Freiberger Wissenschaftler begeistern Generationen in Hohenstein-Ernstthal

In seinem Vortrag „Auf den Spuren von Münzfälschern“ in der Generationen-Uni in Hohenstein-Ernstthal am Mittwoch, dem 11. Januar 2012, führte Prof. Biermann, Leiter des Instituts für Werkstofftechnik der TU Bergakademie Freiberg, die Zuhörer in die Welt der Werkstoffe ein. Anhand von Gefügeaufnahmen zeigte er den Aufbau und erläuterte die Werkstoffeigenschaften von Münzen. Er vermittelte theoretisches Fachwissens über Münzen als Werkstoffe und führte gemeinsam mit seinen wissenschaftlichen Assistenten verschiedene Experimente zur Echtheitsprüfung der Münzen durch. Beispielsweise wurde ein Geldstück und ein Schokoladentaler jeweils bei Raumtemperatur (25 Grad Celsius) und nach einem Bad in flüssigem Stickstoff (-196 Grad Celsius) einer schlagartigen Belastung mit dem Hammer ausgesetzt. Damit wurde der Einfluss von unterschiedlichen Temperaturen auf die Werkstoffeigenschaften geprüft. Das Ergebnis war eindeutig. Die echte Münze blieb trotz Temperaturänderung unverändert und der Schokoladentaler wurde durch den Einfluss der extrem kalten Temperaturen spröde und zersprang in viele Einzelteile.

Als Leiter des Schülerlabors „Science meets School“ der TU Bergakademie Freiberg engagiert sich Prof. Biermann bereits seit Jahren für die Gewinnung von jungen Menschen für die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. „Obwohl moderne Werkstoffe im alltäglichen Leben ständig gebraucht werden, haben viele junge Menschen Berührungsängste mit natur- und ingenieurwissenschaftlichen Themen“, so Prof. Biermann. „Daher möchten wir Veranstaltungen wie die Generationen-Uni dazu nutzen, die Schülerinnen und Schüler für die Welt der Materialien zu begeistern und ihnen Studien- und Berufsperspektiven aufzuzeigen. Durch das Experimentieren lernen sie wichtige Fragestellungen der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik kennen – und wie man ihnen mit wissenschaftlichen Arbeitsmethoden nachgeht.“

Das Interesse von Schülern an der Werkstoffforschung zu wecken und zur Gewinnung talentierter Nachwuchskräfte in dieser Disziplin beizutragen, ist auch eines der Ziele in den beiden Sonderforschungsbereichen (SFB) 799 und 920 der Universität. Während die Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg im SFB 799 „TRIP-Matrix-Composite“ an der Entwicklung von Hochleistungsverbundwerkstoffen aus Stahl und Keramik arbeiten, erforschen sie im Sonderforschungsbereich 920 unter dem Titel "Multifunktionale Filter für die Metallschmelzefiltration – ein Beitrag zu Zero Defect Materials" neuartige Filterwerkstoffe. Die einstündige Vorlesung zur Theorie und Praxis von Werkstoffen während der Generationen-Uni ist damit auch ein wesentlicher Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit der beiden Sonderforschungsbereiche.

Die Generationen-Uni in Hohenstein-Ernstthal hat sich aus der Kinder-Uni entwickelt und wird in dieser Form das erste Mal durchgeführt. Der Grund dafür ist, dass sich einige Bürger zwar für die Themen der Kinder-Uni interessierten, sich aber nicht trauten, daran teilzunehmen. Nun lädt die Veranstaltung, die nach wie vor für Kinder von sieben bis zwölf Jahren konzipiert ist, alle Altersgruppen ein. Ziel ist es, den Beteiligten wissenschaftliche Themengebiete auf einfache Art und Weise näherzubringen. Neben Prof. Biermann werden in diesem Jahr noch weitere Wissenschaftler von sächsischen Hochschulen bei der Generationen-Uni in Hohenstein-Ernstthal über ihr Fachgebiet referieren.

Foto: Prof. Dr.-Ing. Horst Biermann (l.) und seine zwei wissenschaftlichen Assistentinnen Dipl.-Wirt.-Ing. Yvonne Klemm (2. v. l.) und Dipl.-Ing. Katja Fritzsch (r.) analysieren mit Niklas Hasse aus Glauchau den Aufbau einer 1-Euro-Münze am Mikroskop. Quelle: privat