Freiberger Forschung im weltweiten Dialog

500 Wissenschaftler und Fachleute aus der Wirtschaft treffen sich vom 21. bis 23. Juni 2006 an der TU Bergakademie Freiberg zum Freiberger Forschungsforum – 57. Berg- und Hüttenmännischer Tag (BHT). In elf Kolloquien diskutieren sie aktuelle Forschungsthemen. Besondere Aufmerksamkeit genießt in diesem Jahr das Thema Energie. Zur feierlichen Eröffnung des BHT spricht am 21. Juni 2006 Prof. Eike Lehmann, Präsident des VDI, um 19 Uhr in der Alten Mensa, Petersstraße 5, über das Thema "Vom Diplomingenieur zum Master of Science".
Die traditionsreiche wissenschaftliche Veranstaltung ist in ihrer Form einmalig in Deutschland. Die auf dem gesamten Campus stattfindenden über 180 Vorträge bieten einen Einblick in die Themenbreite der aktuellen Freiberger Forschungen. Das Angebot zieht Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Freiberg. So haben sich für den Internationalen Workshop über Spezialstähle für die Elektrotechnik „Magnetism und Metallurgy“ Experten aus den USA, Japan, Südkorea, Brasilien, Indien und China angemeldet. „Bei dem Einsatz von Spezialstählen in Elektroanlagen, beispielsweise Generatoren oder Fahrzeugantrieben, spielt der effiziente Einsatz der Werkstoffe eine zentrale Rolle. Thema des Workshops wird es deswegen sein, wie Werkstoffe höhere Leistungen bei geringerem Materialeinsatz erbringen können“, erklärt Prof. Kawalla.

Das Thema Energie bildet in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt. Das größte Kolloquium 1 mit über 120 Teilnehmern legt den Schwerpunkt auf Energien aus der Tiefe – Erdgas und Erdwärme. Hier spielt besonders die Frage einer effektiven Förderung eine zentrale Rolle. Um die Forschungen in diesem Bereich zu verbessern, stellt das Geoforschungszentrum Potsdam ein neues Bohranlage-System InnovaRig vor. Es ermöglicht kostengünstige Bohrungen in Tiefen bis zu 5000 Metern. Einen wichtigen Schritt in die Richtung der marktreifen Nutzung der Erdwärme präsentiert die TU Bergakademie Freiberg. Durch die Kombination von Erdwärme und Erdgas kann die vorhandenen Energieausbeute um 50 Prozent gesteigert werden.

Welche Potentiale an Erdwärme unter der sächsischen Erde schlummern, zeigt unter anderem das geoinformatische Kolloquium 3 „GIS“. Computermodelle veranschaulichen, wie sich in einer Tiefe von 5000 Metern die Temperaturen zwischen 110 und 130 Grad verteilen.

Die Verwendung von Erdgas für die heimische Energieversorgung ist Gegenstand des Kolloquiums 7 „Gasverteilung und Gasanwendung.“ Die Referenten diskutieren den Einsatz kleiner Gasanlagen, die neben Strom auch Wärme und Kälte liefern können. Erste Erfahrungen mit dem Einsatz von Brennstoffzellen, unter anderem im Botanischen Garten im Chemnitz, werden ausgewertet.

Wie sich die Energiewirtschaft, beispielsweise die Nutzung der Kernenergie, weltweit überwachen lässt, beschäftigt das Kolloquium 2 „Geomonitoring“. Aktualität gewinnt diese Frage durch das Atomprogramm der iranischen Regierung. Dabei geht es den Experten neben der Kontrolle kerntechnischer Anlagen per Satellitentechnologie auch um die Beobachtung anderer Arten der Rohstoffgewinnung und Energieversorgung. So beleuchten die Vorträge die Fernerkundung von bergbaubedingten Bodenbewegungen, von Umweltauswirkungen bergbaulicher Tätigkeit sowie von Kohlefeuern.

Auch das Thema Bergbau ist durch verschiedenen Veranstaltungen vertreten. Kolloquium 4 stellt die neusten Ergebnisse auf dem Gebiet des Wasserschutzes in Bergbaugebieten vor. Im „Deutsch-Polnischen Bergbauforum“ werden aktuelle Kooperationen sowie Perspektiven der Zusammenarbeit diskutiert. Kolloquium 8 „Rheologie und Strukturierung in komplexen Trockenmörteln“ und Kolloquium 9 „Vulkanite – Geologie, Rohstoff, Werkstoff“ runden das Programm ab.

Ansprechpartner: 
Christian Möls