15.000 Neugierige auf Entdeckertour

Nach dem längsten Tag des Jahres folgte am vergangenen Samstag die lange Nacht der Entdeckungen und der Neugier. Rund 15.000 Besucher nutzten die Nacht der Wissenschaft und Wirtschaft, um Freiberg als Ort der ideenreichen Forschung zu entdecken.
"Die Begeisterung, mit der die Studenten und Mitarbeiter Wissenschaft präsentieren, springt sofort über", war Michael Brokemper beeindruckt. Seine Tochter Franziska beobachtete derweil zusammen mit einer großen Traube von Gästen einen Crash-Versuch, der im Innenhof des Karl-Kegel-Baus steht. Anschaulich konnte sie erleben, wie ein 80 Kilogramm schweres Gewicht aus vier Meter Höhe eine Blechdose zusammenfaltet. Dieser Versuchsstand kommt sonst in der Automobilindustrie zum Einsatz. Anschließend zog die Achtjährige ihren Vater zu einem der nächsten Experimentierstände, die eng gereiht den Hof füllen.

Überall auf dem Campus Süd drängten sich ab 18 Uhr Menschen aller Generationen um die phantasie- und liebevoll vorbereiteten Präsentationen und Mit-Mach-Angebote. "Wir sind von dem riesigen Interesse und dem Andrang begeistert", stellte Dr. Roland Haseneder fest. Der Wissenschafter hat sich zusammen mit seinen Mitarbeitern eine Entdeckertour im Dschungel der Verfahrenstechnik einfallen lassen. Das Angebot kommt so gut an, dass bereits um 21 Uhr Nachschub für das Stockbrot-Backen am Porenbrenner besorgt werden muss.

Aus ganz Sachsen und sogar den umliegenden Bundesländern strömten die Besucher an die TU Bergakademie, wie ein Blick auf die Teilnehmerliste eines Preisausschreibens am Tauchturm vor dem Audimax zeigte. Dort demonstrierten wissenschaftliche Taucher in einem kleinen, wassergefüllten U-Boot, wie sie am Meeresgrund forschen.

Der Ideenreichtum der Universität überzeugte nicht nur die Gäste, sondern auch die bundesweite Initiative "Land der Ideen", deren Schirmherr Bundespräsident Horst Köhler ist. Die Initiative zeichnete am Samstag auf der Bühne vor der Neuen Mensa das Racetech Racing Team für sein Projekt aus, einen Rennwagen zu bauen und dabei auf neue Materialien zu setzen. Das Studententeam darf sich nun als "Ort der Ideen" bezeichnen.

Die TU Bergakademie nutzte die Nacht der Wissenschaft, um erstmals fachübergreifende Angebote für alle Alumni ins Programm aufzunehmen. Nach einem Sektempfang ging es zur Campusführung. Als besonderes "Geschenk" durften die Ehemaligen kostenlos die Ausstellung terra mineralia besuchen. Anke Schramm, die vor zehn Jahren in Freiberg ihr BWL-Diplom machte, kam extra aus Braunschweig angereist. "Das hat sich gelohnt, auch wenn für meine Fachrichtung wenig dabei war. Aber das liegt in der Natur der Sache: spektakuläre Maschinen oder Experimente gibt es da eben nicht."

Den Startschuss zur Nacht der Wissenschaft und Wirtschaft gaben Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm und Rektor Prof. Bernd Meyer bereits um 17 Uhr. Im voll besetzten Shuttlebus, der zwischen dem Campus und dem Gewerbegebiet Süd pendelte, begrüßten sie als Reiseführer die ersten Gäste. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich vor den Einrichtungen und Firmen, die an der Berthelsdorfer Straße ihre Türen geöffnet hatten, bereits lange Schlange gebildet. Die Möglichkeit, angewandte Forschung und gewerbliche Umsetzung zu erleben, entpuppte sich als Besuchermagnet. So waren die Anmeldeliste für die Führungen durch die Produktionshallen bereits nach kurzer Zeit voll.

Sie hätte noch viel länger gehen können, die Forschungsnacht für jedermann. Doch gegen 23 Uhr läuteten die Musiker von Polarkreis 18 den Ausklang des Abends ein. Auf dem Messeparkplatz sorgten sie vor Tausenden von Gästen für Stimmung. Nach dem Abschluss-Musikfeuerwerk von der Freiberger Mega Pyro Show war bei vielen die Neugier noch lange nicht gestillt und viele freuten sich schon auf die nächste Nacht, die Licht in die geheimnisvolle Welt der Wissenschaft bringt.

Ansprechpartner: 
Dr. Sabine Schellbach