Bergbau mit Bakterien: Biohydrometallurgen aus aller Welt treffen sich in Freiberg

Doktorand am untertägigen Versuchsstand bereitet Biolaugung vor
Noch bis Mittwoch (27. September) treffen sich in Freiberg rund 200 internationale Biohydrometallurgen zur zweijährlichen Fachtagung. Auf der Agenda stehen Vorträge und Diskussionen zu verschiedenen Aspekten des Bergbaus und der Bergbau-Sanierung mit biotechnologischen Methoden.

Das Freiberger Biohydrometallurgische Zentrum (BHMZ) der TU Bergakademie Freiberg organisiert gemeinsam mit der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie das englischsprachige Symposium International Biohydrometallurgy Symposium (IBS 2017).

Zentrales Tagungsthema ist die Nutzung von Bakterien zur Herauslösung von Metallen aus Erzen, um die Metalle nur noch aus einer wässrigen Lösung gewinnen zu müssen. Diese Verfahrensweise umgeht die konventionelle Aufkonzentrierung durch mechanische Verfahren, insbesondere die Verhüttung. Sie ist besonders geeignet für ärmere und komplexe Erze. „Meistens ist es so, dass die Bakterien den Schwefel in den Erzen oxidieren. Davon leben sie – so wie wir davon leben, den Kohlenstoff aus Stärke, Fetten oder Eiweißen zu oxidieren,“ erläutert Prof. Michael Schlömann, einer der Organisatoren der Tagung. Durch die Oxidation des Schwefels lösen sich die Minerale letztlich auf und das Metall geht in Lösung.

Die Forscher wollen besser verstehen, wie sich die Bakterien an die extremen Bedingungen anpassen. Mit diesem Wissen wollen sie die Prozesse beschleunigen und effektiver gestalten. Auf der Tagung wird die Anwendung der mikrobiellen Laugung auf neue Erztypen diskutiert. Diskutieren werden sie aber auch die Nutzung der Mikroorganismen zur Reinigung von Bergbauwässern oder mikrobielle Umwandlungen von Arsen, um es in weniger giftige Formen zu überführen. Die Freiberger Wissenschaftler werden auch ihre Arbeiten am BHMZ zur in situ-Laugung im Forschungs- und Lehrbergwerk Reiche Zeche oder zur Aufreinigung von Indium aus Laugungslösungen vorstellen.

Zum Rahmenprogramm gehören eine Befahrung der “Reichen Zeche“ sowie Exkursionen zum Bergwerk Pöhla bei Aue, einer Wasserbehandlungsanlage der Wismut oder einer Behandlungsanlage am Braunkohle-Tagebau Welzow in der Lausitz. Im Vorfeld fand ein zweiwöchiger experimenteller Kurs mit drei am BHMZ beteiligten Instituten zur Gewinnung von Indium aus Laugungslösungen. 

Zum International Biohydrometallurgy Symposium haben sich rund 200 Mikrobiologen, Biotechnologen, Metallurgen, Verfahrenstechniker, Mineralogen und weitere Wissenschaftler von allen Kontinenten angemeldet. Der Kreis der Teilnehmer reicht von Chile und den USA über verschiedene europäische Länder und Russland bis nach Japan, China, Indonesien, Australien und Südafrika. „Es ist die wichtigste Kongressreihe auf diesem Gebiet weltweit und sie ist sehr international. Nachdem die vergangenen Tagungen auf Bali, in Chile, China und Argentinien stattfanden, ist es für uns eine große Ehre, als Standort für dieses Jahr ausgewählt worden zu sein. Möglich war das nur aufgrund der Bergbautradition vor Ort, der Unterstützung von Prof. Wolfgang Sand, der aktuell Gastprofessor an der TU Bergakademie Freiberg ist, sowie durch die Unterstützung der Dr.-Erich-Krüger Stiftung, die seit 2013 großzügig den Aufbau des Biohydrometallurgischen Zentrums unterstützt,“ so Prof. Michael Schlömann. „Wir hoffen, dass die Biohydrometallurgie helfen kann, aus regionalen Erzen elegant, kostengünstig und umweltverträglich Metalle zu gewinnen und damit letztlich auch die Region wirtschaftlich zu fördern. Das wiederum ist ausdrückliches Ziel der Dr.-Erich-Krüger-Stiftung,“ resümiert Schlömann.

Meldung vom 30.11.2016 zur Eröffnung des untertägigen Versuchsstandes zur Biolaugung: http://tu-freiberg.de/presse/bergbau-der-zukunft-alternative-und-nachhaltige-verfahren-zur-gewinnung-strategischer-metalle 

Die Wissensredaktion von SWr2 berichtete über das Projekt am 19.01.2017: https://www.swr.de/swr2/wissen/indium-bakterien-bergbau/-/id=661224/did=18855710/nid=661224/1t8331f/index.html

Ansprechpartner: 
Prof. Dr. Michael Schlömann, Tel. 03731 39-3739, Michael.Schloemann[a]ioez.tu-freiberg.de