Freiberger Informatiker visualisieren in höchster Auflösung

Virtuelle Welten in einer bisher einmaligen Auflösung können Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg erzeugen. Am Institut für Informatik wurde dazu ein Projektionsraum eingerichtet, dessen Technologie erstmals an einer Universität zum Einsatz kommt.
18 hochauflösende Displays projizieren an drei, jeweils neun Quadratmeter große Wände über 35 Millionen Bildpunkte. Die dargestellten Bilder sind so scharf und brillant wie auf den derzeit modernsten Full HDTV-Fernsehgeräten. Die Kosten für die Anschaffung des Forschungsgroßgeräts in Höhe von über einer halben Millionen Euro übernahmen jeweils zur Hälfte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Land Sachsen.

Mit dem Projektionsraum, einer so genannten CAVE, verfügt die Freiberger Universität über einmalige Visualisierungsmöglichkeiten für die Forschung. „Mit der Technologie lassen sich virtuelle Umgebungen simulieren, in denen Ingenieure geplante Konstruktionen realitätsnah erproben können“, erklärt Bernhard Jung, Professor für Virtuelle Realität und Multimedia, die Anwendungsmöglichkeiten. So können Fahrzeugvarianten in der Entwicklungsphase getestet oder Fabrikhallen vor dem Bau geplant werden. In der Energieforschung können kleinste Details von Verbrennungsvorgängen sichtbar gemacht werden, woraus neue Erkenntnisse für die Entwicklung effizienterer und umweltfreundlicherer Kraftstoffe abgeleitet werden können.

Ziel der Freiberger Informatiker ist es, eine dreidimensionale Darstellung der Projektionen zu erreichen. Dazu werden kurz hintereinander die Bilder für das rechte und das linke Auge auf den Wänden erzeugt. Eine Brille, die über Infrarot mit dem Projektionssystem verbunden ist, filtert die Informationen für das jeweilige Auge heraus. Beim Betrachter bewirkt dies, dass ein räumlicher Eindruck entsteht. „Für diesen Effekt müssen die Projektionen der einzelnen Displays absolut synchron sein“, beschreibt Konrad Froitzheim, Freiberger Professor für Betriebssysteme und Kommunikationstechnologien, die Herausforderung. Bei der Entwicklung dieser Technologie kooperiert die TU Bergakademie mit der Walt Disney Company.

Doch nicht nur eine realistische Darstellung, sondern auch die Interaktion mit der künstlichen Welt wollen die Forscher verbessern. Der Betrachter soll sich zukünftig in der Welt frei bewegen und sogar Gegenstände greifen können. „Wenn uns das gelingt, sind wir dem Holodeck aus den Star-Trek-Filmen wieder ein Stück näher“, blickt Konrad Froitzheim voraus.

Ansprechpartner: 
Prof. Bernhard Jung