Eintrittsgeld vom Vortrag des Erdbebenforschers Prof. Forkmann für Haiti gespendet

Mit den aufrüttelnden Bildern des Erdbebens von Haiti im Kopf sind am Montag Abend über 80 Besucher in den Vortragssaal der terra mineralia in Schloss Freudenstein gekommen, um wissenschaftliche Hintergründe über diese verheerende Naturkatastrophe zu erfahren. Als ausgewiesener Fachmann stand ihnen der Geophysiker Prof. Bernhard Forkmann Rede und Antwort.
Der emeritierte Professor an der TU Bergakademie Freiberg arbeitete viele Jahre in der seismischen Forschung und Erkundung und leitete bis 2005 den Lehrstuhl Prospektionsgeophysik. Der Erlös aus den Eintrittsgeldern dieser Veranstaltung in Höhe von 420,00 Euro geht als Spende an das Kinderhilfswerk- Projekt in Haiti "Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V.", das die Stadt Freiberg und die Universität gemeinsam unterstützen.

Prof. Bernhard Forkmann begann seinen Vortrag: "Erdbeben: Ursachen und Folgen". mit der Handschrift des Tsunami-Bebens vor Sumatra von 2004. Welche Ursachen zu diesem Erdbeben als auch zum jüngsten in Haiti führten, erläuterte er an einer Platten-Mosaik-Karte. Vor allem an den Rändern der acht Großplatten kommt es immer wieder zu Bewegungen (Beben), die die Wissenschaftler durch seismologische Beobachtungen über fünf Jahrzehnte aufgezeichnet haben. Angestaute mechanische Spannungen, die aus der Tiefe der Erdkruste kommen, führen zu Scherbewegungen, die dann ruckartige Deformationen verbunden mit starken Erschütterungen auslösen.

Der Wissenschaftler zeigte anhand der Karte, dass die Region zwischen nordamerikanischer Platte und der Westküste Mittelamerikas von kleineren Beben geradezu übersät ist, aber seit 1990 um Haiti relativ wenige Bewegungen zu verzeichnen waren. "Damit lag die Wahrscheinlichkeit für ein großes Beben latent vor. Allerdings war eine genaue Vorhersage nicht möglich", so Prof. Forkmann. Die Gründe für Erdbeben liegen in der Tiefe der Erde. Die Wissenschaftler können dort nicht messen, wann so genannte Bruchmomente auftreten. Aus diesem Grund lassen sich auch weitere Nachbeben nicht vorhersagen, mit denen in Haiti immer noch zu rechnen ist.

Inzwischen gibt es zwar Frühwarnsysteme, allerdings gelingt es nicht in allen Fällen, dass diese auch greifen. Als positive Beispiele führte Prof. Forkmann das in den letzten Jahren installierte Tsunami-Frühwarnsystem in der Sumatra-Region und die rechtzeitige Evakuierung der Bevölkerung vor dem Vulkanausbruch des Pinatubo auf den Philippinen von 1991 an. Doch seien Erdbeben komplizierter und weniger kontrollierbar vorherzusagen als Vulkanausbrüche.

Der Geophysiker machte auch deutlich, dass die Ursache für die hauptsächliche Gefährdung von Menschen nicht das Erdbeben an sich ist, sondern die Beschaffenheit der Bauwerke in diesen Gebieten. Rund zehn Prozent mehr Kosten fallen an, wenn Gebäude in Gefährdungszonen erdbebensicher gebaut werden. Das ist leider noch nicht immer der Fall. Deshalb ist eine erdbebensichere Bauweise neben Frühwarnsystemen die wichtigste vorbeugende Maßnahme, um die katastrophenartigen Folgen von Starkbeben zu mindern.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob Tiere mit ihrer empfindlichen Sensorik nicht bei der Vorhersage helfen könnten, antwortete Prof. Forkmann, dass dies untersucht wurde, es allerdings kein verlässliches Prognosemittel darstelle.

Ansprechpartner: 
Institut für Geophysik