Freiberger Funktionsmodell einer Schwamkrug-Turbine ergänzt das Original im Industriemuseum Chemnitz

Links das Modell und rechts die Original-Turbine im Industriemuseum Chemnitz © I
Das 2016 von Studenten der TU Bergakademie Freiberg entwickelte Computermodell der Turbine wurde extra für die Dauerausstellung des Industriemuseums plastisch umgesetzt. Im Gegensatz zum Original ist es beweglich konstruiert und veranschaulicht den Besuchern die Strömung innerhalb der Maschine.

(v.l.) Prof. Dr.-Ing. habil. Rüdiger Schwarze, Dr.-Ing. Martin Heinrich, Johannes Burkert  von der TU Bergakademie Freiberg und Sandra Hannemann vom Industriemuseum Chemnitz vor dem Modell © Sebastian Neumann / TU Bergakademie FreibergHeute (21. April) wurde das Modell dem Industriemuseum übergeben. „So können wir den Besuchern den Einsatz der Turbine im Bergwerk im Hinblick auf die Kraftumformungen sowie den Lauf des Wassers mit Hilfe von LEDs demonstrieren“, erklärt Prof. Rüdiger Schwarze von der Professur für Strömungsmechanik und Strömungsmaschinen an der TU Bergakademie Freiberg.

Die Schwamkrug-Turbine war eine von Friedrich Wilhelm Schwamkrug (1808-1880) in Freiberg entwickelte Wasserturbine. Er konzipierte diese für den Einsatz in Bergwerken um mit Hilfe von Pumpenanlagen das Grubenwasser aus den untertägigen Stollen zu fördern. Als Antrieb diente Wasser, welches über Kunstgräben aus dem Erzgebirge Richtung Freiberg gefördert wurde. Die Schwamkrug-Turbine war speziell an den Freiberger Bergbau angepasst. Zusätzlich besaß sie ein geringes Verstopfungsrisiko, was aufgrund des mechanisch verunreinigten Wassers für bis dato eingesetzte Wasserturbinen eine besondere Herausforderung darstellte. Die erste Schwamkrug- Turbine wurde 1846/47 im 5. Lichtloch des Rothschönberger Stolln bei Krummhennersdorf erbaut.

Die im Museum ausgestellte Schwamkrug-Turbine ist die einzige im Original erhaltene obertätige Turbine und gehört seit 2015 zum Exponatsbestand der Dauerausstellung im Industriemuseum Chemnitz. Vor ihrer Museumsweihe lagerte sie mehrere Jahrzehnte auf dem Freigelände des Forschungs- und Lehrbergwerkes „Reiche Zeche“ der TU Bergakademie Freiberg bevor sie im Forschungsumfeld der Schüleruniversität dieser Lehranstalt wieder ins Visier rückte und später von den Museumsrestauratoren für die Ausstellung bearbeitet wurde.

Das Industriemuseum Chemnitz arbeitet bereits 2002 im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der TU Bergakademie Freiberg zusammen. Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom Förderverein des Industriemuseums Chemnitz e.V.

Zu Friedrich Wilhelm Schwamkrug

Nach seinem Studium an der Bergakademie Freiberg lehrte F. W. Schwamkrug das Fach Maschinenbau an der Gewerbeschule zu Chemnitz und wurde zum Oberkunstmeister im sächsischen Bergbau und Hüttenwesen berufen. Die Erfindung der nach ihm benannten Turbine sollte insbesondere die großen Wasserräder im erzgebirgischen Bergbau ersetzen. Ende des 19. Jahrhunderts traten leistungsfähigere Pelton-Turbinen an die Stelle der Schwamkrug-Turbinen.