Junge Wissenschaftlerin erforscht Geschichte eines verborgenen Kunstschatzes

Die Freiberger Doktorandin Yaman Randani untersucht die Glasperlen auf einer Wan
Sie sind klein und doch steckt in ihnen so viel Geschichte – Die Rede ist von Glasperlen aus dem 18. Jahrhundert. Zu finden sind sie auf den Wandbehängen des „Roten Schmelzzimmers“ im Arnstädter Neuen Palais. Welche Geheimnisse sich in ihnen verbergen, untersucht jetzt eine Freiberger Doktorandin.

Yamna Ramdani hat in Algier Geologie studiert und ist seit einem Jahr Doktorandin bei Prof. Gerhard Heide in der Mineralogie. Zur Vorbereitung ihrer Doktorarbeit besuchte die 25-Jährige unter anderem Vorlesungen und Praktika des Freiberger Studiengangs Geologie und Mineralogie. In diesem lernen die Studierenden, welche Eigenschaften Kristalle, Minerale und auch Glas besitzen und wie sich deren chemische Zusammensetzung im Labor analysieren lässt. Ihr Wissen wendet die Nachwuchswissenschaftlerin nun an einem ganz besonderen Kulturobjekt an.

Geforscht wird an der vom Schlossmuseum Arnstadt zur Verfügung gestellten „Schmelzzimmerbahn Nr. 7 (Ostwand), Motiv colonne tore mit Frucht- und Blumengirlanden“. An der am 29. August eingetroffenen Bahn analysiert Yamna Ramdani künftig die materialtechnische Zusammensetzung der angebrachten Glasperlen. Ziel der Untersuchungen am Freiberger Institut für Mineralogie ist es, herauszufinden, aus welchem Glas die Stabperlen aus dem Roten Schmelzzimmer bestehen, woher das verwendete Material stammt und welche Technologien zur Herstellung eingesetzt wurden. Erste computertomographische Aufnahmen ermöglichen bereits Aussagen über die geometrische Beschaffenheit der Perlen und die Glasqualität.

Mit ihren Erkenntnissen unterstützt das Institut für Mineralogie der TU Bergakademie Freiberg, unter Leitung von Prof. Gerhard Heide, das Schlossmuseum Arnstadt als Projektpartner bei der Entwicklung eines Konzepts zur Digitalisierung der einzigartigen Wandpaneele im Roten Schmelzzimmer. In Zusammenarbeit mit der Textilrestauratorin Supianek-Chassay soll der Kunstschatz so für die Nachwelt erhalten werden. Finanziert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes – eHeritage.

Zur Geschichte

Das „Rote Schmelzzimmer“ im Arnstädter Neuen Palais entstand im 18. Jahrhundert und diente wahrscheinlich als Audienzzimmer. Die original erhaltenen Wandbespannungen sind Zeitzeugen der exklusiven Ausstattungsmode des europäischen Hochadels. Weltweit sind nur fünf weitere Wandbespannungen dieser Art bekannt – das "Strohzimmer" im Fassanenschlößchen bei Moritzburg, im Prunkschlafzimmer des Erbprinzen von Baden-Baden in Schloss Favorite bei Rastatt, im Glasperlenkabinett des Chinesischen Schlosses in Oranienbaum bei St. Petersburg sowie in der Löwenburg bei Kassel und Waddesdon Manor in England.