Graphen-Forscher aus Prag als Humboldt-Stipendiat in Freiberg

Dr. Ondrej Jankovsky und Enrico Storti. © Birgit Holthaus
Graphen gilt als Wunderwerkstoff der Zukunft, der vielleicht eines Tages das Silizium als Chip-Rohstoff ersetzen kann. Der Humboldt-Stipendiat Dr. Ondřej Jankovsky aus Prag ist ein Experte für Graphen. Von März bis September 2018 forscht er am Institut für Keramik-, Glas- und Baustofftechnik.

Der 30jährige Wissenschaftler von der Universität für Chemie und Technologie in Prag (VŠCHT Praha) unterstützt die Forschung zu kohlenstoffhaltigen Feuerfestwerkstoffen als Schlüsselbauteile für die Metallurgie von Prof. Christos G. Aneziris, Professur für Keramik. Ondřej Jankovský promovierte 2015 beim Prof. Sedmidubský in Prag und arbeitet seitdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anorganische Chemie an der Universität für Chemie und Technologie in Prag. Er kann schon jetzt auf über 80 wissenschaftliche Journalbeiträge und 14 Patente verweisen. Er hat einen h-Index von 16 und ist bereits Vizepräsident der Tschechischen Silikatgesellschaft, über die er auch mit Freiberg in Kontakt kam.

Während der geplanten Forschungsarbeiten wird Ondřej Jankovský unter anderem im Sonderforschungsbereich SFB 920 „Multifunktionale Filter für die Metallschmelzefiltration - ein Beitrag zu Zero Defect Materials“ neue Anwendungsfelder für Graphen und Graphenoxide zu erschließen, insbesondere für Anwendungen bei hohen Temperaturen (>1500 °C). 

„Die speziellen Werkstoffe Graphen und Graphenoxid möchten wir gemeinsam mit Dr. Jankovský in kohlenstoffhaltigen, großformatigen Funktionalbauteilen einbringen, um damit deren thermomechanische Eigenschaften und Beständigkeit bei Hochtemperaturanwendungen erheblich zu verbessern“ erklärt Prof. Christos G. Aneziris.  

„Bedingt durch seine zweidimensionale Struktur weist Graphen eine Reihe von außergewöhnlichen mechanischen, thermischen und chemischen Eigenschaften auf. Graphen ist erheblich fester als Stahl und gleichzeitig extrem dehnbar. Die thermische und elektrische Leitfähigkeit ist sehr hoch, daher kann Graphen als flexibler und zugleich transparenter Leiter eingesetzt werden“ ergänzt Dr. Jankovský.

Für die Herstellung, Identifizierung und Charakterisierung des zweidimensionalen Materials  Graphen  erhielten 2010 Andre K. Geim und Konstantin S. Novoselov von der Universität Manchester (UK) den Nobelpreis für Physik. Beim Graphen handelt es sich um eine einzelne atomare Schicht von Kohlenstoff. Geim und Novoselov ist es gelungen, Graphen aus Graphit, der häufigsten Form von Kohlenstoff, durch mechanische Delaminierung zu extrahieren.  

https://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2010/

Eine verwandte, jedoch nur quasi-eindimensionale Form von Kohlenstoff stellen so sogenannte Kohlenstoffnanoröhrchen (carbon nanotubes) dar. Diese Kohlenstoffform verwendet Enrico Storti, Doktorand im Sonderforschungsbereich SFB 920, um die Oberflächen von feuerfesten Filtermaterialien zu funktionalisieren und somit höhere Filtrationseffizienz zu erreichen.

http://tu-freiberg.de/forschung/sfb920

Mit den Humboldt-Forschungsstipendien für Postdoktoranden und Postdoktorandinnen ermöglicht die Alexander von Humboldt-Stiftung überdurchschnittlich qualifizierten Wissenschaftlern aus dem Ausland am Anfang ihrer wissenschaftlichen Laufbahn Forschungsaufenthalte in Deutschland einzugehen.

https://www.humboldt-foundation.de/web/humboldt-stipendium-postdoc.html 

https://www.humboldt-foundation.de/pls/web/pub_auswahlergebnisse.main

 

Ansprechpartner: 
Prof. Dr. Christos G. Aneziris, Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik, Tel.: 03731 39 2505