Friedensgebete gegen Krieg und Extremismus

Mit diesen Worten eröffnete Pfarrer Michael Tetzner vor rund 200 Menschen das abendliche Friedensgebet in der Petrikirche. Besonders herzlich begrüßte er den 72-jährigen Rainer Frommann, der an diesem Tag Gast in der Petrikirche war und zuvor bereits als Zeitzeuge Schülern und Jugendlichen aus Freiberg seine Erlebnisse über diesen Tag vor 65 Jahren schilderte. Und auch in der Petrikirche berichtete er in eindringlichen Worten über Schicksale von Kindern und Familien des Bahnhofsgebietes. Diese damaligen Eindrücke prägten sein gesamtes Leben und er vermittelte den Zuhörern glaubhaft, dass er seitdem jede Form von Krieg und Gewalt ablehne. Rainer Frommann beendete seine Worte mit einer Bitte: "Damit die Erinnerung bleibt, gebt den Orten und Opfern ihre Namen zurück. Nie wieder Opfer, nie wieder Krieg!"

Ein deutliches Zeichen gegen das ewig Gestrige setzte der Freiberger Bürgermeister Sven Krüger in einem Grußwort: "Wir lassen nicht zu, dass dieser 7. Oktober 1944 in Freiberg durch Andersdenkende vereinnahmt wird. Wir bekennen uns gegen Krieg und Gewalt." Zu den bewegenden Momenten dieses rund einstündigen Friedensgebetes trug auch der Freiberger Knabenchor unter Leitung von Wolfgang Eger bei. Unter den Musikstücken von Mozart, Bruckner, Cornelius und Grapp war die Hymne "Hör mein Bitten" für Sopransolo (Kerstin Randall), Chor und Orgel von Felix Mendelssohn Bartholdy ein besonders emotionaler Höhepunkt.

Bereits um 11.45 Uhr erklangen für 15 Minuten kraftvoll die Glocken der Petrikirche Bis 12 Uhr fanden sich im Kirchenraum rund 80 Freiberger Bürger ein, um am ersten Friedensgebet des Tages teilzunehmen. Unter den Besuchern befanden sich auch der Rektor der TU Bergakademie, Prof. Bernd Meyer, Kanzler Dr. Andreas Handschuh und der Prorektor für Bildung, Prof. Michael Schlömann sowie Holger Reuter, Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bauwesen. Die Worte der Erinnerung und Mahnung von Pfarrer Michael Tetzner begleitete die Schweizer Organistin Verena Förster der Gottfried-Silbermann-Orgel von 1735.

Die TU Bergakademie Freiberg und der STURA unterstützten aktive diese Veranstaltungen in der Petrikirche. Mit einem am Mittag an der Jakobikirche angebrachtem Transparent "Kein Krieg - kein Extremismus" wurde auf das abendliche Friedensgebet im Stadtzentrum aufmerksam gemacht. Als weltoffene Universität steht die TU Bergakademie für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben aller Kulturen. Denn die Wissenschaft in Freiberg ist international. Dies zeigt schon der Blick in die Geschichte. Bereits fünf Jahre nach der Gründung der Bergakademie 1765 kamen die ersten ausländischen Studierenden nach Freiberg. Heute, fast 250 Jahre später, bereichern rund 400 internationale Studierende aus allen Kontinenten das Leben der Universität und der Stadt. Auch in der Forschung nehmen sie eine wichtige Rolle ein. So arbeiten derzeit in Freiberg fast 100 ausländische Wissenschaftler aus 30 Ländern.