Friedrich Schorlemmer zu Gast an Freiberger Universität

Mit überraschenden Wortschöpfungen und ungewöhnlichen bildhaften Vergleichen entlockte Schorlemmer dem Publikum neben Nachdenklichkeit und zustimmendem Applaus auch manches Lächeln. So sprach er seine Zuhörer ganz bewusst mehrmals mit "Freie Demokraten, liebe Freiberger" an und verwies auf den "gewaltig gewaltlosen gesellschaftlichen Umbruch" des "Herbstwunders" und die Verkettung glücklicher Umstände während der "friedlichen Oktoberrevolution". Schorlemmer machte sich auch Gedanken über die Väter dieses Erfolges und deren heftige Deutungskämpfe. Er stellte dem Auditorium seine "acht Väter" in mehr oder minder launigen Sätzen vor.

Seine Forderung an Politik, Gesellschaft und die Bürger lebt er vor: "Redlich der Geschichte der DDR nachzugehen." Er berichtete, wie aus der Wut der Menschen Mut wurde, der besonnen blieb. Und er scheute sich auch nicht zu sagen, dass nicht jeder, der damals ausgereist ist, ein Widerstandskämpfer gewesen sei. Bei allem berechtigten Stolz brachte die politische Wende aber noch keinen Wandel zu einem überlebensfähigen Zivilisationsweg. Dazu seien noch größere Umbrüche nötig, meint Schorlemmer, und verwies als Beispiel auf die bisher erfolglosen Welternährungs- und Klimagipfel. Deshalb sei Mut auch in der Gegenwart und in Zukunft gefragt. Er forderte die Anwesenden auf, "sich dazu ermutigen zu lassen."Als zweiter Festredner erzählte Konrad Heinze, ehemaliger Oberbürgermeister Freibergs, eine, seine Geschichte. Er nannte sie " Von einem der auszog, das Fürchten zu verlernen". Seine sehr persönlichen, emotionalen Erinnerungen ergänzten die Sicht vom Kleinen im Großen.

Zur Festveranstaltung konnten Rektor Prof. Bernd Meyer und Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm den Präsidenten des Sächsischen Landtages, Dr. Matthias Rößler, sowie die Landtagsabgeordneten Dr. Martin Gillo (CDU), Benjamin Karabinski (FDP) und Dr. Jana Pinka (Die Linke) begrüßen. Der Landtagspräsident dankte in einem Grußwort den Freiberger Bürgern für ihr Engagement. Er erinnerte noch einmal an besonders prägende Ereignisse von 1989. An die Friedensgebete in der Petrikirche und an den 4. Oktober. Damals fanden sich rund 400 Freiberger Bürger am Bahnhof ein, wo die Züge mit den DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft vorbeirollten. Weitere Grußworte zum Thema dieses denkwürdigen Abends steuerten Oberbürgermeister Schramm und Rektor Prof. Meyer bei.

Fotos: Eckardt Mildner, weitere Pressefotos 4: Torsten Mayer