Christoph Hein sprach zum Auftakt gemeinsamer Projekttage von Bergakademie und Theater

Der Schriftsteller Christoph Hein sprach ...
"Wissenschaft und und künstlerische Leidenschaft haben sehr viel gemein. Diese Kategorien betreffen Akteure in zwei Sphären der Gesellschaft – der Universität und dem Theater – die in einer ganz ähnlichen Verantwortung stehen und dies mit ihren spezifischen Mitteln wahrnehmen können: die aktive und kritische Begleitung der gesellschaftlichen Entwicklung, die Führung des hierfür notwendigen Diskurses und die Ausarbeitung von Handlungskompetenzen für ein sich entwickelndes, demokratisch verfasstes Gemeinwesen. Die TU Bergakademie Freiberg als ingenieurwissenschaftlich geprägte Universität - ohne geisteswissenschaftliche Fakultät im engeren Sinne – benötigt hierfür starke Partner", so Dirk Meyer, der Prorektor für Bildung der Bergakademie zum Auftakt der Veranstaltung. Diese finde sie an verschiedenen Stellen und in besonderer Weise im Theater.

"Unser Ziel muss es sein, nicht allein fachliche Spezialisten oder gar Technokraten auszubilden, sondern Persönlichkeiten, die für ihr Handeln mit allen erforderlichen Kompetenzen für die Berücksichtigung der Implikationen des berufsbedingten Eingriffs in das „System Erde“ ausgestattet sind. Dazu sollen die gemeinsamen Projekttage in erster Linie einen wichtigen Beitrag leisten. Wir sind sehr dankbar, dass wir diesen Prozess mit der intensiven Unterstützung durch Christoph Hein und durch die finanzielle Unterstützung der Sparkassenstiftung Mittelsachsen in einer einzigartigen Qualität entwickeln können", ergänzt der Prorektor.

Christoph Hein sprach in seinem Vortrag auch über die Zukunft der Erde: "Ungebremstes Wachstum ist schädlich, Profitsteigerung kann nicht weiter Hauptziel sein, wenn es zu Lasten anderer geht und zu Lasten unserer Ressourcen." Im gut gefüllten Saal der Alten Mensa auf der Petersstraße 5 plädierte der Schriftsteller für den sorgsamen Umgang mit der Erde und wies auf die Gefahren hin, wenn Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Rendite der vorrangige Antriebsmotor der Menschheit sei.

"Jäger und Sammler sind die letzte Generation gewesen, die pfleglich mit der Erde umgegangen ist", so Hein. Er gehe davon aus, dass unsere Enkel und Kinder die Rechnung zahlen würden, wenn weiter die Gier das Handeln bestimme. "Wir sollten uns bei den nachfolgenden Generationen entschuldigen, weil wir mit der Welt umgegangen sind, als wäre alles unendlich", warnte Hein. Die nachwachsende Generation müsse etwas schaffen, "...was wir bisher nicht geschafft haben: zur Vernunft kommen, denn sonst haben schon unsere Enkel einen Überlebenskampf zu führen statt eines Lebens - aufgrund unseres Versagens".

Christoph Hein ist einer der renommiertesten deutschen Schriftsteller der Gegenwart. Aufgewachsen in Bad Düben bei Leipzig, arbeitete er unter anderem als Buchhändler, Montagearbeiter, Kellner, Journalist, Schauspieler und Regieassistent. Nach dem Abitur an der Abendschule studierte er Philosophie und Logik. 1974 übernahm Hein die Position des Hausautors an der Berliner Volksbühne. Seit 1979 ist er freier Schriftsteller. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Novelle „Der fremde Freund“ und das Theaterstück „Die Ritter der Tafelrunde“.

Nach dem Vortrag in der Alten Mensa auf der Petersstraße 5 wurde im Freiberger Theater auf der Borngasse das Stück „Immer zu wenig und alles zu spät“ gezeigt. Als ein Potpourri an Geschichten mit musikalischer Begleitung setzte der Leiter der Berliner Schule für Schauspiel, Ekkehardt Emig, das vielfältige Werk von Christoph Hein in eine Geschichte des Suchens und Erinnerns um. In dem Schauspiel wurden die zentralen Themen des Schriftstellers inszeniert: anfangen, scheitern, wieder anfangen und sich erinnern. Es beschreibt die Sehnsucht nach einem Neubeginn, der auf der Erfahrung des Alten beruht. Emig baut dafür einige Texte Heins, die der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel vertont hat, in das Stück ein.

„Immer zu wenig und alles zu spät – Christoph Hein, mein fremder Freund“ ist das erste Ergebnis einer langfristig angelegten Zusammenarbeit der TU Bergakademie Freiberg, des Mittelsächsischen Theaters, der Poetenbühne „Die Möwe“ Berlin und der Berliner Schule für Schauspiel.

Ansprechpartner: 
Cornelia Riedel