Erich Rammler: Der Mann, der aus Ost-Kohle Koks machte

Portraitgemälde Erich Rammlers von ...
Gleich drei Gedenktafeln erinnern in Freiberg an Erich Rammler, der im Juli vor 110 Jahren in Tirpersdorf im Vogtland geboren wurde. Der Wissenschaftler entwickelte Mitte des letzten Jahrhunderts ein Verfahren mit, um aus Braunkohle Koks für die Hüttenindustrie der DDR herzustellen. Doch der Student und Professor der Bergakademie sah darin nicht seine einzige erinnerungswürdige Leistung.
Mitte der 50er Jahre amtierte Erich Rammler vertretungsweise für kurze Zeit als Rektor der Bergakademie Freiberg. In dieser Funktion entschied er, dass zu der jährlichen Vortragsveranstaltung, dem Berg- und Hüttenmännischen Tag, die Dresdner Philharmonie nach Freiberg eingeladen werden soll. Daraufhin gastierten ab 1955 die Musiker regelmäßig in der Bergstadt. Für ihn die schönste Leistung seines Lebens, wie der Wissenschaftler und begabte Klavierspieler später erzählte.

Eine wissenschaftliche Karriere als Verfahrenstechniker schwebte Erich Rammler nach seinem Schulabschluss in Halle/Saale nicht vor. Sein erster Wunsch war es, Philosophie zu studieren. Doch sein Vater, Architekt und Bauleiter der Gebäude am Bitterfelder Braunkohletagebau „Grube Leopold“ riet ihm davon ab. Er überzeugt ihn, sich für Bergingenieurwesen in Freiberg einzuschreiben. 1920 begann Erich Rammler hier sein Studium, das er 1925 abschloss. Zwei Jahre später promovierte er mit Auszeichnung. Eine Habilitation an der Bergakademie wurde ihm jedoch aus politischen Gründen verweigert. Sein Traum, in Freiberg zu lehren und zu forschen, ging erst nach 1945 in Erfüllung. 1949 wurde Erich Rammler an die Bergakademie zum Professor für Wärmewirtschaft und Brennstofftechnik berufen.

In Freiberg begründete Rammler die Fachrichtung Kohleveredlung. Denn die ostdeutsche Industrie benötigte nach dem Zweiten Weltkrieg dringend Koks. Die für die Herstellung traditionell verwendete Steinkohl lagerten jedoch zum Großteil im Westen Deutschlands. Zusammen mit dem in Berlin lebenden Bergbauingenieur Georg Bilkenroth widmete sich Erich Rammler der Frage, wie sich brauchbare Kokse auch aus Braunkohle herstellen lassen. Beide hatten vor allem die Nutzung der Niederlausitzer Braunkohle vor Augen. 1952 meldeten sie in Ostberlin dazu ein Patent an. Unter der Nummer 4630 wurde es kurz als "BHT (Braunkohlen Hochtemperatur) -Koks-Verfahren" registiert. Noch im gleichen Jahr kam das Verfahren in der Großkokerei VEB Braunkohleveredelung Lauchhammer und später in der Kokerei im VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe zum Einsatz.

Erich Rammler erhielt für seine Leistungen viele Auszeichnungen, darunter die Ehrendoktorwürde von Dresden und Aachen sowie die Ehrenbürgerschaft von Freiberg und Tirpersdorf. Er starb im Alter von 85 Jahren am 6. November 1986 in Freiberg. Gedenktafeln an seinem Wohnhaus in der Richard-Wagner-Straße, am Erich Rammler-Bau auf der Leipziger Straße sowie auf der Reichen Zeche weisen bis heute auf die Verdienste des Forschers hin.

Ansprechpartner: 
Cornelia Riedel, Pressesprecherin