Bergwerk am Schneeberg als akademisches Lehrbergwerk

Exkursion Markscheidewesen und Angewandte Geodäsie © Dr. Thomas Martienßen
Neun Studenten des Studiengangs Markscheidewesen und Angewandte Geodäsie der TU Bergakademie Freiberg arbeiteten auf rund 2350 m Meereshöhe vom 11. bis 18. Juli 2016 im Bereich der ehemaligen Südtiroler Knappensiedlung St. Martin und des Bergwerks am Schneeberg.

Die fachliche Betreuung des Komplexpraktikums erfolgte durch Dr.-Ing. Thomas Martienßen, Dipl.-Ing. Diana Hößelbarth und Dipl.-Geoinf. Andreas Geier vom Institut für Markscheidewesen und Geodäsie der TU Bergakademie Freiberg sowie als ortskundigem Begleiter durch Dipl.-Ing. Marcus Wandinger, der auch den Anstoß zu diesem Projekt gab.

Das über 800 Jahre alte Bergwerk im Hinterpasseier wird bereits seit Jahren für das SÜDTIROLER BERGBAUMUSEUM montanarchäologisch durch M.A. Claus-Stephan Holdermann der Nordtiroler Firma CONTEXT OG erforscht. Nun hat es auch seine Qualität als akademisches Lehrbergwerk unter Beweis gestellt. Sowohl über- als auch untertage erfolgten die Vermessungen des Schneeberger Altbergbaus. Beispielsweise wurde übertage ein bereits 1880 von Prof. Gustav Ziegelheim angelegtes Triangulationsnetz zum Teil wieder entdeckt und mit modernen Methoden, wie dem Globalen Navigationssatellitensystem (GNSS), neu vermessen. Bei der Vermessung des Karlstollens kam untertägig die klassische Tachymetrie zum Einsatz. An anderer Stelle konnten die Studenten in schwer zugänglichen und beengten Grubenbauen direkt vor Ort die während des Studiums erlernte Vermessung mit dem seit Jahrhunderten bewährten Hängezeug praxisnah anwenden. „Die Studenten schufen mit diesen Vermessungen eine wertvolle Grundlage für künftige montanhistorische und archäologische Forschungsarbeiten“, betonte Archäologe Holdermann.

Im Zuge der Vermessung wurde im Karlstollen auch eine bislang unbeachtete sog. Markscheidestufe entdeckt, welche die eingemeißelte Jahreszahl „1717“ trägt und damit über den Auffahrungsfortschritt und die Geschichte dieses Stollens Aussagen zulässt. Außerdem wurde ein alter, nur schwer zugänglicher, Stollen mit jahrhundertealten Schrämspuren dokumentiert.

Unterstützt wurde das Projekt dankenswerterweise vom Südtiroler Bergbaumuseum (Ridnaun), dessen Koordinator Andreas Rainer die Gäste persönlich begrüßte, vom Hüttenwirt Heinz Widmann und seinem Team der Schneeberghütte sowie dem Deutschen Markscheider-Verein und dem Verein Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg. Es ist beabsichtigt, das bisher sehr erfolgreiche Projekt in etwa zwei Jahren fortzusetzen.

Weitere Informationen:

Institut für Markscheidewesen und Geodäsie 

Exkursion Markscheidewegen und Angewandte Geodäsie © Dr. Thomas Martienßen
GNSS-Basisstation auf einem Referenzpunkt in 2380 m Höhe © Dr. Thomas Martienßen
 

Ansprechpartner: 
Dr. Thomas Martienßen, Tel: 39-2875