es vor allem um dessen Umsetzung. Diskutiert werden auch die finanziellen Regelungen der Industrieländer. Diese hatten Klimatransfers von jährlich 100 Milliarden US Dollar ab 2020 an die Entwicklungsländer zugesagt. 

Ein weiteres Thema ist „Loss and Damage“: Wer wird für klimabedingte Schäden und Verluste eintreten müssen? Arme Länder fordern in diesem Zusammenhang Kompensationen von den Industrieländern. Ein großer Streitpunkt hinsichtlich der internationalen Klimafinanzierung ist die Frage, wie die Summe für die Anpassung an den Klimawandel gesteigert werden kann. Aktuell ist die Finanzierung gegenüber der Klimaschutzfinanzierung unterrepräsentiert. Ökonomen weisen auf ein grundsätzliches Anreizproblem hin: Zahlen die Industrieländer den Entwicklungsländern Gelder zur Unterstützung der Anpassung an den Klimawandel, dann werden die Entwicklungsländer infolge des besseren Schutzes vor den Klimawandelfolgen ein geringeres Interesse haben, selbst zur Treibhausgasreduktion beizutragen. Dies ist vor dem Hintergrund stark steigender Treibhausgasemissionen in den Entwicklungsländern ein beachtliches Problem. 

Dirk Rübbelke, Professor für Allgemeine Volkswirtschaftslehre, insbesondere Rohstoffökonomik an der TU Bergakademie mahnt: „Deshalb müssen mögliche Fehlanreize bei der Gestaltung der internationalen Klimafinanzierung genau untersucht werden und der Schwerpunkt weiterhin auf Maßnahmen zum Klimaschutz liegen – und weniger auf Maßnahmen zur Anpassung. Gut gemeinte klimapolitische Maßnahmen führen nicht notwendigerweise zu Verbesserungen und können sogar zu einer Verschlechterung des Klimaschutzes führen.“ Diese und verwandte Themen bilden einen Schwerpunkt der aktuellen Forschungsarbeit am Lehrstuhl von Prof. Dr. Rübbelke. Im kommenden Jahr erscheint dazu das Buch „Climate Finance“ im Verlag World Scientific, dessen Mitherausgeber Prof. Rübbelke ist (http://www.worldscientific.com/worldscibooks/10.1142/9433). Zudem wurde eine von der Sächsischen Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft zur Förderung der Nachhaltigkeit mitfinanzierte Stelle an der Professur geschaffen, in deren Rahmen die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Claudia Baldauf zu internationalen Transfers im Klimaschutz forscht. 

Die Technische Universität Bergakademie Freiberg richtet als Ressourcenuniversität Lehre und Forschung unter anderem daran aus, wie ein nachhaltiger Umgang mit den endlichen Ressourcen dieser Erde zum Wohle der Gesellschaft zu bewerkstelligen ist und entwickelt gleichzeitig effiziente, alternative Technologien erforscht.

Ansprechpartner: 
Prof. Dirk Rübbelke, Tel. 03731 39-2763