Ehrensenatorwürde an Wende-Rektor Prof. Horst Gerhardt verliehen

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Professor Horst Gerhardt erhielt am 19. Oktober 2010 die Würde eines Ehrensenators der TU Bergakademie Freiberg verliehen. Mit einer Akademischen Festveranstaltung in der Alten Mensa wurde der Wissenschaftler für seine besonderen Verdienste um die Entwicklung der TU Bergakademie Freiberg geehrt. In


1988 und dann noch einmal 1990 wurde Prof. Gerhardt zum Rektor gewählt. Dieser Vorgang in Freiberg dürfte einmalig im Osten Deutschlands gewesen sein, dass nach Wende und Neuwahl aller Gremien der Hochschule ein Rektor erneut im Amt bestätigt wurde. Prof. Gerhardt blieb bis zum Wirksamwerden des Sächsischen Hochschulerneuerungsgesetzes im September 1991 Rektor. Danach wurde er entpflichtet, da er kein hohes Amt mehr im öffentlichen Dienst übernehmen durfte.

Gerade in die Zeit des Umbruchs fielen für die Bergakademie wichtige Entscheidungen. So wurde sie im November 1990 als erste Hochschule in den neuen Bundesländern Mitglied der Hochschulrektorenkonferenz. Es folgten dank des Engagements von Prof. Gerhard die Aufnahmen in die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), außerdem wurde die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften neu gegründet.Prof. Horst Gerhardt bewarb sich später im Rahmen einer deutschlandweiten Ausschreibung neu auf seinen eigenen Lehrstuhl und wurde nach einer Bewertung durch eine gesamtdeutsche Berufungskommission am 1. Oktober 1992 als einer der ersten Professoren neuen Rechts in Freiberg berufen. Bis 2000 lehrte und forschte er erfolgreich am inzwischen neu gegründeten Institut für Bergbau und Spezialtiefbau der TU Bergakademie Freiberg.

Zwei Festvorträge umrahmten die Veranstaltung. Prof. Ernst Schlegel, ehemaliger Rektor, sprach zum „Gesellschaftlichen Wandel an der Bergakademie in der Rektoratszeit von Prof. Horst Gerhardt“. Dabei nahm er die rund 200 Gäste noch einmal in die Zeit vor 20 Jahren mit und schilderte, wie sich die Bergakademie als traditionsreiche Ausbildungsstätte in den Wirren der Zeit behauptete. Den Festvortrag zum Thema „Rohstoffe. Für Alle! Wie lange noch?“ hielt Prof. Friedrich-Wilhelm Wellmer, Präsident a. D. der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe. Er zeigte Alternativen zur vielfach propagierten Rohstoffknappheit auf. Musikalisch begleiteten den Festakt das Collegium musicum der TU Bergakademie und das Bergmusikkorps Saxonia Freiberg e.V.

Aus der Biografie

Horst Gerhardt wurde am 24. Februar 1935 in Magdala geboren. Nach Abitur und Studium von 1954 bis 1959 in der Richtung Bergbau-Tiefbau an der Bergakademie arbeitete er als Bergbauingenieur, Steiger und Technologe in den Freiberger Bleierzgruben. Später hatte er im Rahmen einer Expertengruppe des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe Gelegenheit, mehrere Jahre Erzbergwerke in Polen, Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien, Kasachstan, Usbekistan und Tschechien zu befahren und zu bewerten. Von 1968 bis 1980 war er Haupttechnologe und Technischer Leiter im Kupferschieferbergbau.

Nach Promotion (1969) und Habilitation (1980) erhielt er im September 1980 den Ruf als Professor für Bergbau-Tiefbau an die Bergakademie. Während der 20 Jahre in Freiberg führte Prof. Gerhardt über 300 Studenten zum Diplom, betreute 17 Promotionen und sieben Habilitationsverfahren. Wissenschaftlich arbeitete er auf dem Gebiet der Gesteinszerstörung und des Sanierungsbergbaus. Seine Forschungen reichten vom Sprenglochbohren über Sprengtechniken, dem horizontalen und vertikalen Streckenvortrieb bis zu Abbautechnologien im Erz- und Kalibergbau.

Noch heute ist Prof. Horst Gerhardt in zahlreichen bergbauorientierten Gremien ehrenamtlich tätig. Für sein Wirken erhielt er 1983 die Auszeichnung „Verdienter Bergmann der DDR“. 1996 erfolgte seine Berufung als Ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und 2002 als Mitglied der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften. 1999 verlieh ihm die TU Miskolc, Ungarn, die Ehrendoktorwürde.

Foto: Detlev Müller.

Rektor Prof. Bernd Meyer (r.) überreicht Prof. Horst Gerhardt die Ehrensenator-Kette.
Ansprechpartner: 
Dr. Sabine Schellbach