Freiberger Physiker erhält renommierten Max-von-Laue-Preis

Die deutsche Gesellschaft für Kristallographie (DGK) überreichte am Dienstag, dem 13. März, in München dem Freiberger Physiker Dr. Tilmann Leisegang den Max-von-Laue-Preis. Der Mitarbeiter des Instituts für Experimentelle Physik der TU Bergakademie Freiberg erhält die Auszeichnung für seine wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Kristallographie. In seiner Dissertation beschäftigte sich Leisegang mit dem atomaren Aufbau komplexer Verbindungen der Seltenen Erden. Das sind Stoffe, die unter anderem für Batterien und Elektromotoren gebraucht werden. Der Preis ist einer der wichtigsten für Nachwuchswissenschaftler in der Kristallographie und dem Andenken an den deutschen Physiker und Nobelpreisträger Max von Laue gewidmet.
Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kristallographie (DGK) in München erhielt der Freiberger Forscher heute den Preis. Mit dem Max-von-Laue-Preis ehrt die DGK Nachwuchswissenschaftler, die Hervorragendes auf dem Gebiet der Kristallographie geleistet haben. „Die Forschung von Dr. Tilmann Leisegang ist ein wichtiger Beleg für das hohe Potential der Kristallographie-Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses an der TU Bergakademie Freiberg“, sagte Physik-Professor Dirk Meyer zur Preisverleihung. Gewürdigt werden damit Leisegangs umfassende Strukturanalysen der Seltenerd-Verbindungen, wobei er insbesondere die Synchrotronstrahlung zur Untersuchung einsetzte, eine hochintensive Strahlung, die in Teilchenbeschleunigern entsteht. „Seltene Erden und deren Verbindungen werden von der Industrie immer stärker nachgefragt, da sie über bestimmte Eigenschaften verfügen, die für neuartige technologische Produkte äußerst wichtig sind“, erklärt Dr. Leisegang.Die Kristallographie, das Fachgebiet von Dr. Tilmann Leisegang, ist eine Materialwissenschaft, bei der die physikalischen und chemischen Eigenschaften kristalliner Materialien im Zusammenhang mit ihrem atomarem Aufbau, der Kristallstruktur, erforscht werden. Der Physiker untersucht Auswirkungen kleinster Variationen der Zusammensetzung auf die physikalischen Eigenschaften der Seltenerd-Verbindungen.„So kommen zum Beispiel in einem Hybridauto, einem Fahrzeug mit kombiniertem Antrieb aus Verbrennungs- und Elektromotor, etwa 10 bis 12 Kilogramm an Seltenerdmetallen zum Einsatz. Seltene Erden sind in der Batterie, den Magneten der Elektromotoren und sogar den UV-Licht-undurchlässigen Scheiben enthalten. Das liegt an ihren vielfältigen Eigenschaften, die bis heute noch nicht vollständig verstanden sind. Deshalb ist es für uns so wichtig, ihren atomaren Aufbau zu kennen“, so Leisegang.

Seltene Erden werden auch in der Metallurgie verwendet, um die mechanischen Eigenschaften von Leichtmetall-Legierungen, etwa im Flugzeugbau, zu verbessern.

„Die Seltenen Erden und deren Verbindungen sind aber nicht nur aus technologischer Sicht reizvoll, sondern bedeuten auch für die Grundlagenforschung ein großes Reservoir an komplexen Phänomenen“, beschreibt Dr. Leisegang. „Bereits kleinste Veränderungen im atomaren Aufbau, der Kristallstruktur, können die mit diesen Verbindungen verknüpften besonderen elektronischen Eigenschaften wie etwa Supraleitung, zerstören. Das Verständnis und die korrekte theoretische Beschreibung dieser Phänomene ist für die Wissenschaft eine große Herausforderung.“

Max von Laue (1879 bis 1960) war ein deutscher Physiker und Nobelpreisträger, der die Beugung von Röntgenstrahlen an Kristallen entdeckte und dafür 1914 den Nobelpreis für Physik erhielt. Damit wurde der Wellencharakter der Röntgenstrahlung und die Gitterstruktur der Kristalle nachgewiesen.

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Cornelia Riedel