Wenn Gesteine den Täter überführen
5.02.2010Autor/en: Christian Möls
18 kriminaltechnische Sachverständige schulten sich vom 1. bis 5. Februar im Workshop „Bodenuntersuchungen“ am Institut für Mineralogie der TU Bergakademie Freiberg weiter. Dabei vertieften die Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihr Wissen, wie Gesteinsproben bei der Aufdeckung von Straftaten helfen.
Eine Kofferbombe sorgte Pfingsten 2003 im Dresdner Hauptbahnhof für Aufregung. Die Explosion seines Inhaltes, insgesamt 1,6 Kilogramm Sprengstoff, konnten Spezialkräfte des Bundesgrenzschutzes verhindern. Drei Monate später nahm die Polizei den Täter fest. Gesteine, die in dem Koffer gefunden wurden, führten auf seine Spur.
„Die Untersuchung von Bodenproben geben uns bei Straftaten wichtige Hinweise, wo ein Verdächtiger gewesen ist“, erklärt Michael Münch, forensischer Sachverständiger am Kriminalwissenschaftlichen und -technischen Institut des Landeskriminalamtes Sachsen. Jährlich landen auf seinem Tisch bis zu 300 Proben, die bei Verbrechen sichergestellt worden sind. „Die Fälle, die wir untersuchen, reichen vom Diebstahl bis zum Mord“, so Münch. Selbst kleinste Spuren von Gesteinen genügen ihm, um Informationen über den Tathergang zu rekonstruieren. Dabei beschäftigt ihn vor allem die Frage: was verrät das Gestein darüber, wo der Täter gewesen ist. Im Falle des Kofferbombers von Dresden konnten die Proben vom Tatort einem Steinbruch im Voigtland zugeordnet werden. Dadurch ließ sich die Region eingegrenzt, aus der der Verbrecher kam.
Kenntnisse von Gesteinen und ihrem Vorkommen in Deutschland sind für eine erfolgreiche Arbeit der Sachverständigen unentbehrlich. Um ihr Wissen aufzufrischen und zu vertiefen, gewann Michael Münch gemeinsam mit Kollegen das Mineralogische Institut der TU Bergakademie für einen Weiterbildungskurs. „Der unerschöpfliche Fundus an Belegstücken aus den Freiberger Sammlungen ist für uns ideal“, schwärmt Münch. „Dabei konnten wir auch seltene Gesteinsproben kennenlernen. Die Fachkenntnisse und die Begeisterung, mit denen uns die Wissenschaftler betreut haben, waren einmalig“.
Bei dem fünftägigen Kurs kam den Teilnehmern die erstklassige Ausstattung des Instituts im Bereich der Lehre zugute. „Für die Mikroskopie-Ausbildung stehen uns modernste Geräte zur Verfügen. Das ist deutschlandweit einmalig“, berichtet Jens Götze, Professor für technische Mineralogie an der Freiberger Universität, stolz. Zusammen mit Dr. Axel Renno hat er den Kurs organisiert. An den Mikroskopen lernten die Sachverständigen unter anderem, wie sich Proben, die kleiner als ein Millimeter sind, analysieren lassen. Dabei wurden neben Gesteinen auch technische Minerale, wie Schlacken, Gläser, Keramiken und Baustoffe untersucht. „Die Denkweise von Kriminalwissenschaftlern und Mineralogen ähnelt sich sehr“, stellte Prof. Götze fest. „Beide suchen Spuren im Gelände und stellen sich anschließend die Frage, woher das Material stammt und wie es entstanden ist.“ Deswegen sei es kein Wunder, dass bei den Kriminalämtern auch Mineralogen als Sachverständige beschäftigt sind.
Auch nach dem Ende des Kurses sind enge Kontakt mit dem Landekriminalamt Sachsen beabsichtigt. Denn das Fachwissen der Freiberger Mineralogen kann in Zukunft dabei helfen, den Tätern auf die „Gesteinspur“ zu kommen.
Foto: Prof. Gerhard Heide (l.) vom Institut für Mineralogie erklärt Michael Münch, forensischer Sachverständiger am Kriminalwissenschaftlichen und -technischen Institut des Landeskriminalamtes Sachsen, die Analyse von vulkanischem Gestein anhand eines Obsidians. (Fotograf: Eckardt Mildner)
| Bereich: Institut für Mineralogie | Ansprechpartner: Prof. Jens Götze | E-Mail: |